Manchmal ist das Ergebnis gar nicht so wichtig und der Weg dorthin viel interessanter. Auf den ersten Blick sieht man dem "Farbenbaum" im Außenbereich der Kindertagesstätte "Kinderzeit" nicht an, wie viel Arbeit in ihm steckt; auch Leiterin Elfi Bienlein gibt zu: "Ein ästhetisches Kunstprojekt ist es nicht geworden." Belohnt wurden die monatelangen Mühen der Kinder, die sich vor allem mit den Blättern und ihren Materialien beschäftigten, mit einem Preis beim Technik-Wettbewerb "Es funktioniert?!".

"Unser Ziel ist es, die Kinder experimentieren und ihren eigenen Weg gehen zu lassen", erklärte Stephanie Vötter aus München, die Projektleiterin des vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft ausgeschriebenen Wettbewerbs. Dass diese Vorgabe in der Weismainer Kita beherzigt wurde, unterstrich eine mehr als 270-seitige Präsentation, mit der Elfi Bienlein den Eltern und Vertretern aus Wirtschaft und Politik die Entstehung des "Farbenbaums" aufzeigte: Die Bilderschau verriet, wie alles noch vor dem Winter beim Schneiden der Apfelbäume im Kita-Garten begann, als die Kinder die Zweige für das neue Projekt verwenden wollten; sie zeigte, wie die aufgrund ihres Lehmhüttenbaus im Vorjahr erfahrenen Kinder zu Weiden als Werkstoff umschwenkten - und sich dann über Wochen hinweg damit befassten, wie sie den fertigen Baum neben der Fußballhalle mit Blättern behängen. "Papier weicht auf", erkannten die 44 Mädchen und Jungs durch Ausprobieren, auch Blätter aus Pappe konnten der Witterung nicht Stand halten.

Und so machten sie selbst Vorschläge, die zu immer neuen Materialien führten: Sie lernten den Umgang mit der Lochzange beim Fertigen von ledernen Blättern, solche aus Holz und Eisen führten sie in eine Schreiner-Werkstatt und zu einem Metallgestalter; beim Beschäftigen mit Glas als Rohmaterial holten sie sich Hilfe von einer Optikerin und stellten fest, dass Scherben nicht mehr scharf sind, wenn man sie kocht.

Kindern gefiel das Projekt gut

Wie gut den Kindern das Projekt gefallen hat, wurde bei der Präsentation ebenfalls deutlich: Immer wieder durften sie Kommentare abgeben, fanden es beispielsweise schade, dass sie keine echten Blätter an die Zweige hängen konnten, weil die "nach dem Winter zerbröselt waren", erinnerten sich an Gespräche mit Stadtarchivarin Andrea Göldner und Bezirksheimatpfleger Günter Dippold über die früher verbreiteten Hausbäume und deren Zweck, wussten sogar noch, dass Kupfer an der Luft mit der Zeit patiniert.

Klar habe das Personal hier und da geholfen, aber der ursprünglich anders geplante "Farbenbaum" habe sich gerade so entwickelt, wie er jetzt zu sehen ist, "weil die Kinder Freiräume hatten und eigene Erfahrungen einbrachten", berichtete Elfi Bienlein nicht ohne Stolz. Ihr Dank galt den Bildungspartnern, Flechtgestalterin und Schreinerin Stefanie Schreiber, Optikerin Andrea Wittke-Schneider, "Iron Artist" Thomas Limmer und Markus Petterich von der Burgkunstadter Firma Fischer. Eine süße Belohnung für den Experimentier-Eifer gab es von Weismains Zweiter Bürgermeisterin Gabi Huber, eine positive Beurteilung von Helga Fell aus Augsburg. Die Grundschullehrerin gehörte der Wettbewerbsjury an, die vor allem das Ausprobieren eigener Ideen, deren Umsetzung mit Paten vor Ort und das Miteinander der Kinder verschiedenen Alters beeindruckt hat.