Deutschland ein Entwicklungsland? Es gibt nicht viele Bereiche, in denen sich das über die Bundesrepublik sagen lässt. Doch wenn es um öffentlich zugängliche und vor allem kostenlose WLAN-Netzwerke geht, dann entspricht das tatsächlich der Realität. Kostenfrei zum Beispiel an Marktplätzen oder in Ämtern ins Netz gehen? Oder in öffentlichen Verkehrsmitteln? In Großbritannien, Südkorea, Israel oder den baltischen Staaten ist das völlig normal, in Deutschland eine Seltenheit.

Dass sich das ändern soll, da ist sich die Politik einig. Gerade erst hat die Europäische Union mit den Programm "WIFI4EU" die Finanzierung für 8000 Hotspots in ganz Europa abgesegnet. 120 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

Auf bayerischer Ebene treibt Markus Söder (CSU) - seines Zeichens Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat - den Ausbau der WLAN-Infrastruktur voran. Unter dem Namen "BayernWLAN" will er bis zum Jahr 2020 rund 20 000 neue Hotspots in Bayern schaffen. Auch im Landkreis Lichtenfels hinterlässt dieses Projekt schon seine Spuren.


Einige Hotspots im Landkreis

"Der Landkreis Lichtenfels ist in Sachen BayernWLAN sehr aktiv. Zwölf Hotspots in fünf Kommunen sind bereits in Betrieb", sagt Minister Söder. Die kostenlosen Hotspots gibt es beispielsweise schon im Finanzamt und im Landratsamt Lichtenfels.
Im Landkreis können auch Besucher des Schustermuseums in Burgkunstadt, der Katzogelhalle in Hochstadt am Main, der Rathäuser in Marktgraitz, Michelau und Redwitz an der Rodach schnell und einfach online gehen. Rund 700 Gemeinden seien laut Söder bereits Teil des Projekts, dessen Ziel vor allem die Stärkung des ländlichen Raums sei.


"Eine Bereicherung"

Die Stadt Lichtenfels kümmert sich selbst um kostenloses Internet an den Orten, wo man es für sinnvoll hält. "Das ist eine Bereicherung für die Kommunikation in unserer Stadt", sagt Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD).

Schon seit 2014 steht den Bürgern am Markplatz ein Internet-Zugang zur Verfügung. Auch in der Stadtbücherei und im Foyer des Rathauses kann man kostenfrei online gehen. "Das gehört einfach zum Service, den wir bieten wollen", so Hügerich. "Auch am Campingplatz wollen wir einen Zugangspunkt installieren."

In den Veranstaltungsräumen von Stadthalle und Stadtschloss soll in naher Zukunft ebenfalls je ein Hotspot eingerichtet werden, denn laut Hügerich handelt es sich dabei bisher um ein Erfolgsmodell: "Das wird sehr gut angenommen." Trotzdem nehme man beim weiteren Ausbau auch Rücksicht auf die Bedenken der Lichtenfelser Bürgerinitiative "Strahlungsarmer Mobilfunk".


Es gibt auch kritische Stimmen

Deren Sprecher Michael Kolb ist vom immer größer werdenden WLAN-Netz nicht begeistert. "Das sehen wir kritisch", sagt er. Grund sei die zunehmende Strahlung, der die Bevölkerung ausgesetzt sei. "Wir sehen dafür keine Notwendigkeit. Warum braucht man noch mehr Strahlung?" Gerade im Lichtenfelser Stadtgebiet sei das Mobilfunknetz schon gut genug: "Und die meisten Menschen haben ja mobiles Internet über ihre Mobilfunkverträge."

Deswegen habe man mit Bürgermeister Andreas Hügerich Gespräche geführt, um den Ausbau des öffentlichen WLAN-Netzes "möglichst im kleinsten Rahmen" zu halten. Ein flächendeckendes öffentliches WLAN-Netz irgendwann in der Zukunft? "Das würde mir nicht behagen", so Kolb.