Alle Weinstöcke im Garten von Ingrid Krämer in Döringstadt sind komplett in blaue Netze eingehüllt. "Die Amseln bedanken sich, wenn die Trauben blau werden und nicht zugedeckt sind", sagt die 65-Jährige. Kaum ausgesprochen bedient sich schon der erste Vogel an den Weintrauben, die neben der Terrasse hängen und nicht abgedeckt sind.

Ingrid Krämer betreibt in ihrem Garten auf 400 Quadratmeter einen Weinbau. 17 Reihen mit ein Dutzend Weinstöcken der Sorte Regent. Das Besondere: Die Sorte ist sehr resistenst gegen Mehltau und Pilze. Deswegen muss man wenig Spritzen. "Das war uns wirklich wichtig. Wir wollten einen ökologischen Wein. Das andere krieg ich ja überall", meint Ingrid Krämer.

Vor 13 Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Weinstöcke gepflanzt. "Wir lieben Wein. Das war schon immer unser Traum", sagt die Rentnerin. Doch die Leidenschaft zum Weinbau lässt sich bei Ingrid Krämer in ihre Kindheit und Jugend zurück verfolgen. Die gebürtige Zeilerin (Landkreis Haßberge) ist in einer Weinregion aufgewachsen und hat bereits als Jugendliche im Weinbau ihres Onkels viel mitgeholfen. Die Begeisterung für guten Wein ist geblieben.


Zeitaufwändiges Hobby

Der Weinbau ist ein sehr zeitaufwändiges Hobby. "Da darf man nicht nach der Arbeit fragen. Man braucht die Leidenschaft dafür." Ingrid Krämer hat sich ein Hobby ausgesucht, bei dem sie das ganze Jahr zu tun hat. Los geht es im Frühjahr: Die alten Triebe vom Vorjahr werden abgeschnitten. Wenn die Zweige ausbrechen, muss die Pflanze an den richtigen Stellen entblättert werden.

Im Sommer müssen Netze gespannt werden, um die Trauben vor den gefräßigen Vögeln zu schützen. Mithilfe eines sogenannten Refraktometers misst Ingrid Krämer stichprobenartig den Zuckergehalt der Trauben. "Wenn der so zwischen 80 und 90 anzeigt, kann geerntet werden", erklärt die 65-Jährige. Ihr Wissen hat sie teilweise schon während ihrer Kindheit von ihrem Onkel erhalten. Beim Rest hilft ein befreundeter Winzer.

Zur Lese kommen Freunde und Nachbarn und helfen der Hobby-Winzerin. "In ein paar Stunden ist das gemacht." Üblicherweise beginnt die Lese in der ersten Oktoberwoche. Dieses Jahr wird sie mindestens zwei Wochen früher stattfinden, schätzt Ingrid Krämer. "Die Trauben werden durch die Hitze und Trockenheit viel schneller blau; sie bleiben aber klein und werden wenig Fruchtsaft haben." Deswegen erwartet die Hobbywinzerin für diesen Jahrgang eine geringere Ausbeute im Vergleich zu den letzten Jahren. "Von 300 bis 550 Liter war bereits alles dabei." Den Rest bis zum fertigen Wein, das Filtern und Abfüllen, übernimmt ein befreundeter Winzer. "Das könnte ich hier gar nicht machen."

Doch möglichst viele Flaschen zu produzieren, ist nicht ihr Ziel. Ein Teil der Flaschen wird an Helfer und Freunde verschenkt.

Am liebsten hat Ingrid Krämer ihren selbstangebauten Wein jedoch auf ihrer Terrasse mit ihrem Mann genossen, der leider vor zwei Jahren verstorben ist. Alleine Wein trinken, sei nicht so schön, meint die 65-Jährige. Doch erst letztes Wochenende saß sie zusammen mit 13 Gästen auf der gemütlichen Terrasse. Umgeben von Weinreben. "Zusammen schmeckt der Wein einfach viel besser."