Die Beziehung zu einem Haustier ist heutzutage intensiver denn je, nicht selten ist das Tier ein richtiges Familienmitglied. Vor allem Kinder trauern, wenn ein jahrelanger tierischer Begleiter irgendwann stirbt.

Das Gemündener Künstlerehepaar Vera und Arno Ludwig hat über die Jahre 16 Haustiere beerdigt. Ihre Tochter streichelte die gestorbenen Tiere, meist Katzen und Meerschweinchen, oft noch und streute Blumen dazu. "Für sie war das schon sehr wichtig, sich zu verabschieden", erzählt Arno Ludwig. So kam dem Grafiker irgendwann die Idee, Särge für Tiere zu gestalten. Jetzt hat er mit einem Geschäftspartner die Firma omnino GbR gegründet; im Angebot sind zu Beginn Särge aus gepresstem Papier in zwei Größen.

Grafiker aus Gemünden gestaltet Särge für Tiere

Der Karton, in dem der Papiersarg steckt, schaut bunt aus, als enthielte er Spielzeug. Er wollte nichts Düsteres und Trostloses, wollte Kindern keine Angst machen, sagt der 58-Jährige. Der Sarg sollte "absolut ökologisch abbaubar" sein. So kam Ludwig auf einen Hersteller nachhaltiger Verpackungen in Köln. Ludwig hatte zunächst ein Modell aus Ton, das er in einem 3D-Programm digital erfasste. Der Verpackungshersteller baute das Modell dann noch einmal digital nach und ließ eine Stanzform daraus fräsen. Darum herum wird die Papiermasse gepresst. Heraus kommt ein pappfarbener Sarg in Tierform - ein größerer, der wie eine schlummernde Katze aussieht und ein kleinerer, der an ein Meerschweinchen erinnert. So wird er den Kunden auch geliefert. Die können die Särge dann individuell bemalen, etwa in der Fellfarbe des gestorbenen Tieres.

In die größere Form passe auch ein Hund bis achteinhalb Kilo, und natürlich lasse sie sich auch als Hund bemalen. Vorn hat sich Ludwig noch eine kleine Vertiefung für ein Teelichtchen ausgedacht.

Für Ludwig, der auch die Euromünzen San Marinos entworfen hat, ist es beruflich nicht der erste Berührungspunkt mit Bestattungen. 2008 entsann er Särge für tot- und fehlgeborene Kinder, sogenannte Sternenkinder. Zwei Jahre später dann kam ihm die Idee mit den Tiersärgen. "Ich konnte es die ganze Zeit nicht umsetzen", sagt er über die Tiersärge, "weil ich kein Geld auf der hohen Kante habe." Für die Umsetzung braucht es tatsächlich etwas Startkapital. So hat der Hersteller zunächst Entwicklungskosten und dann eine Mindestabnahmemenge von 2500 Stück pro Form.

Unterfranke hat bereits Erfahrungen im Bestattungsbereich: Särge für Sternenkinder entworfen

Irgendwann erzählte Ludwig seinem Bekannten Christian Wittmann aus Friesenhausen (Landkreis Haßberge) davon. Wittmann, Vorsitzender des Vereins "Besser gemeinsam leben Haßberge", war angetan und hatte das nötige Kleingeld. Gemeinsam gründeten sie eine Firma. Man mache sich keine Vorstellung, was man alles regeln müsse, wenn man ein Unternehmen gründet und ein Produkt vertreiben will, sagt der Gemündener. Man müsse sich etwa allgemeine Geschäftsbedingungen ausdenken, eine Gebühr für die Entsorgung der Verpackungskartons bezahlen und einen Internetauftritt erstellen.

Den Produktnamen Tutapets für die Tiersärge (aus dem lateinischen "tuta - behütet" und englischem "pets - Haustiere") dachte sich Ludwig aus. Für die Formen ließ er ein Gebrauchsmuster eintragen. Gemeinsam mit einer Autorin gestaltete der 58-Jährige sogar ein kleines quadratisches Büchlein, das an ein Mini-Kinderbuch erinnert und das als Gebrauchsanweisung mit jedem Sarg mitgeliefert wird. "Aus die Maus" heißt es, und darin geht es um ein Mädchen namens Lena, das eine Maus geschenkt bekommt. Die Maus segnet natürlich irgendwann das Zeitliche und wird schließlich in einem von Ludwigs Tiersärgen im Garten beigesetzt.

In den meisten Kommunen können Haustiere bis Katzengröße einfach im eigenen Garten beigesetzt werden, sagt Ludwig. Aber die Kunden sollten sich informieren, wie es in ihrer Stadt oder Gemeinde ist, weil für manche Kommunen schon eine Katze ein Problem sein könnte.

Seine Tochter habe durch das Bestattungsritual den Tod ihrer Haustiere gut verarbeiten können. "Für sie war das damit abgeschlossen", erzählt Ludwig. Wenn bei ihm zu Hause in Karlstadt früher ein Meerschweinchen oder ein Vogel starb, habe der Vater das tote Tier verschwinden lassen. "Ich fand's blöd, dass die einfach weg sind. Keiner hat dir was erklärt früher." Kinder fragten sich dann ja, warum ein Tier plötzlich weg ist. Warum läuft ein Freund weg? Hatte er einen nicht lieb?

Ludwigs Tiersärge können über die Internetseite der Firma oder über das Online-Kleinanzeigen-Portal Ebay erworben werden. Der Vertrieb wird von den Haßbergen aus organisiert. Arno Ludwig hofft, dass sie künftig auch bei Händlern von Tierbedarf zu beziehen sind. Den ersten Tiersarg hat er gleich im Bekanntenkreis verkauft. Björn Kohlhepp