Volle Kirchbänke, feierlicher Gesang und Weihnachtsglückwünsche mit Umarmung oder Händedruck. Was vor Beginn der Pandemie noch ein perfekter Rahmen für eine gelungene Christvesper war, stufen Virologen mittlerweile als sogenanntes Superspreading-Event ein. Also können die Feierlichkeiten zum Heiligen Abend nicht stattfinden – zumindest nicht in der herkömmlichen Form.

Ein Weihnachten ohne Gottesdienst ist für viele aber nicht vorstellbar – Matthias Hagen, dem Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein, geht es da genauso: "Zu sagen, dann lassen wir's halt ausfallen, das wird nicht passieren. Wir müssen und wollen Weihnachten feiern, weil sehr viele Menschen es brauchen." Dafür will er erst einmal an den geplanten Uhrzeiten für die jeweiligen Gottesdienste festhalten (siehe Infokasten). "Das hat aber natürlich alles den Charakter des Vorläufigen", räumt er ein. Sollte sich das Infektionsgeschehen bis zum 24. Dezember drastisch verschlimmern, werde man noch einmal Näheres bekannt geben.

Orgelklang auf dem Kirchplatz

Die diesjährige Christvesper soll auf dem Kirchplatz stattfinden. Dort wollen Hagen und seine Helfer so viele Stühle wie möglich aufstellen – mit dem nötigen Abstand versteht sich. "Vielleicht können wir ja auch die Straßen für eine Stunde sperren lassen", hofft der Pfarrer auf die Mithilfe der Stadt. Seine Kirchenvorsteher will er zudem als Darsteller für eine lebendige Krippe gewinnen. Mithilfe von Mikrofonen und Lautsprecherboxen soll außerdem der Klang der Orgel auf den Platz gelangen – ein kleines Keyboard wäre für Hagen inakzeptabel. "Not macht erfinderisch. Ich freue mich da wirklich drauf. Das kann ein ganz besonderes Weihnachtsfest werden", sagt der 63-Jährige und lächelt.

Selbst schlechtes Wetter wäre kein Grund für eine Absage. Vielleicht habe es bei Maria und Josef auch geregnet, gibt er mit einem Augenzwinkern zu bedenken.

An der Kindermette will Matthias Hagen in diesem Jahr auch festhalten – besser gesagt seine Frau Sabine Schmid-Hagen. Sie war bereits in der Vergangenheit dafür zuständig und hat eine besondere Idee: Eine Art Gottesdienst in Bewegung, konkret einen Weihnachtsweg mit Engel. Für ihren Mann ist diese Idee sehr nah an Weihnachten, denn: Das Fest habe viel mit Bewegung zu tun – buchstäblich, so wie im Fall von Maria und Josef, aber auch emotional. Vor allem im Coronajahr 2020 sieht er Parallelen zur Situation, wie sie in der Weihnachtsgeschichte geschildert wird: "Wir sind in einer ähnlichen Gestimmtheit wie Maria und Josef oder die Hirten – auch sie waren notvoll Suchende. Aktuell sind wir das auch: Wir sehnen uns nach Gefühlen jenseits der Angst und Sorge."

Gibt's denn was Schöneres?

Statt in den zusätzlichen Aufgaben, die für einen Pfarrer während der Weihnachtszeit anfallen, eine Last zu sehen, freut sich Matthias Hagen stets auf das christliche Fest im Dezember: "Gibt's denn was Schöneres für einen Pfarrer, als an Weihnachten aus der Sakristei zu treten und diesen Tag mit der Gemeinde zu feiern?", fragt er mit leuchtenden Augen. "Wenn mir wer in den Weihnachtstagen über den Weg läuft, sollte er sich mit mir freuen, statt mich für den Stress zu bemitleiden."

Letzterer könnte hier und da tatsächlich auftreten bei all den Aufgaben und Projekten, die das Pfarrersehepaar Hagen/ Schmid-Hagen in den kommenden Wochen vor der Brust hat. Zu diesen zählt auch ein Adventskalender der Pfarrerin in der Kirche, der für jedermann zugänglich sein wird. In grünen Säcken werden darin kleine Überraschungen für den jeweiligen Tag zu finden sein.

Befürchtungen, dass die Ideen rund ums Weihnachtsfest wegen der Pandemie auf keine Resonanz stoßen könnte, hat Hagen indes nicht. "Weihnachten geht immer", sagt er. Wenn die älteren Menschen in diesem Jahr zu Hause bleiben, habe er aber auch vollstes Verständnis.

Denn auch ohne einen Gottesdienst könne der Glaube gerade in der aktuellen Corona-Situation eine große Stütze sein, betont er. "Wir suchen alle nach Halt. Der Glaube hilft vielen Menschen dabei. Die Kirche kann begleiten und ist ein Anbieter für Seelsorge und Geborgenheit."

Gottesdienst in Herreth

Geborgenheit will Matthias Hagen am Heiligen Abend auch in Herreth vermitteln. Dort soll um 19 Uhr eine Christvesper im Freien stattfinden – inklusive Musik des Posaunenchors. Die Bad Staffelsteiner Christmette um 22 Uhr sei hingegen "ganz klassisch im Inneren geplant", wie der Pfarrer erklärt. Dort ist allerdings aktuell nur für etwa 70 Personen Platz. Übrigens freut sich Pfarrer Hagen auch auf Gottesdienstbesuche von bekenntnislosen Menschen oder von Angehörigen anderer Glaubensrichtungen. Während der Christvespern und -metten der vergangenen Jahre begrüßte er diese Teilnehmer immer explizit – eine weitere Konstante, dem das Corona-Virus nichts anhaben wird.