Frisch verliebt zu sein: Für manche ist das eventuell schon lange her. Man ist außer sich, macht lauter verrückte Dinge und fühlt sich so unendlich lebendig. Und der Sex erst. Der beste, den es je gegeben hat und je geben kann. Viele Partner, die schon lange zusammen sind, wünschen sich diese Leichtigkeit zurück. Sowohl im Alltag als auch im Bett. "Bei Paaren in langjährigen Beziehungen kommt die Sexualität schnell in die Alltagsmühle", erklärt Elisabeth Espach. Die Staffelsteinerin ist seit zwölf Jahren in der psychologischen Beratung des Erzbistums Bamberg tätig und hat schon viel erlebt in Sachen Ehe- und Partnerschaftsfragen.
Die meisten Paare kommen wegen Alltagsproblemen zu Elisabeth Espach, eigentlich die Klassiker zwischen Mann und Frau: Kommunikationsschwierigkeiten und Streit. Im Gespräch bei der psychologischen Beratung in Lichtenfels stellen beide ihre persönliche Sichtweise dar.
"Und das wichtigste dabei: Der andere Partner hört nur zu", sagt Espach. Erst später kann er sich dazu äußern. Elisabeth Espach sieht sich als Moderatorin. Sie lenkt, leitet und setzt neue Impulse: Wo kann das Paar aus seinen alten Mustern aussteigen? "Die Lust am humorvollen, leichten, spielerischen Umgang miteinander ist mir wichtig, um die Schwere aus der Beziehung zu bringen."


Garantie gibt es keine

Männern fällt es - aus Espachs Erfahrungen - oftmals schwerer zu einer Paarberatung zu gehen. Sie wollen ihre Probleme alleine lösen. Frauen seien da offener. "Doch wenn der Bann gebrochen ist, sie also merken, dass sie angenommen werden, dann läuft das auch bei den Männern sehr gut", erzählt sie.
Meist scheint es zwischen den Partnern besser zu laufen, wenn sie das Zimmer von Elisabeth Espach am Ende der Beratungsstunden verlassen. Zu 100 Prozent kann sie es jedoch nie wissen. "Ich kann ihnen Impulse geben. Was das Paar dann daraus macht, ist ihnen überlassen." Die Staffelsteinerin hatte auch schon ein Paar, das die Therapie vorzeitig abgebrochen hat. "Jahre später habe ich die beiden Händchen haltend auf dem Marktplatz gesehen. Manchmal verbindet eben auch der Streit. Man kann nicht miteinander und nicht ohne", sagt sie und lacht. Bei Paaren, die schon lange zusammen sind, merkt Espach oft den Kampfgeist, wenn es um ihre Beziehung geht. "Da zählen wirklich die Jahre. Wenn die Leute Kinder und Haus haben ringen und kämpfen sie mehr", erzählt Espach. Bei Paaren, die nicht so lange zusammen sind, fehle da oft die Erfahrung und die Verbundenheit zueinander. Eine Lösung nach dem Motto "Wenn es nicht klappt, dann müssen wir uns eben trennen" sei da viel häufiger.
Oft leben sich Paare mit den Jahren auch auseinander. Die psychologische Beratung stößt da an ihre Grenzen. "Wenn gar nichts Gemeinsames mehr da ist, dann ist das schwierig. Denn ein Paar braucht ein gemeinsames Ziel", sagt Espach. Manche Paare suchen sich auch erst zu spät Hilfe. "Ein Partner hat sich dabei meist innerlich schon getrennt."
Wenn die Beziehung schief hängt, läuft laut Espach die Sexualität oftmals nicht rund. "Die Paare wollen aber erst einmal ihre Alltagsprobleme lösen. Das Thema Sex fällt oft unter den Tisch." Doch das prekäre Thema kann sich schnell im Alltagsleben niederschlagen. Besonders dann, wenn sich ein Partner nicht angenommen fühlt.
Im Gegensatz zu der Darstellung in den Medien sei die Sexualität bei vielen Paaren eine Tabuzone. Und das obwohl die sexuellen Profile, wie Espach sie nennt, zum Teil sehr verschieden sind. "Am Anfang einer Beziehung wird etwas ausgehandelt. Dabei bleibt es dann oft. Wünsche und Fantasien bleiben auf der Strecke", erklärt sie.
Ein neues Angebot von der psychologischen Beratung in Lichtenfels soll nun wieder mehr Schwung in die Liebe bringen. Gemeinsam mit einer Kollegin aus der Beratungsstelle in Kronach plant Elisabeth Espach für den 24. Oktober die Veranstaltung "Liebe, Lust und Leidenschaft - Was der Liebe Leiden schafft". Bei einem Candle-Light-Dinner sollen die Paare ins Gespräch miteinander kommen.


Ein Abend nur für die Liebe

Sexuelle Inputs und stimmungsvolle Musik aus den zwanziger Jahren sollen den passenden Wohlfühl-Rahmen schaffen und zum Gespräch anregen. An kleinen Tischen können die Paare völlig ungestört und zwanglos miteinander über ihre Partnerschaft, Probleme oder sexuellen Vorlieben reden. "Die Paare sollen sich dann überlegen, ob sie selbst klar kommen oder von uns Unterstützung brauchen."
Diese Veranstaltung findet zum ersten Mal statt. Für Elisabeth Espach eine Art Experiment. In Großstädten wie freiburg gab es so etwas schon und es hat gut geklappt.
"Wir sind gespannt, ob das auch im ländlichen Raum funktioniert. Nicht dass die Leute nicht kommen, weil sie befürchten, dass ihre Nachbarn neben ihnen am Tisch sitzen", meint Elisabeth Espach.

Informationen Die Veranstaltung "Liebe, Lust und Leidenschaft - was der Liebe Leiden schafft" findet am 24. Oktober im Konradsaal in Vierzehnheiligen statt. Los geht es um 18.30 Uhr. Die Anmeldung bis spätestens 15. Oktober an efl.lichtenfels@erzbistum-bamberg.de oder per Post an Psychologische Beratung, Schlossberg 2, 96215 Lichtenfels. Nächstes Frühjahr gibt es den Abend auch in Kronach.

Tipps von der Expertin: Kleine Rituale sind Gold wert
Für Elisabeth Espach sind besonders zwei Dinge für eine stabile, glückliche Beziehung wichtig.

Zeit ist der oberste Faktor. "Am besten macht man einen Termin aus, wie beim Zahnarzt auch", rät Espach. Egal ob Essen gehen, Kino, Sport: Zudem sollte man jeden Tag - auch wenn man Kinder hat betont Espach - mindestens zehn Minuten frei schaffen, um mit dem Partner "anzudocken": Wie war dein Tag? Wie geht es dir? Kleine Fragen, die viel bewirken.
"Kleine Rituale zu finden ist manchmal Gold wert. Zum Beispiel zusammen Kaffee trinken, wenn der Partner von der Arbeit kommt."

Wertschätzung ist für Espach mindestens genauso wichtig. "Man sollte mindestens einmal am Tag etwas wertschätzendes zu seinem Partner sagen", sagt Espach. Auch wenn es nur das Lob am Essen ist. Es ist wichtig, dass sich der Partner wahrgenommen fühlt. "Den Kühlschrank räumt man ja auch nicht nur aus. Irgendwann muss man ihn auch wieder befüllen. So ähnlich ist es in der Partnerschaft auch: Man kann nicht immer nur etwas von seinem Partner verlangen, man muss ihm auch was geben", erklärt Espach. Kleine Gesten reichen dafür oft schon. lk