Raserei im Straßenverkehr führt immer wieder zu schlimmen Unfällen. So auch vergangenes Jahr in Unterfranken. Nach einem illegalen Straßenrennen stehen dort nun zwei junge Motorradfahrer vor Gericht und müssen sich für den Tod eines 24-Jährigen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den 20 Jahre alten Männern vor, am 29. Mai 2020 ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen durchgeführt zu haben, bei dem ein 24-Jähriger starb.

Wie berichtet, sollen die damals 19-Jährigen bei Kirchzell im Landkreis Miltenberg mit mehr als 170 Kilometern pro Stunde über eine Kreisstraße gerast sein. Ein Rennteilnehmer geriet den Ermittlungen zufolge nach einem Überholmanöver in den Gegenverkehr. Ein 24-Jähriger, ebenfalls wohl Teil der Gruppe, fuhr genau in dem Moment die Strecke in der andere Richtung entlang. Er überlebte die Kollision mit dem Angeklagten nicht.

Nach tödlichem Motorradrennen bei Kirchzell: Prozess gegen zwei junge Männer beginnt

Die Ermittlungen zu dem Unfall ergaben, dass die beiden Fahrer zu einer fünfköpfigen Gruppe gehörten, die sich zu einem Rennen verabredet haben soll. Solche Wettfahrten sollen sie bereits mehrfach veranstaltet haben. Von dem mutmaßlichen Rennen soll es Bilder und Videos geben, die unter anderem mit einer Helmkamera angefertigt wurden. Außerdem sollen zwei weitere Männer vom Straßenrand aus Aufnahmen von der Raserei gemacht haben. 

Für den Prozess ist laut Gericht nur ein Verhandlungstag angesetzt. Drei Zeugen und ein Sachverständiger sollen gehört werden. Das Urteil könnte bereits am Dienstag gesprochen werden. Die Angeklagten befinden sich nicht in Untersuchungshaft.

Seit Oktober 2017 gelten illegale Auto- und Motorradrennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Der neue Paragraf 315d im Strafgesetzbuch sieht zudem bis zu zehn Jahre Gefängnis vor, wenn der Tod eines anderen Menschen durch ein „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ verursacht wird. Außerdem werden die Fahrzeuge an Ort und Stelle eingezogen. Den Führerschein darf ein Raser in vielen Fällen auch gleich neu machen.

Raser als Mörder? Wegweisender Präzedenzfall aus Berlin

Eine abschreckende Wirkung hat das aber selten. Denn allen angedrohten Strafen und Gerichtsurteilen zum Trotz geben Fahrer weiter Gas: Eine bundesweite Statistik zu illegalen Straßenrennen gibt es zwar nicht. Aber aus veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass es auch in Bayern viele verbotene Kraftfahrzeugrennen gibt.

2018 und 2019 registrierte die Polizei im Freistaat insgesamt rund 480 Fälle. 2020 waren es nach Angaben des Innenministeriums etwa 560 - 7 Menschen starben dabei, 77 wurden verletzt. In diesem Jahr wurden bis Ende Juni rund 260 verbotene Motorrad- und Autorennen erfasst. Die Teilnehmer sind fast ausschließlich männlich und in den meisten Fällen zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Bundesweit hat sich die Justiz bereits mehrfach mit der Frage auseinandergesetzt, ob Raser in ihren meist aufgemotzten und hochmotorisierten Fahrzeugen als potenzielle Mörder unterwegs sind und den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Wegweisend war eine Entscheidung des Berliner Landgerichts vom Februar 2017, als zwei Fahrer als Mörder verurteilt wurden. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland.