Impfen - Pflicht oder jedermanns private Entscheidung? Bei dieser Frage können verschiedene Meinungen aufeinander prallen und Gemüter schnell hochkochen. Keine Diskussion mehr soll es hierzulande jetzt allerdings über die Masern-Impfung ab Kindesalter geben.

Am 1. März tritt das Bundesmasernschutzgesetz und damit eine Impfpflicht in Kraft. Der Gesetzentwurf sieht es vor, dass Kinder ab einem Alter von zwölf Monaten eine Masern-Impfung vorweisen müssen, sobald sie in den Kindergarten kommen oder später eingeschult werden. Gleiches soll für die Erzieher und Grundschullehrer gelten, andernfalls drohen Geldbußen bis zu 2.500 Euro.

Manche Schulen im Landkreis warten diesbezüglich noch auf konkrete Vorgaben. "Ich denke, dass das Gesundheitsamt auf uns zukommen wird", sagt Ursula Schüssler, Rektorin an der Pater-Lunkenbein-Grundschule in Ebensfeld. Noch sehe sie der Umsetzung aber entspannt entgegen, denn die Schüler, die die Schule bereits besuchen, und auch das Lehrpersonal können die Impfung bis zu 31. Juli 2021 nachträglich nachweisen. Die Neueinschreibungen für das folgende Schuljahr seien ohnehin erst Ende März.

Ziel: Komplette Eindämmung

Doch warum gerade eine Impfpflicht bei Masern? "Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten", heißt es vom Bundesgesundheitsministerium. Trotzdem seien bestehende Impflücken in Deutschland aber zu groß, um eine komplette Eindämmung des Virus zu erreichen, ist da weiter zu lesen. Masern brächten häufig Komplikationen und Folgeerscheinungen mit sich, im schlimmsten Fall eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung.

Im Landkreis Lichtenfels waren im Schuljahr 2016/17 95,8 Prozent der Einschulungskinder mindestens einmal gegen Masern geimpft, geht aus dem dazu aktuellen Gesundheitsreport Bayern von 2018 hervor.

Auch eine Stufe höher, im staatlichen Schulamt für den Kreis Lichtenfels, liegen noch keine Ausführungsbestimmungen vor. Zunächst gelte die Übergangsfrist für die aktuellen Jahrgänge, sagt Leiterin Stefanie Mayr-Leidnecker. In Kürze sollen dann Vollzugshinweise das Amt erreichen. Sie vermutet, dass diese noch nicht vorliegen, weil mehrere Ministerien am Gesetzesentwurf beteiligt sind.

Den Kindergärten liegen da schon mehr Informationen vor. Beate Wagner, Leiterin des Evangelischen Kindergartens in Bad Staffelstein, ist zurzeit noch damit beschäftigt, sich mit der Neuregelung anhand einer Informationsbroschüre auseinanderzusetzen. Es sei geplant, dass die Eltern mit dem Impfausweis ihrer Kinder zu ihr kommen. Wie und wann das erfolgen soll, stehe aber noch nicht fest.

"Das Medizinische habe ich eigentlich nicht gelernt", gibt sie zu bedenken, wenn sie in Zukunft die Pässe kontrollieren soll. Zwar würden Impfpässe bisher auch vorher angeschaut, aber nun muss Wagner speziell die Eintragung zur Masern-Impfung auswerten können. Hinzu kommt, dass es nicht gerade wenige gelbe Heftchen sein werden. Bei 76 Kindern in der Einrichtung muss sie auch 76 Impfpässe durchsehen, sowie die der Kolleginnen. Und dann muss die Leiterin noch die Vollständigkeit im Auge behalten. Ein zeitlicher Mehraufwand für die Leiterin, der mit Arbeit verbunden ist.

"Keine schöne Basis"

Außerdem steht sie der Regelung kritisch gegenüber, als Leiterin der Einrichtung die volle Verantwortung für die Überprüfung zu tragen. Das möchte sie auch nicht auf die Kolleginnen abwälzen. "Als Leitung möchte ich ein gutes Verhältnis zu den Eltern haben", betont Beate Wagner. Wenn sie dann ein Kind mit fehlender Impfung beim Gesundheitsamt melden müsse, sei das "keine schöne Basis". Die tatsächliche Umsetzung und Überprüfung der Impfungen sollte eigentlich Sache der Gesundheitsämter sein, findet sie. Schließlich müsse sie im Zweifelsfall bis zu 2.500 Euro Strafe zahlen. Denn wenn bei einem Kind die Masern-Impfung nicht vorhanden ist, dürfe eine Kita es auch nicht aufnehmen.

Kommenden Monat soll ein Elternbrief mehr Informationen bieten. Hinweise darauf, wie die Überprüfung im Einzelnen erfolgen soll, müssen Kindergärten und Grundschulen aber offenbar noch auf sich zukommen lassen.