Der Schutz der freien Flächen zählt zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen, denen sich der Bund Naturschutz (BN) verschrieben hat. Die Wichtigkeit des Themas machte er mit eineer Aktion auf dem Marktplatz deutlich.

Es gelte, unsere Böden zu erhalten, denn sie speicherten CO2 und große Mengen Wasser. Noch könnten wir mit etlichen Bilderbuch-Landschaften auf den Fremdenverkehrsmessen für den sanften Tourismus guten Gewissens werben. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt schwärmte von seiner Heimat: "Unsere Region ist schön. Hier haben wir in vielen Teilen noch harmonisch in die Gegend eingebettete Dörfer mit kleinstrukturierter Kulturlandschaft in deren äußerem Umfeld: Wegkreuze, Bildstöcke, Streuobstbestände, Wälder, Äcker, Wiesen, Hecken und Kulturdenkmäler von europäischem Rang. Hier haben wir noch landwirtschaftlich nutzbare Böden und Wälder, die CO2 speichern. Aber Franken ist in Gefahr! Unsere fränkische Landschaft hat Besseres verdient, als immer mehr gleichförmige Betonklötze am Ortseingang und gesichtslose Siedlungen am Ortsrand."

Nicht nur am Amazonas

Reinhardt mahnte weiter: " Der ungezügelte Flächenfraß findet nicht nur in den Urwäldern am Amazonas statt, sondern schleichend - von den meisten unbemerkt - auch vor unserer eigenen Haustüre. Wir stehen heute deshalb hier, um für unsere Kinder, Enkel und Urenkel ein lebenswertes Umfeld in unserer fränkischen Heimat zu bewahren." Im Landkreis sind in den letzten Jahren zwischen 100 und 2400 Quadratmetern täglich der freien Natur entzogen worden. Anders ausgedrückt heißt das, dass in einer bis vier Stunden 100 Quadratmeter Fläche verbraucht wurden.

Den übermäßigen Flächenverbrauch möchte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in den kommenden Monaten verstärkt thematisieren. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte: "Mit der Aktion am Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, rufen wir alle politisch Verantwortlichen zum sparsamen Umgang mit der Fläche auf. Mit einer 100 Quadratmeter großen, gebrauchten Siloplane setzten die Naturschützer den stündlichen Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels in Szene."

Im Landkreis Lichtenfels stünden laut Industrie- und Handelskammer 75 Hektar Gewerbegebiete leer, in ganz Oberfranken sind es über 1200 (Stand 12. November 2019). Diese Überversorgung auf Kosten der Landschaft und der Landwirtschaft entspringe oft dem "Bürgermeisterwettbewerb" um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer, einer Fehlsteuerung der Landesplanung, der Missachtung der Regionalplanung und der die Ausweisung begünstigenden Gewerbesteuerregeln.

Im Freistaat würden täglich 13 Hektar freier Fläche - das entspricht etwa 18 Fußballplätzen - der Natur entzogen. Insgesamt stehe Bayern beim Flächenverbrauch an der Spitze im Bundesgebiet. Anton Reinhardt meinte: "Ein Blick vom Staffelberg oder Kordigast veranschaulicht dem aufmerksamen Betrachter den ständigen Verlust von freier Landschaft allein in den letzten 20 Jahren. Es kann nicht so weitergehen, dass beispielsweise immer neue Gewerbeflächen für Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese genehmigt werden, während gleichzeitig die Innenstädte und Dörfer ihrer Einkaufsmöglichkeiten und damit oft einem Teil ihres pulsierenden Lebens beraubt werden." Schon jetzt habe der Landkreis Lichtenfels mit knapp 70 000 Einwohnern der kleinste Bayerns, eine Straßendichte, die 15 Prozent über dem Landesdurchschnitt liege. Dennoch wolle die Mehrheit der maßgeblichen politischen Mandatsträger unverhältnismäßig viele Straßenneubauten realisieren: den autobahnähnlichen Weiterbau der B 173 nach Kronach, die Vollumfahrung der B 289 bei Mainroth, den Autobahnzubringer Weismain-Stadelhofen und den Autobahnzubringer Kelbachgrund-Ebensfeld.

Einwohnerzahl sinkt leicht

Der zunehmende Flächenverbrauch gehe in Bayern eigenartigerweise nicht immer mit einem Bevölkerungszuwachs einher, wie etwa in der Metropolregion München.

Die aktuelle Bevölkerungsprognose zeige auf, dass im Landkreis Lichtenfels die Einwohnerzahl leicht sinke, der Flächenverbrauch jedoch weiter steige. Mit Blick auf die Draufsicht der von CS-Trans geplanten Logistikhallen am Fuße des Vierzehnheiligener Bergs sagte der BN-Kreisvorsitzende: "Solche riesigen Baukörper sind ein enormer Eingriff in das Landschaftsbild, von der Versiegelung des Bodens ganz zu schweigen." Das hat mit landschaftsangepasstem Bauen nichts zu tun. Das hat auch mit fränkischem Baustil nichts zu tun. Hier sollten Eingriffe, die das Landschaftsbild beeinträchtigen, vermieden werden. Noch ist es nicht zu spät!"

Michael Ament, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, beklagte den Rückgang der freien Natur in Feld, Wald und Wiese: "Die Wildtiere haben immer weniger Lebensraum, wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Verbissschäden durch Rehwild und die Schäden durch Wildschweine zunehmen. Dr. Susann Freiburg, Spitzenkandidatin von Bündnis90/Die Grünen für den Stadtrat, wies auf eine weitere Auswirkung des ungebremsten Flächenfraßes hin: "Die Versiegelung der Böden führt zu einer Verringerung der Grundwasserneubildung. Ausreichendes und sauberes Grundwasser sind die Voraussetzungen für unser Lebensmittel Nr. 1, dem Trinkwasser."

Bildtext: Mit einer 100 Quadratmeter großen, gebrauchten Siloplane setzte der Bund Naturschutz den stündlichen Flächenverbrauch im Landkreis in Szene. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (8. von rechts), BJV-Kreisvorsitzender Michael Ament (rechts) und Dr. Susann Freiburg von Bündnis 90/Die Grünen (5. von rechts) mahnten anlässlich des Aschermittwochs zu einem achtsamen und sparsamen Umgang mit der freien Fläche in der Natur.