Maschinenbauer aus Franken mit massivem Stellenabbau: 114 Tadano-Faun-Angestellte verlieren ihren Job. Nun herrscht traurige Gewissheit: Der Kranhersteller Tadano Faun baut am Standort Lauf an der Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land) 114 Stellen ab. Das bestätigte Unternehmenssprecherin Anne Steeb am Mittwoch (13. Januar 2021) inFranken.de

Die betroffenen Mitarbeiter seien am Dienstag über den Stellenabbau informiert worden, erklärt Steeb. Die Kündigungen werden demnach erst Ende Januar ausgesprochen. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate, die Mitarbeiter hätten nun die Option, bis zum 1. Februar in eine Transfergesellschaft überzuwechseln.  

Tadano Faun: Standort Lauf soll erhalten bleiben

Über die Zukunftspläne von Tadano Faun verrät Steeb nur wenig. Erst müsse am 18. Februar die Gläubigerversammlung dem Sanierungsplan zustimmen. Laut der Unternehmenssprecherin wird es "Restrukturierungen über alle Bereiche" geben. Sie stellt aber zugleich klar, dass beide Standorte der Tadano-Gruppe, Lauf und Zweibrücken, erhalten bleiben. Am größeren Standort von Tadano, im rheinland-pfälzischen Zweibrücken,  wurden dem Unternehmen zufolge am Mittwoch 392 Mitarbeiter über den Stellenabbau informiert.  

Das Insolvenz-Verfahren war am 1. Januar 2021 eröffnet worden. Im Zuge dessen werde das Unternehmen zahlreichen Mitarbeitern kündigen, erklärte Harry Schreyer, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Nürnberg, inFranken.de erst vor wenigen Tagen. Das Verfahren läuft demnach als Schutzschirmverfahren, also in Eigenverantwortung der Tadano-Gruppe. 

Die Verhandlungen über die Arbeitnehmer seien bereits vonstattengegangen. Bereits Mitte vergangenen Jahres seien mehr als 200 Leiharbeiter abgemeldet worden, die bis dahin am Standort Lauf beschäftigt waren. "Damit war das für den Arbeitgeber schon erledigt", sagt Schreyer. 

IG Metall kritisiert Tadano Faun: "Betriebsrat vor vollendete Tatsachen gestellt"

Der IG-Metall-Sekretär kritisiert indes den fränkischen Maschinenbauer. "Man wäre um einen Personalabbau zwar ohnehin nicht herumgekommen", erklärt Schreyer. "Was jedoch nicht passt und wo sich der Arbeitgeber nicht kooperativ verhält - das ist, wie er das gemacht hat." So sei Tadano auf keinen Vorschlag der Betriebsräte eingegangen. "Wir haben um einzelne Menschen gekämpft", erklärt der Gewerkschafter. Maßnahmen, um Arbeitsplätze zu retten oder Kündigungen aufschieben zu können, seien abgelehnt worden. "Der Betriebsrat wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt."

Zugleich komme Tadano den gekündigten Mitarbeitern trotzdem ein wenig entgegen: "Die Entlassenen bekommen zumindest die Möglichkeit, in eine Auffanggesellschaft überzugehen. Das ist schon recht großzügig", betont Schreyer. Damit würden die Arbeitnehmer in einer Tochtergesellschaft an ein beauftragtes Unternehmen, in diesem Fall MyPegasus GPQ, verwiesen. "Damit haben sie zumindest einigermaßen Sicherheit für die nächsten Monate." 

Wie es um den Erhalt des Unternehmens steht, sei trotzdem ungewiss, so der Gewerkschafter: "Im Moment haben wir die Zusage, dass beide Standorte erhalten bleiben." Die Finanzierung und die Maßnahmen seien zumindest so geplant. "Längerfristig, vermute ich, werden wir jedoch um den Standort in Lauf kämpfen müssen."

700 Mitarbeiter am Standort Lauf: Angestellte bangen um Jobs

Aktuell beschäftigt das Unternehmen gut 700 Mitarbeiter bei Tadano Faun am Standort Lauf und 1500 bei Tadano Demag in Zweibrücken. Mithilfe des Schutzschirmverfahrens soll das angeschlagene Unternehmen saniert und fit für die Zukunft gemacht werden. 

Mit ihren knapp 100 internationalen Vertriebs- und Servicestationen zählt die Tadano-Gruppe nach eigener Aussage zu den großen Herstellern im Bereich Mobilkran- und Hebetechnik. Laut seiner Webseite beschäftigt der Konzern weltweit rund 5000 Mitarbeiter - davon etwa 700 am Standort in Lauf. 

Wie der Laufer Kranhersteller zuletzt berichtete, hat die Geschäftsführung von Tadano Demag  und Tadano Faun am 23. Dezember 2020 den Sanierungsplan beim Amtsgericht Zweibrücken eingereicht. Im nächsten Schritt wird voraussichtlich Anfang Januar 2021 das Insolvenzverfahren für die beiden Konzernschwestern eröffnet. Dies entspreche der üblichen Verfahrensweise eines Schutzschirmverfahrens. Die Restrukturierung der beiden Unternehmen verlaufe somit wie geplant.

Kranhersteller befindet sich im Schutzschirmverfahren

"Die Unternehmen werden auch in der zweiten Phase des Schutzschirmverfahrens selbstständig von der Geschäftsführung unter der Leitung von Jens Ennen geführt", teilte der Maschinenbauer mit. Die Geschäftsführung gehe aktuell davon aus, das Schutzschirmverfahren wie geplant zum Ende des ersten Quartals 2021 verlassen zu können. Der Plan sieht Tadano Faun zufolge eine Restrukturierung der Unternehmen in allen wesentlichen Bereichen vor. Die wichtigsten Eckpunkte sind demnach:

  • Organisatorische Neuausrichtung
  • Verbesserung der Wirtschaftlichkeit
  • Modernisierung und Optimierung des Produktportfolios

Ein Großteil der Maßnahmen ziele darauf ab, die Abläufe zwischen den beiden Standorten Zweibrücken und Lauf besser aufeinander abzustimmen und Prozesse effizienter zu gestalten. Außerdem werde bereits in den nächsten Monaten eine Reihe von neuen Produkten auf den Markt gebracht, kündigte der Konzern an.

Tadano Faun und Tadano Demag: Produktion läuft vorerst weiter

Der Geschäftsbetrieb werde – wie auch in den vergangenen Monaten – unter den Voraussetzungen des Schutzschirmverfahrens weitergeführt. "Die Produktion bei Tadano Demag in Zweibrücken sowie bei Tadano Faun in Lauf an der Pegnitz läuft weiter", teilte der Maschinenbauer mit.

"Mit der Fertigstellung und Einreichung des Sanierungsplans haben wir einen wichtigen Schritt bei der Neuausrichtung der Tadano Demag und Tadano Faun gemacht", konstatierte Jens Ennen, CEO von Tadano Demag und Tadano Faun.

Tadano Demag und Tadano Faun sind Teil der japanischen Tadano-Gruppe. Alle Tadano-"All Terrain-Kräne" werden im Laufer Werk entwickelt, produziert und anschließend über das globale Vertriebs- und Servicenetz weltweit vertrieben. 

Wirtschaftliche Herausforderungen durch Corona-Krise deutlich verschärft

Beide Unternehmen sehen sich laut eigener Aussage seit geraumer Zeit mit schrumpfenden Märkten und zunehmendem Wettbewerbsdruck konfrontiert. "Die damit einhergehenden wirtschaftlichen Herausforderungen haben sich zuletzt aufgrund der Corona-Krise deutlich verschärft und können trotz Kurzarbeit und weiterer in den vergangenen Monaten getroffener Maßnahmen nicht ausreichend abgefedert werden", schrieb Tadano Faun.

Der mittelfränkische Automobilzulieferer Pressmetall muss nach zahlreichen Versuchen letztlich doch Insolvenz anmelden. Die 504 Mitarbeiter verlieren wohl ihren Arbeitsplatz.