Mit der Zange nimmt der 43-jährige Hufbeschlagschmied Heiko Schneider aus Buckendorf den glühenden Rohling von den Kohlen - etwa 1000 Grad Celsius ist er heiß. Er legt ihn auf den Amboss und klopft ein paar Mal mit dem Hammer darauf. So bringt er das Hufeisen in die richtige Form, denn jeder Pferdehuf ist anders.


Dichte Rauchwolke


Jetzt wird es brenzlig. Schneider drückt das heiße Eisen auf Myrras Huf. Kurz verschwinden Pferd und Schmied in einer dichten Rauchwolke. In der Luft liegt der aufdringliche Geruch von verbranntem Haar - ein Pferdehuf besteht aus der Hornsubstanz Keratin wie menschliche Haare und Fingernägel.

"Das Aufbrennen ist wichtig, um Huf und Eisen aneinander anzupassen", sagt Schneider. Nach dem Abkühlen hämmert er das Eisen mit Spezialnägeln fest. Nicht jedes Pferd duldet die zwar schmerzlose, doch teils unangenehme Prozedur, doch Myrra steht seelenruhig da. Sie ist das Beschlagen gewöhnt.


"Mein Traumberuf"


Die 23-jährige Connemara-Stute gehört zum Berggasthof "Zur Steinernen Hochzeit" am Fuße des kleinen Kordigast. Sie ist ausgebildet als Kutsch- und Reitpferd. "Den Winter über muss Myrra nicht viel arbeiten. Dann geht sie immer barhuf", erklärt Besitzerin Elisabeth Göring. In der warmen Jahreszeit geht es wieder hinaus auf die Wege, auf dem rauen Untergrund nutzen sich die Hufe schneller ab. Daher braucht Myrra Eisen und zwar mehrmals pro Saison.

Heiko Schneider hat eine Ausbildung zum Metallbauer gemacht und danach zwei zusätzliche Jahre bei einem Hufbeschlagschmied praktisch gearbeitet. "Ich hatte schon mein ganzes Leben mit Pferden zu tun, das war mein Traumberuf", schwärmter. Bis heute ist "Hufbeschlagschmied" kein eigener Ausbildungsberuf. Das bereitet vielerorts Kopfzerbrechen.

Reik Weber von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Hannover schätzt die Zahl der Hufbeschlagschmiede in ganz Deutschland auf 3500, gemessen an vielleicht 1,3 Millionen Pferden. Genaue Zahlen sucht man vergebens. "Theoretisch müssten jährlich 100 Hufbeschlagschmiede nachrücken", so Weber, die Realität sehe anders aus. Er wünschte sich, dass es wenigstens 30 Auszubildende pro Jahr gäbe. Denn so viele seien nötig, um eine Bundesfachklasse einzurichten.


Staatliche Prüfung


Nach abgeschlossener Berufsausbildung, egal ob Metallbauer, Bäcker oder Frisör, kann man zwei Jahre lang bei einem Hufbeschlagschmied praktisch arbeiten und dann einen Viermonatskurs an einer von elf Lehrschmieden in Deutschland belegen. Mit einer staatlichen Prüfung schließt man ab.

Diesen Werdegang sieht Christian Krause, Referent für berufliche Ausbildung und Betreuer der Bundesfachgruppe Hufbeschlag im Bundesverband Metallhandwerk, kritisch: "Hufbeschlagschmiede sind meist Einzelpersonen, die keinen Nutzen davon haben, Nachwuchs auszubilden. Meist zahlen sie dabei drauf."


Nicht ganz ungefährlich


Krause arbeitet daran, den anderen Ausbildungsweg bekannter zu machen. Denn es gibt eine dreieinhalb jährige Ausbildung zum Metallbauer mit dem dem Kernbereich Hufbeschlag. Danach geht es ebenfalls zum Viermonatskurs an die Lehrschmiede. Noch in diesem Jahr plant der Bundesverband Metallhandwerk eine Kampagne, um die Ausbildung zum Hufbeschlagschmied zu bewerben.

Hufbeschlagschmied Schneider hat bereits eigene Erfahrung mit Praktikanten gemacht. Er berichtet: "Die stellen sich das alle so schön vor und nach einer Woche lassen sie die Flügel hängen." Das Schmiedehandwerk sei Knochenarbeit und nicht ganz ungefährlich. Nicht jedes Pferd sei so ausgeglichen wie die gute alte Myrra. Einmal habe ein Pferd ausgeschlagen und ihm das Wadenbein gebrochen. "Das richtige Training ist Sache der Besitzer", sagt er. Gerade bei jungen Tieren solle man die Hufe regelmäßig heben, auskratzen und mit einem Werkzeug ein bisschen darauf herumklopfen.

Hufe sind komplexe Gebilde mit starren und flexiblen, lebenden und toten Bereichen. Ständig müssen sie das Gewicht des Pferdes tragen und die Schritte abfedern. Verletzungen oder Krankheiten am Hufapparat sind fatal für das Pferd. Unter Absprache mit dem Tierarzt ist es Aufgabe des Hufbeschlagschmieds Verletzungen oder Fehlstellungen mit Spezialbeschlägen zu behandeln. Schneider hat sein Handwerk übrigens im Schwarzwald gelernt.


Mobile Schmiede

Die Art der Hufeisen unterscheidet sich je nach Reitdisziplin. "Es gibt Sliding Blades zum Westernreiten, ein Springpferd bekommt Stollen und ein Galopper besonders leichte Profileisen", erklärt Schneider. Da Myrra ein Kutschpferd ist, sind ihre Hufeisen mit kleinen Stiften an der Sohle ausgestattet für besseren Grip in bergigem Gelände.

Bis zu zehn Pferde schafft Schneider am Tag. Kundschaft hat er im Umkreis von etwa 80 Kilometern, bis nach Nürnberg. Auch im Winter geht ihm die Arbeit nicht aus, "denn Hufe wachsen wie unsere Fingernägel, da ist das ganze Jahr über Pflege notwendig".

Amboss und Gasofen im Kofferraum seines Transporters hat Schneider selbst installiert und sich so eine mobile Schmiede gebaut. "Früher haben wir die Pferde zum Schmied gebracht, jetzt kommt der Schmied zu uns", erinnert sich Gastwirtin Göring.


"Immer mehr Leute haben Pferde für das Seelenheil"


Schneider zufolge hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Er erklärt: "Zur Kundschaft gehören mittlerweile mehr Freizeitreiter, früher waren es eher Turnierreiter. Immer mehr Leute haben Pferde für das Seelenheil."

Er muss es wissen, denn auch Schneider ist dreifacher Pferdebesitzer. Das Wichtigste an seinem Beruf sei, dass man mit Pferden umgehen kann.