• "Maishäckslerverfahren" gegen zwei Brüder aus Mittelfranken
  • Bauern stellten anderen Landwirten gefährliche Fallen in Feldern
  • Schwieriger Prozessstart in Neustadt a.d. Aisch
  • Urteil ist gefallen: Zeuge lieferte wichtigen Beweis
  • Angeklagter (63) will in Berufung gehen

Ein 63 Jahre alter Landwirt ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er mit in Feldern versteckten Nägeln, Holzstämmen und Metallteilen Geräte anderer Bauern beschädigt hat. Sein Bruder, der ebenfalls in die Sabotageakte verwickelt war, entging erneut einer Strafe.

Update vom 01.06.2022: Angeklagter (63) will in Berufung gehen

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hätten Berufung eingelegt, teilte ein Sprecher des Amtsgerichts am Mittwoch (1. Juni) mit. Nun ist das Landgericht Nürnberg-Fürth am Zug.

Update vom 20.05.2022: Urteil im "Maishäckslerverfahren" gefallen

Das Amtsgericht Neustadt an der Aisch entschied am Donnerstag (19. Mai 2022) auf eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten wegen mehreren Fällen vorsätzlicher Sachbeschädigung, ausgesetzt zur Bewährung, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Außerdem müsse er den Geschädigten den Schaden in Raten wiedergutmachen.

Der beträgt zumindest in einem Fall mehrere Zehntausend Euro: Ein in einem Feld deponierter Alublock hatte einen Maishäcksler schwer beschädigt. Verletzt wurde bei den Sabotageakten im Jahr 2019 niemand. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 63-Jährige stritt die Taten ab. Die Polizei hatte auf seinem Hof Teile gefunden, die zu den in den Feldern deponierten Gegenständen passten. Auf denen ließen sich DNA-Spuren des 68-jährigen Bruders des Verurteilten finden.

Streit um Felder als Grund für Sabotagen

Die Richterin ging laut dem Sprecher fest davon aus, dass die beiden die Taten gemeinsam planten. Der nun verurteilte 63-Jährige war demnach der "Kopf" hinter den Taten - dass er der dominantere der beiden ist, bestätigten Zeugen. Hintergrund waren offenbar Streitereien um das Verpachten von Feldern.

Die Richterin stützte sich dem Sprecher zufolge außerdem auf die Aussage eines Zeugen, wonach sich der 63-Jährige bei ihm entschuldigt habe, weil die beiden mit einem Sabotageakt an ihm ja den Falschen getroffen hätten.

Auch der 68-jährige Bruder wäre eigentlich mitangeklagt gewesen. Er tauchte aber zum Prozessauftakt vergangene Woche genauso wenig auf wie im vergangenen Sommer zum ersten Versuch, die Brüder in dem sogenannten "Maishäckslerverfahren" zur Verantwortung zu ziehen. Mit ihm will sich das Gericht ein andermal befassen.

Erstmeldung vom 12.05.2022: "Maishäckslerverfahren" gegen Brüder startet holprig

Im Jahr 2019 herrscht Sorge unter Bauern und Erntefahrern im Raum Neustadt an der Aisch in Mittelfranken. Wieder und wieder sind auf ihren Feldern Sabotageakte verübt worden: In Maiskolben versteckte Nägel oder in Feldern deponierte Holzstämme und Metallteile. Können sie sicher sein, dass ihnen bei der nächsten Fahrt nicht auch so ein Teil um die Ohren fliegt?

Manche Erntefahrer hätten damals gesagt, sich nicht mehr auf ihre Maschine zu trauen, berichtet gut drei Jahre später, am Donnerstag (12. Mai 2022), der für die Ermittlungen verantwortliche Polizist am Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Dort wird über die mutmaßlichen Täter verhandelt: Zwei Brüder, ebenfalls Bauern aus der Gegend.

Angeklagter erscheint wieder nicht vor Gericht

Das Verfahren ist schon der zweite Versuch, ihre Rolle im "Maishäckslerverfahren" zu ermitteln. Zum ersten Prozess im vergangenen Sommer erschien aber nur einer von ihnen. So auch an diesem Donnerstag: Der 63 Jahre alte Angeklagte kam, sein 68-jähriger Bruder tauchte wieder nicht auf, ließ ein Attest vorlegen. Verhandelt wurde also vorerst nur gegen den 63-Jährigen. Mit dem Älteren will sich das Gericht ein andermal befassen.

Im Raum stehen mehrere Sabotageakte im Jahr 2019. Am schwersten wiegt der Fall eines Aluminiumblocks, der einen Schaden von rund 80.000 Euro an einem Maishäcksler verursachte. Man könne von Glück reden, dass niemand verletzt worden sei, sagte der verantwortliche Polizist. Der Vorwurf gegen beide Männer lautet Sachbeschädigung. Dafür kann man mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden.

Er bestreite jegliche Täterschaft, ließ der 63-Jährige am Donnerstag über seinen Anwalt mitteilen. Mit ihm kommunizierte er zunächst nur über Zettel, selbst sprach er erstmal kein Wort. Er habe einen Tinnitus, könne dem Geschehen nicht folgen, ließ er mitteilen. Die beantragte Aussetzung des Verfahrens lehnte die Richterin aber ab. "Zum Narren halten lasse ich mich nicht", sagte sie - ein Sachverständiger hatte sich tags zuvor noch gut mit ihm unterhalten können.

Brüder leben auf "vermülltem" Bauernhof

Nach einigen Stunden brach der 63-Jährige dann doch sein Schweigen und beendete die Groteske: Es sei kein Dauerzustand, manchmal sei es aber so laut, dass er nichts mehr verstehe. "Ich will hier niemanden auf den Arm nehmen", betonte er.

Der 63-Jährige ist Zeugenaussagen zufolge der dominantere der Brüder, ergreift demnach öfter für den Älteren das Wort. Ihren Hof beschrieb ein Sachverständiger als "vermüllt und unhygienisch".

Zeugenaussagen zeichnen ein Bild eines Konflikts in einer Gegend, in der man sich untereinander kennt, zumindest voneinander weiß. Der für die Ermittlungen zuständige Polizist sagte, die betroffenen Bauern seien sicher gewesen, die Täter müssten aus den "eigenen Reihen" kommen. Denn die deponierten Gegenstände würden nur in der Landwirtschaft genutzt. Jeder dieser Geschädigten habe zuvor in irgendeiner Weise Probleme mit den Angeklagten gehabt, berichtete er.

63-Jähriger drohte dem ermittelten Polizisten

Laut dem zuständigen Polizisten stellte sich der 63-Jährige bei den Ermittlungen zunächst selber als Opfer der "Anschläge" in den Feldern dar. Bei Durchsuchungen seien auf dem Hof der Brüder aber Teile gefunden worden, die genau zu den in den Feldern deponierten Gegenständen passten. Der 63-Jährige habe während der Ermittlungen mehrmals bei ihm angerufen. In einem der Gespräche habe er dem Polizisten gedroht, er solle auf sich und seine Familie aufpassen.

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