Geburtstagskind Mattias Ekström hat die zehn Jahre währende Siegesserie von Mercedes auf dem Norisring beendet und in einem turbulenten DTM-Rennen Audi den ersehnten Heimerfolg beschert. Der 35 Jahre alte Schwede profitierte von klugen Entscheidungen während zwei frühen Safetycar-Phasen und verwies die Mercedes-Fahrer Robert Wickens und Christian Vietoris auf die Plätze zwei und drei. Kurz nach der Siegerehrung stand aber noch ein Fragezeichen hinter der Wertung, da Ekströms Auto wegen eines möglichen Regelverstoßes untersucht wurde.

Für Aufregung kurz vor dem Ende sorgte ein Unfall zwischen Audi-Fahrer Edoardo Mortara und Mercedes-Mann Gary Paffett, durch den beide ausfielen. "Er ist ein Idiot. Ein kompletter Idiot", schimpfte der Brite in der ARD, der jegliche Schuld von sich abstritt.
Mortara stand noch lange nach dem Crash sichtlich erschüttert an einem Reifenstapel und schüttelte immer wieder den Kopf.

In der Gesamtwertung konnte Paffett so keinen Druck auf die weiter in Führung liegenden Mike Rockenfeller (69 Punkte) und Bruno Spengler (67) aufbauen. Rockenfeller wurde am Sonntag nach 190,900 Kilometern in Nürnberg Fünfter, Titelverteidiger Spengler kam als bester BMW-Fahrer auf Rang sechs. Neuer Gesamtdritter ist Mercedes-Mann Christian Vietoris mit 55 Punkten.

Am Start konnte Wickens die erste Pole Position seiner DTM-Karriere vor Spengler verteidigen. Das Rennen war aber noch keine Runde alt, da musste das Safetycar bereits zum ersten Mal ausrücken. Timo Scheider musste seinen Audi schon nach wenigen Metern wegen Problemen mit den Bremsen abstellen. Für den zweifachen DTM-Champion setzte sich seine Serie von Pleiten, Pech und Pannen in dieser Saison fort, sichtlich aufgebracht warf er Gegenstände durch seine Box.

Noch mehr gebeutelt in diesem Jahr ist wohl nur noch Martin Tomczyk. Auch nach Halbzeit der Saison wartet der Champion von 2011 auf den ersten Punkt, sein Auftritt in Nürnberg endete nach elf Runden an der Streckenmauer. Das darauffolgende zweite Safetycar löste eine wahre Flut von Boxenstopps aus - mit zum Teil haarsträubenden Aktionen. Die Crew von Mercedes-Fahrer Pascal Wehrlein hatte so schnell nicht genug Reifen parat, einige Teams schickten ihre Autos trotz heranrauschender Konkurrenz wieder los. Kollisionen gab es keine, Untersuchungen der Rennkommissare schon.

Im Anschluss teilte sich das Rennen in zwei interessante Gruppen. An der Spitze lagen nun Mortara, Wickens, Spengler und Ekström. Gute Chancen auf den Sieg hatte aber nicht unbedingt nur das Führungsquartett, sondern auch die von Qualifikations-Verlierer Rockenfeller angeführte Reihe von Fahrern mit bereits zwei absolvierten Stopps. Die Frage war nun: Kamen der Audi-Fahrer, Paffett, Green oder Miguel Molina (beide Audi) ohne weiteren Reifenwechsel über die verbleibenden mehr als 65 Runden?

Bei Green, mit vier Siegen "König des Norisrings", war die Frage als erstes beantwortet. Er musste sein Wagen nach 65 Runden abstellen. Für die Spitze des Feldes hieß die Aufgabe trotzdem: Genug Zeit zwischen das eigene Auto und die Zwei-Stopp-Verfolger bringen, um auch nach dem vorgeschriebenen eigenen zweiten Reifenwechsel die Position noch zu halten. Dem Schweden Ekström gelang das am besten. Nachdem er Mortara überholt hatte packte er Zehntel um Zehntel auf seinen Vorsprung. Nach 79 der 83 Runden bog Ekström schließlich ab, 3,2 Sekunden brauchte seine Crew zum Reifenwechsel, und der Vorsprung auf Paffett reichte - für den ersten Audi-Sieg in Nürnberg seit 2002 und das passende Geburtstagsgeschenk. dpa