Weihnachten ist das Fest der Ruhe und Besinnung. Auch für die Beamten der Polizeiinspektion Lichtenfels, die an den Feiertagen im Einsatz waren, ging es relativ ruhig zu. Die Zeit um Neujahr bescherte den Polizisten im Landkreis allerdings deutlich mehr Arbeit.

Insgesamt kam es im Zeitraum von Heiligabend bis zum darauffolgenden Sonntag zu 24 Einsätzen. "Das ist im normalen Maß. Weihnachten ist traditionell sehr ruhig bei uns. Wir hatten dieses Jahr keinen Zuwachs an Einsätzen an diesen Tagen", erklärte Erich Günther auf Nachfrage. Der Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels betonte zudem, dass in seinem Zuständigkeitsbereich im besagten Zeitfenster keinerlei Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz zu beobachten waren.

Fünf Anzeigen am Montag

Nach den Feiertagen sahen sich die Beamten auf Streife jedoch gezwungen, ein paar Anzeigen wegen Missachtung der Corona-Regeln zu stellen: Laute Musik auf einem Anwesen in Buch am Forst rief die Ordnungshüter am Montagabend, 30. Dezember, auf den Plan. Die trafen vor Ort fünf männliche Erwachsene an, die Alkohol konsumierten, keinen Abstand hielten und keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen. Bei der Aufnahme der Personalien wurde ersichtlich, dass die Personen aus fünf unterschiedlichen Haushalten kamen. Nach einer Belehrung erstatteten die Beamten Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz, die nun aller Voraussicht nach ein Bußgeld nach sich ziehen wird (wir berichteten).

Ein solches wird auch fällig, wenn die kürzlich eingeführte Ausgangssperre (21 bis 5 Uhr) missachtet wird. "Sollte sich nach einer Einzelfallprüfung herausstellen, dass jemand in diesem Zeitraum ohne triftigen Grund unterwegs ist, erfolgt eine Anzeige", erklärte Günther. Das Landratsamt als zuständige Bußgeldbehörde prüft den Fall und legt dann normalerweise eine Strafe von 500 Euro fest. Abweichungen vom Bußgeldkatalog seien nach einer Einzelfallabwägung möglich, ergänzte der Leiter der Lichtenfelser Polizeiinspektion.

Zum Beginn des neuen Jahres dominierten die Corona-Regeln die Einsätze der Polizei. Zwar ging es in bestimmten Bereichen ruhiger zu, doch unter dem Strich hatte man mehr zu tun. "Was wir sonst an Einsätzen hatten, wurde durch die Verstöße gegen das Corona-Infektionsschutzgesetz mehr als aufgewogen", sagte Sebastian Herrmann, Sachbearbeiter "Einsatz" bei der Polizei in Lichtenfels, im Rückblick auf diese Tage.

Insgesamt 22 Anzeigen in dem Bereich musste die Polizei aufnehmen. Welche Bußgelder zu zahlen sind, legt das Landratsamt fest. "Wir haben die einzelnen Sachverhalte noch nicht vorliegen, deshalb können wir noch nichts dazu sagen", teilte der Pressesprecher des Landratsamtes, Andreas Grosch, mit. In der Regel dauere es um die 14 Tage, bis die Höhe feststeht und die Betroffenen informiert werden.

Zweimal wurde die Lichtenfelser Polizei angerufen, weil Partys gefeiert wurden. Ein Fall trat in Burgkunstadt auf, der andere in Altenkunstadt. Dazu kam eine weitere Feier in Schney, die die Polizeibeamten zufällig bemerkten, als sie unterwegs zu einem anderen Einsatz waren. In einem Fall kam es auch zu einem Verstoß gegen die ab 21 Uhr geltende Ausgangssperre.

"Es ging kräftig los, dann wurde es ruhiger", sagte der Lichtenfelser Polizeichef Erich Günther. In der zweiten Nachthälfte hätten die Einsätze abgenommen, bestätigte auch Herrmann. "Wir haben aber nicht gezielt nach Corona-Verstößen gesucht."

Es kam zu weniger Sachbeschädigungen etwa durch Feuerwerk. Drei Übergriffe auf Polizeibeamte - ein Mann wurde ohne Fahrschein in Lichtenfels aus dem Zug gezogen, ein amtsbekannter 27-Jähriger randalierte auf dem Marktplatz und ein 70-Jähriger, der einen Wohnungsschlüssel nicht herausgeben wollte - standen nicht in Bezug zu Corona.

Der spektakulärste Einsatz in der Silvesternacht führte nach Weismain: Auf dem Dach eines Hauses war, vermutlich durch Feuerwerkskörper, ein Brand ausgebrochen, der aber schon erloschen war, als die Feuerwehr und weitere Hilfskräfte mit zwei Drehleitern und 130 Mann anrückten. Zu weiteren Fällen dieser Art kam es nicht. "In Trieb hatten wir noch einen Kaminbrand, aber das hat ja nichts mit Silvester zu tun", berichtete Herrmann.

Zusatzbelastung für Polizisten

Die Pandemie und der zweite Lockdown bedeuten für die Lichtenfelser Polizeibeamten nicht nur mehr polizeiliche Maßnahmen, sondern bringen auch andere Zusatzbelastungen mit sich: Im organisatorischen und logistischen Bereich sei die Umsetzung des Hygienekonzepts eine Herausforderung, erklärte Erich Günther. Zudem müssen sich die Polizisten auf die ständigen Aktualisierungen des Infektionsschutzgesetzes einstellen. Auch die psychische Belastung für die Beamten komme hinzu. So erschwere das Virus das kollegiale Miteinander auf der Wache, da auch hier die Kontakte stark eingeschränkt werden mussten. Und der Dienst ist aktuell noch herausfordernder als ohnehin schon: "Es gibt bestimmte Einsatzlagen, in denen der körperliche Kontakt nicht zu vermeiden ist", sagte Erich Günther mit Blick auf das Infektionsrisiko.