34-Jährige in Nürnberg wegen Totschlags mit Regenschirm verurteilt: Im Februar 2019 fand eine Spaziergängerin in Roth einen Reisekoffer, in dem sich die misshandelte Leiche eines Mannes befand. Ein 35-jähriger Freund des Opfers wird für den Tod des Opfers vor Gericht gestellt - im Laufe des Prozesses kommt schließlich die verstörende Wahrheit über die Tat ans Licht.

Nach dem Fund der Leiche wurden zwei Zechkumpanen des Opfers als mutmaßliche Täter vor Gericht gestellt: Ein 35-Jähriger und eine 34 Jahre alte Frau. Zu Beginn beschuldigten sich die beiden Angeklagten gegenseitig, für den Tod ihres Bekannten verantwortlich gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der männliche Angeklagte der Haupttäter in dem Fall war.

Leiche in Koffer gefunden: 34-Jährige misshandelte Zechkumpanen mit Regenschirm

Die Befragung zahlreicher Zeugen und Gutachter sowie zahlreiche Handynachrichten und Chats änderten jedoch das Bild von der Tat: Die 34-Jährige war bekannt dafür, ihre Launen am Opfer auszulassen, wenn die beiden gemeinsam tranken. "Er wurde geschlagen, geschubst, in den Schwitzkasten genommen", so die Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeininger laut dpa.

Auch extremere Gewaltausbrüche ginge der Tat voraus. Die Angeklagte hatte dem Mann ein Küchenmesser in die Seite gerammt. Nach eigener Aussage habe sie das Messer weglegen wollen, aber da sie aufgeregt und betrunken war, weiter damit gefuchtelt und ihn durch den Schwung getroffen.

Die Polizei war bereits mehrmals wegen lautstarkem Geschrei und Schlägen in die Wohnung gerufen worden. Laut der Aussage eines Zeugen, sei die 34-Jährige aggressiv und gewalttätig geworden, wenn sie Alkohol getrunken hatte. Nach Auffassung des Gerichts, war das auch in der Tatnacht der Fall.

Schockierende Details aus Prozess in Nürnberg: Opfer massiv misshandelt

Die Einzelheiten der Tat schockieren: Die Angeklagte soll ihrem Opfer Bier und Chilipaste über den Kopf geschüttet und Geschirrspülmittel in die Nase gestopft haben. Außerdem habe sie ihm ein Fünfzig-Cent-Stück in den Mund gesteckt und ihn anschließend mit Klebeband zugeklebt. Dazwischen hätte sie immer wieder auf ihn eingeschlagen, so Richterin Richter-Zeininger.

Als ihr Opfer auf dem Boden lag, sprang sie wiederholt auf seinen Brustkorb. Sie rammte ihn mehrmals mit einem Regenschirm und schlug mit einem Gürtel auf ihn ein. "Die Angeklagte beabsichtigte bei ihren Handlungen den Geschädigten zu verletzen, zu quälen, zu erniedrigen", sagte die Vorsitzende Richterin.

Der 35-jährige Mitangeklagte half dem Opfer nach eigener Aussage noch in die Badewanne der Wohnung. Danach kümmerte er sich jedoch nicht weiter um ihn - der Mann starb schließlich an schweren inneren Verletzungen.

Opfer starb an inneren Verletzungen - Mitangeklagter half Leiche zu entsorgen

Die Leiche ließen die beiden Angeklagten nach Ansicht des Gerichts gemeinsam verschwinden. Der 35-Jähriger holte einen Reisekoffer aus seiner Wohnung, in den sie den Verstorbenen verpackten. Anschließend warfen sie den Koffer eine Böschung hinunter, wo er kurze Zeit später gefunden wurde.

Die 34-jährige Angeklagte wurde wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von 11 Jahren verurteilt. Wegen ihres Alkoholproblems, wird sie den Großteil ihrer Haft in einer Entziehungsanstalt verbüßen. Der 35-Jährige wurde unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung zur Rechenschaft gezogen. Er erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat.