Was die Akteure der Theatergruppe des Schwabthaler SV seit Januar einstudiert haben, ist absolut sehenswert. Viele Vorurteile und ein listiges Liebespaar prägen das Drehbuch für die herzerweichende Alpensaga. Köstliche Szenen in rund 2000 Metern Höhe beherrschen das Geschehen, bei dem ein wohlerzogener Ehemann die Kosten für Bedienstete spart. Die Unternehmerin Carlotta von Haberland hat ihren Angetrauten fest im Griff. Doch in der Einsamkeit der Bergwelt schöpft die schmählich unterdrückte Männerwelt neue Hoffnung: Sie probt den "Aufstand auf der Schwodler-Alm"! Mit dem gleichnamigen Theaterstück von Jürgen Schuster begeisterte die Theatergruppe am Donnerstagabend die Premierenbesucher im Sportheim in End.
Lachmuskel strapazierende Wortgefechte und köstlich überzeichnete Charaktere sorgen im spritzig inszenierten Kampf der Geschlechter drei Stunden lang für ungetrübten Bühnenspaß.
Zum Inhalt: Ein entspannter Wochenend-Urlaub in den Bergen bietet die besten Voraussetzungen für eine heikle diplomatische Mission. Das jedenfalls dachten Carina Hackl, Tochter aus einfachem Haus, und Unternehmer-Spross Klaus von Haberland. In der Abgeschiedenheit der Almhütte sollte es möglich sein, den Eltern schonend ihre Beziehung nahe zu bringen.
Davon kann allerdings zunächst keine Rede sein. Sobald die Identitäten bekannt werden, bekriegen sich die Mütter mit harten Bandagen. Vielmehr nimmt, mitten im ländlichen Frieden, doppeltes Unheil seinen Lauf. Denn nicht nur Ebergunde Hackl treibt als Hausdrachen mit Dragoner-Stimme ihren notleidenden Gatten Adalbert zur Verzweiflung. Auch Johannes von Haberland hat unter der Knute seiner standesbewussten Ehefrau Carlotta wenig zu lachen.
Angesichts von Zwangsdiät, Redeverbot und Packesel-Diensten drängt sich die Erkenntnis auf: "Der liebe Gott hat die Frauen geschaffen, um uns Männer zu vernichten!" Nur gut, dass die gequälten Männerseelen im gemütlichen Sepp, dem Freizeit-Kuppler Schoß und dem singenden Alpen-Casanova Joe drei wertvolle Verbündete gewinnen. Von Alkohol und Freiheitskanon aufgestachelt, wagen sie den Gipfelsturm. Auch die um Ausgleich bemühte Marianne vermag da die Wogen nicht zu glätten.
Mit köstlichen Verbalattacken der erbosten Furien, Gesangseinlagen des erfrischend unbekümmerten Casanovas und dem perfekt inszenierten Leid der Unterdrückung sorgen die Akteure für Heiterkeitsstürme im Publikum. Sepps Griff zur Motorsäge setzt, unter jubelndem Beifall, dem erfrischenden Kampf der Geschlechter schließlich die Krone auf.
Als dann Ebergunde und Carlotta nach einem Abstiegsversuch ins Tal vermisst werden, scheint das Wochenende und damit das junge Glück endgültig verloren. Doch erst Frost und Kuhstall vermögen die weibliche Vorherrschaft zu brechen.

Die Besetzung

Als Schauspieler wirken mit: Tino Bechmann als armer Gatte Johannes von Haberland, Eva-Maria Dusold als Carlotta von Haberland, Christian Schauer als Sohn Klaus der Haberlands. Petra Engert spielt Ebergunde Hackl, Thomas Dinkel ist ihr armer Gatte Adalbert, Monika Dinkel verkörpert Tochter Carina. Bernd Schramm ist der Besitzer der "Schwodler-Alm", Sepp, den Partylöwen und Frauenhelden Joe spielt Nina Andert, Bernd Dinkel ist Schoß Hopfendünger, und dessen Schwester Marianne Hopfendünger gibt Sabine Kargoll. Als Souffleuse fungiert Simone Baumann. Als Moderator vor und nach dem Stück unterhält Michael Schauer. Die Bühnengestaltung liegt in den Händen von Jürgen Krappmann und Sven Stöckert. Die Möbel auf der Bühne stellte Peter Reichert bereit. Für die Bühnentechnik ist Stefan Heidenreich verantwortlich.

16 Jahre Theater in End

Seit 1996 wird in End Theater gespielt. Erstmals stand heuer Nina Andert auf der Bühne. Die aus Wolfsdorf stammende Frau spielt in der Damenmannschaft des Schwabthaler SV. Beim letztjährigen Oktoberfest im Sportheim ließ sie sich zu später Stunde zum Mitspielen überreden. Ebenfalls erstmals spielt Christian Schauer im Ensemble mit. Aber Bühnenluft schnupperte er bereits 2007 in Uetzing beim Stück "Rotseidenes Höschen". Alle Laienspieler sind sich einig: Es macht riesig Spaß, mit den Kameraden etwas auf die Beine zustellen. Der Spaßfaktor steht dabei im Vordergrund. Im Anschluss an die Proben wurde die Kameradschaft gepflegt, und der Applaus des Publikums lässt die Strapazen der Proben in den vergangenen Wochen vergessen, sagen die Theaterspieler. Die Darsteller verkörpern ihre Rollen mit Leidenschaft. Von Lampenfieber war bei der Premiere keine Spur.

Weitere Vorstellungen

Ort Die Schwabthaler Theatergruppe spielt den "Aufstand auf der Schwodler-Alm" an diesem Wochenende noch dreimal im Sportheim in End.

Termine Samstag ab 14.30 Uhr und ab 19.30 Uhr sowie am Sonntag ab 19 Uhr. Für die Nachmittagsvorstellung am Samstag sind an der Kasse noch Karten erhältlich.