Jugendschöffengerichtssitzung, sieben Zeugen - ein langer Tag in Lichtenfels, Anfang der Woche. Am Ende mit einem Angeklagten, der wegen vorsätzlicher Körperverletzung schuldig gesprochen wurde: 2000 Euro wird der 20-jährige Lichtenfelser zahlen müssen, weil er am 4. März 2011 am Marktplatz Streit suchte und seinem Opfer dabei das Ohrläppchen abbiss.

Sieben Zeugen, zwei Parteien und zu Anfang des Prozesses noch ein weiteres Delikt, das dem angeklagten Arbeiter vorgeworfen wurde: Zu Allerseelen 2010 soll er gegen null Uhr für einen Lichtenfelser Arbeiter Halloween aus dem Feiertag gemacht haben. Die beiden Männer stießen an der Ecke Reitschgasse/Stadtknechtsgasse zusammen, worauf sich eine Schlägerei entwickelte. Dieses Verfahren gegen den als aggressiv geltenden Beschuldigten wurde aber eingestellt.

So konzentrierte sich das Gericht unter Vorsitz von Richter Armin Wagner auf den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung - mit unterschiedlichen Ansichten: Während Staatsanwältin Claudia Siller die Verletzung als potenziell lebensbedrohlich einschätzte und auf gefährliche Körperverletzung drängte, wiegelte Wagner ab und sprach von vorsätzlicher Körperverletzung.

Auch darum, weil der Angeklagte womöglich seine Gründe für sein unorthodoxes Zweikampfverhalten gehabt haben mag. Eigener Aussage zufolge will der bullig wirkende Angeklagte bei seinem Streit am Marktplatz derart in Bedrängnis geraten sein, dass er sich nur mit dem Biss aus der misslichen Lage zu befreien wusste. Er habe von seinem nur wenig älteren Gegner Fußtritte gegen den Kopf erhalten und zu hören bekommen, dass er "abgestochen" würde.

Entzündet haben soll sich der Streit an einer Bierflasche, die der Aggressor in Richtung Rathaus II zu Boden geworfen hatte. Dieses Geräusch, so der Angeklagte, hätte seinen Gegner auf den Plan gerufen, der ihn mit Worten provoziert habe.

Warum ihm deutliche Worte über die Lippen gekommen waren, klärte der Zeuge auf - die Bierflasche sei in seine Richtung geworfen worden und am Boden zerschellt. Dass er sich über den Wurf beschwerte, soll ihm der Angeschuldigte wohl krumm genommen haben. Der Rest ist bekannt und füllt Akten.

"Viel Lärm um Nichts", sagte Wagner und schüttelte darüber den Kopf, dass die Situation unter Alkoholeinfluss derart eskalierte. Das Ohrläppchen ist mittlerweile wieder dran, die beiden Herren gehen sich aus dem Weg.