Gegen den 28-jährigen Tatverdächtigen wurde am Donnerstag Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes erlassen, teilten Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Der Haftbefehl wurde dem 28-Jährigen am Nachmittag in einer Würzburger Klinik eröffnet, wo er sich derzeit noch in ärztlicher Behandlung befindet und durch die Polizei bewacht wird. Sobald er transportfähig sei, komme er in Untersuchungshaft nach Ansbach, sagte Karl. Der Mann wird anwaltlich vertreten und hat sich bislang nicht zur Sache geäußert.

Zur genauen Aufklärung der Tat müssen die Beamten des zuständigen Fachkommissariates der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach noch weitere Vernehmungen führen. Die Spurensicherung am Tatort wurde am Donnerstag fortgesetzt. Die Beweisaufnahme dauert an.

Neue Details bekannt
Nach dem jetzigem Stand der Ermittlungen ist bekannt, dass der Beschuldigte um 11:15 Uhr im Jobcenter in Rothenburg einen Gutachtertermin hatte. Diesem wohnte eine Arbeitsvermittlerin und das spätere Opfer bei.

Gegen 11:45 Uhr sei der Beschuldigte "emotional erregt gegangen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Ansbach, Gerhard Karl. Worum genau es ging, sei noch unklar. Aber es liege nahe, dass es um den Hartz-IV-Bezug des Mannes oder etwas ähnliches ging. Nach rund zehn Minuten kehrte er dann mit einem Küchenmesser zurück und stach im Büro der Arbeitsvermittlerin unvermittelt auf den Gutachter ein.

Das Messer hat eine Klingenlänge von etwa zwölf Zentimetern und wurde von dem 28-Jährigen in einem nahe gelegenen Geschäft gekauft.

Obduktion durchgeführt
Darüber hinaus fand am Donnerstagvormittag die Obduktion des Getöteten statt. Es liegen erste Ergebnisse vor, die bestätigen, dass das 61-jährige Opfer an den unmittelbaren Folgen des Messerangriffs gestorben ist, nachdem ihm mehrere Stichverletzungen zugefügt worden sind.

Der Beschuldigte war zum Zeitpunkt der Tat nicht alkoholisiert. Ob er unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand und zur Frage seiner Schuldfähigkeit wurden durch die Staatsanwaltschaft Ansbach Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben.

Der Sprecher der Jobcenter-Personalräte, Uwe Lehmensiek, sprach sich trotz des tödlichen Angriffs gegen verschärfte Kontrollen mit Schleusen und Metalldetektoren aus. Das sei "kein Konzept für Jobcenter", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Die Jobcenter wollen einen offenen Zugang für die Menschen bieten." Dennoch hoffe er auf eine neue Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen in Jobcentern, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Bei der Gestaltung der Räume und Fluchtwege könne man möglicherweise mehr tun oder im Einzelfall einen Sicherheitsdienst einstellen. Brigitte Zach von Verdi sagte, die Träger und Geschäftsführungen der Einrichtungen seien "dringend aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte zu prüfen".

In Rothenburg seien wegen ähnlicher Fälle in anderen Jobcentern wie etwa 2012 in Neuss bereits Maßnahmen zum besseren Schutz der Mitarbeiter umgesetzt worden, teilte das Landratsamt Ansbach mit. Dazu zählten unter anderem Schulungen zum Umgang mit schwierigen Kunden, zur Deeskalation und zum Eigenschutz sowie ein Alarmsystem an jedem Arbeitsplatz. pol/dpa