Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen.
Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren.
Heute will Oswald Greim (Die Linke) von Emmi Zeulner (CSU) wissen, wie ihre Ideen zur Verbesserung der Hausarztversorgung auf dem Land sind.

Oswald Greim: Im ländlichen Bereich kommt es immer häufiger vor, das Menschen keinen Hausarzt mehr finden. Hilfe von der Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) Fehlanzeige. Wie gedenken Sie, hier den Menschen vor Ort zu helfen?
Emmi Zeulner: Die Selbstverwaltung hat sich grundsätzlich bewährt und ist erst durch staatliche Eingriffe in der Vergangenheit schwächer geworden. Es gilt, die Kassenärztlichen Vereinigungen zunehmend wieder zu stärken.
Die Frage zeigt aber, dass die Herausforderung und das System nicht verstanden wurden. Denn nicht die KV ist das Problem, sondern die schlechte Bedarfsplanung. Wichtig für jede Planung ist eine Bedarfsprognose, welche leider im Moment fehlt. Alleine durch eine Prognose kann vorausschauend geplant und eine Unterversorgung abgewendet werden. Da müssen wir ran.
Deswegen werden wir zum Beispiel in Kulmbach ein Modellprojekt für eine Prognoseplanung starten, um einen Mangel frühzeitig anzugehen.
Wir sind uns einig: wir müssen die weißen Flecken bei der Versorgung schließen. Hierfür gilt es, an mehreren Punkten anzusetzen.
Ich setze mich unter anderem für ein "erweitertes Ausschreibungsmodell" ein. Ein Arztsitz, der frei wird, wird bundesweit ausgeschrieben. Um noch passgenauer auswählen und auch mehr auf die Wünsche der jungen Ärzte eingehen zu können, sollen diese bei der Bewerbung direkt ihre Vorstellungen von Gehalt und anderen für sie ausschlaggebenden Forderungen angeben.
So kann gezielt ein Arztsitz, der gegebenenfalls über Jahre unbesetzt war, vergeben werden. Doch auch eine verbesserte Work-Life-Balance und das Schaffen familienfreundlicher Strukturen sind unerlässlich, um die Ärzte im ländlichen Raum zu halten.
Darüber hinaus sollten wir auch weiterhin finanzielle Anreize wie die Niederlassungsförderung des bayerischen Gesundheitsministeriums und auch die der KVB in Höhe von insgesamt bis zu 150 000 Euro erhalten und ausbauen. Denn letztlich ist ein gut erreichbarer Arzt in der Nähe vor allem eines: unbezahlbar.

Oswald Greim:
Im Ziel sind wir uns einig - eine gute Versorgung mit Ärzten auch im ländlichen Bereich. Mit der Planung und Prognosen ist es aber so eine Sache - ich hoffe, dass hier vor Ort wirklich solch ein wegweisendes Modellprojekt entwickelt werden kann.
Noch mehr hoffe ich, dass genügend junge Ärzte ausgebildet werden, die zahlenmäßig die vielen älteren Ärzte, die bald ausscheiden, ersetzen.

Im Teil 31 unserer Serie fragt am Montag Thomas Bauske (SPD) Thomas Müller (ÖDP) danach, durch welche konkreten Alternativen die ÖDP die wachstumsorientierte Wirtschaft ersetzen will.




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