Ein Kanu mit drei Mann Besatzung treibt in die Mainbucht am Altenkunstadter Ortsrand. "Hilfe, Hilfe", schallt es plötzlich über das Wasser. Was ist passiert? Das Boot ist gekentert; zwei der Insassen können sich nur mit Mühe über Wasser halten, fuchteln verzweifelt mit den Armen. Vom dritten Mann keine Spur. Er ist in den Fluten untergegangen. Keiner der Kanufahrer trägt eine Rettungsweste.

Ein realistisches Szenario, wie es sich immer wieder ereignet. In diesem Fall ist es aber Bestandteil einer Schauübung der Kreis-Wasserwacht Lichtenfels aus Anlass der 60-Jahr-Feier der Altenkunstadter Ortsgruppe.

Viele Besucher säumen das Mainufer und verfolgen gebannt das Geschehen. Rudolf Faber, Mitglied des Kreisvorstands, gibt dazu die entsprechenden Erläuterungen.
Mit Rettungsbojen ausgerüstet, hechten zwei "Wasserwachtler" ins Wasser und schwimmen mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der beiden Verunglückten, die sich kaum noch an der Oberfläche halten können. Wenige Minuten später erreichen sie und ihre Retter wohlbehalten das Ufer. Doch was wird aus dem dritten Bootsinsassen? Ein Rettungsboot der Wasserwacht prescht in die Bucht. Ein Taucher macht sich bereit für seinen lebensrettenden Einsatz im Main. Für ihn gelten strikte Sicherheitsmaßnahmen, denn auf keinen Fall darf er bei der Aktion sich selbst in Gefahr bringen.

Obwohl sie wissen, dass es sich dabei "nur" um eine Übung handelt, atmen die Zuschauer unwillkürlich erleichtert auf, als der Taucher mit dem "dritten Mann" an der Oberfläche erscheint. Die Rettungskräfte bringen den "Bewusstlosen" an Land und leiten Wiederbelebungsmaßnahmen ein.

Die Besucher waren beeindruckt, von der Präzision, mit der die Aktiven den Rettungseinsatz absolvierten: "Jeder weiß, was zu tun ist. Jeder Griff sitzt". In dieses Know-how in-vestiert das Wasserwacht-Team viele Stunden seiner Freizeit. Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie regelmäßiges Üben sind nicht nur für die Lichtenfelser Einsatzkräfte das A und O.

So bewahren in Deutschland die Aktiven der Wasserwacht als der zweitgrößten Wasserrettungs-Organisation pro Jahr etwa 200 Menschen vor dem Ertrinken.