• REACH-Verordnung verbietet seit dem 4. Januar 2022 viele Tattoofarben wegen bedenklicher Substanzen
  • Tätowierer Jack Rebel aus Lauf sticht ausschließlich bunte Tattoos und war in seiner Arbeit eingeschränkt
  • Am Dienstag (18. Januar 2022) erhielt er die neuen zugelassenen Farben
  • Selbstversuch auf dem Oberschenkel - Tätowierer sticht sich selbst Farbpunkte

EU-Verordnung: Die seit dem 4. Januar 2022 geltende REACH-Verordnung definiert tausende in Tattoofarben enthaltene Substanzen als potenziell gefährlich oder nicht ausreichend erforscht. In der gesamten Europäischen Union sind damit vor allem die gängigen bunten Tattoofarben verboten. Tattookünstler Jack Rebel aus Lauf erhielt am Dienstag (18. Januar 2022) die neuen zugelassenen Farben und zieht nach einem Test an sich selbst Bilanz.

Update vom 19. Januar 2022, 16.50 Uhr: Neue Tattoofarben sind da - Tätowierer wagt Selbstversuch

Aufatmen nach zwei Wochen Verzicht: Weil er hauptsächlich bunte Tattoos sticht, trifft Rebel das Farbverbot voll. Nun aber erhielt er einen ersten Teil der REACH-konformen Tattoofarben und testete sie gleich an seinem Oberschenkel. "Sie lassen sich einwandfrei einarbeiten. Sie sind wie die Farben, die wir gewohnt sind", ist sein Fazit im Gespräch mit inFranken.de. Auf Facebook teilte er seine Erfahrungen mit seinen Fans: "Nach eingängigem Selbstversuch kann ich sagen, ich bin echt begeistert." 

Doch dies gibt noch nicht gleich grünes Licht für neue Aufträge. "Es gibt drei Punkte zu beachten: Erstens, wie zufrieden ist der Tätowierer mit der Einarbeitung? Zweitens, wie verheilen die Farben? Und drittens, wie schaut die Farbe nach dem Abheilprozess aus? Wenn das alles passt, können wir ab nächste Woche Montag wieder weiter machen", erklärt er. 

Etwa ein Drittel der gewohnten Farbpalette stehe ihm momentan zur Verfügung. Die fehlenden Töne etwa aus der braunen und grünen Farbfamilie seien aber schon gelistet und warteten noch auf die Zertifizierung. Die Farbtöne durch Mischen zu erreichen, sei keine geeignete Lösung. Für größere Projekte brauche es deshalb noch etwas Geduld. "Im Laufe des nächsten Monats werden wir wahrscheinlich eine Farbpalette haben, mit der wir wieder zu hundert Prozent arbeiten können. Gerade sind wir ungefähr bei 90 Prozent." Am 13. Januar 2022 sprach inFranken.de bereits mit Rebel, der nicht nur unter dem Farbverbot litt.

Erstmeldung vom 13. Januar 2022: Tätowierer aus Lauf musste viele Projekte aufschieben

Rebel arbeitet mit zwei Kollegen in einem Tattoo-Studio. Bei einem Kollegen, der nur schwarz-weiß steche, laufe das Geschäft besser als zuvor. Der andere Kollege "mache normalerweise Farbe und Schwarz-Weiß", aber habe vor ein paar Monaten auf Schwarz-Weiß umgestellt. Ihn treffe es nur bedingt. „Mich trifft es aber leider voll“, erklärte Rebel. In zwei aufeinanderfolgenden Wochen stünden drei leere Tage in seinem Kalender. 

Als inFranken.de mit dem Tätowierer im Oktober 2021 sprach, kündigte er an, nur an den drei Weihnachtsfeiertagen Urlaub zu nehmen. Denn viele Projekte wollte er vor dem Eintritt des Verbots noch fertigstellen

Der große Kundenandrang blieb allerdings aus: "Zusätzlich kam uns die 2G-Regel in die Quere. Ein Drittel unserer Kunden durfte gar nicht zum Tätowieren kommen. Das Problem haben wir auch heute noch. Also es ist immer noch sehr schwierig." Viele alte Projekte stünden daher in der Warteschlange. "Dieses Jahr habe ich schon neue Projekte im Kalender, aber ich muss meinen Kund*innen auch versprechen können, dass neue Farbe kommt." Deshalb gelte es noch abzuwarten, bevor die ersten Linien gezogen werden.

Verbot von Grün- und Blaupigmenten droht 2023

Neben der 2G-Regel belaste Rebel und seine Kollegen auch das drohende Verbot der beiden populären Pigmente Blau15 und Grün7. Der Grund: Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) stehen diese im Verdacht, krebserregend zu sein. "Das betrifft dann noch einmal zwei Drittel der Farben, weil Blau für fast jeden Farbton zum Anmischen gebraucht wird", erklärte der Tätowierer aus Lauf.

Um das Verbot zu verhindern, läuft derzeit eine Petition. Ob diese Erfolg hat, wird sich noch zeigen.