Laden...
Nürnberg
Durchsuchungen

Gigantischer Missbrauchsfall: Polizei startet Großrazzia in Franken

Im Rahmen der Ermittlungen zum weit verzweigten Missbrauchsfall Bergisch Gladbach fanden nun auch Hausdurchsuchungen in Bayern statt. Dreh- und Angelpunkt war hierbei Mittelfranken.
 

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Ermittler durchsuchen Gebäude in Mittelfranken. Im Zuge der Ermittlungen zum gigantischen Missbrauchsfall Bergisch Gladbach fanden am Dienstag (1. September 2020) auch zwölf Hausdurchsuchungen in Bayern statt.

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) standen dabei vor allem Objekte in Mittelfranken im Fokus der Ermittler. Festgenommen wurde niemand. Jedoch stellte die Polizei der dpa zufolge Beweismittel wie Computer, Handys und andere Speichermedien sicher, die jetzt überprüft werden.

Bundesweite Razzia: Ermittler stellen über 2000 Beweismittel sicher

Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach nimmt immer größere Dimensionen an. Mit jeder Durchsuchung wächst die ohnehin schon riesige Datenmenge, die die Ermittler auswerten müssen - und die sie auf wieder neue Spuren bringt.

Bundesweit stellten die Einsatzkräfte mehr als 2000 Beweismittel sicher. Dabei handele es sich vor allem um Datenträger, sagte Ermittlungsleiter Michael Esser am Mittwoch (2. September 2020) in Köln. Die Auswertung werde sehr viel Zeit einnehmen. Auch zwei Tresore seien beschlagnahmt worden. An der Durchsuchung in zwölf Bundesländern seien am Dienstag mehr als 1000 Polizisten beteiligt gewesen. Verhaftungen habe es nicht gegeben.

Bei den Razzien hatten die Ermittler 50 Tatverdächtige - 48 Männer und 2 Frauen - im Visier. Ihnen werde der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials vorgeworfen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten selbst Kinder missbraucht hätten, sagte Esser.

60 Objekte durchsucht - die meisten davon in Bayern

Die Aktion vom Dienstag sei die bisher größte der Ermittlungskommission «Berg» gewesen. Die Beamten - darunter auch Spezialkräfte - hätten 60 Objekte durchsucht, die meisten davon in Bayern. Dort sei die Polizei an 15 Orten gegen 13 Tatverdächtige vorgegangen.

Insgesamt gibt es in dem Missbrauchsfall, der im vergangenen Oktober in Bergisch Gladbach seinen Ausgang nahm, deutschlandweit inzwischen mehr als 200 namentlich bekannte Beschuldigte.

Ermittler waren im Oktober 2019 in einer Wohnung auf Fotos gestoßen, die Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch zeigten. Ein Mann wurde umgehend verhaftet. Die Spur führte seinerzeit zu drei weiteren Verdächtigen. Die Männer sollen ihre eigenen Kinder geschändet haben.

Symbolfoto: Peter Steffen / dpa