Kleukheim
Heimatgeschichte

Was hinter Flur- und Hausnamen steckt

Seit vielen Jahren erforscht Anton Zenk die Kleukheimer Hausnamen. Auch den alten Flur- und den Spitznamen widmet er sein Interesse. Im Jubiläumsjahr "875 Jahre Kleukheim" hält er zwei Vorträge.
Anton Zenk hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Details über Kleukheim zusammengetragen und in Aktenordnern ordentlich archiviert. Foto: Matthias Einwag
von unserem Redaktionsmitglied Matthias EInwag


Sagt jemand in seiner Gegenwart "Kleukheim", kann es passieren, dass Anton Zenk ihn vorsichtig darauf hinweist: "Des heißt Kleukumm!" Tatsächlich sagt kaum ein Eingeborener "Kleukheim". Und geschrieben wurde der Ortsname über die Jahrhunderte hinweg auch immer wieder anders: "Clukowa" (1137) oder "Klewkaw" (1461) oder Cleuckheim" (1520).
Anton Zenk ist vor 68 Jahren in Kleukheim zur Welt gekommen. Er ist ein Lokalpatriot im besten Sinn. Seit Jahrzehnten erforscht er die Geschichte seiner Heimat. Er möchte das Wissen früherer Generationen bewahren. Dabei geht er systematisch vor, besucht Archive und Bibliotheken, befragt Zeitzeugen und fragt Wissenschaftler um Rat, wenn er nicht selber weiter weiß. Denn eines unterstreicht der pensionierte Eisenbahner immer wieder: "Ich bin kein Studierter."
Zahllose Karteikärtchen hat er im Lauf der Jahre beschriften und Dutzende Leitz-Ordner befüllte er mit Klarsichthüllen voller Dokumente, Fotokopien, Zeitungsausschnitte, Karten und Fotos. Anton Zenk betreibt Familienforschung und widmet sich den vielen Facetten des dörflichen Lebens. Er dokumentiert die Kleukheimer Hausnamen ebenso wie alte Flurnamen, die wegen des Niedergangs des Bauernstandes heute kaum noch ein Kleukheimer kennt: Hühnerleite und Hopfengarten, Asbach, Sauloch und Rösten lauten Bezeichnungen aus der Kleukheimer Topographie. Der Name einer Feldflur, Richtung Oberküps gelegen, klingt wie astreines Fachchinesisch: der Haiing (1848) - oder im Volksmund der Hanich, der Hain.

Woher die Menschen kamen


"Das Feststellen der Hausnamen ist nur möglich, wenn man Familienforschung macht", erklärt Anton Zenk sein Hobby. Es habe ihn immer interessiert, woher die Menschen in früheren Jahrhunderten gekommen sind, die sich in Kleukheim niederließen. Oft seien es Lehrer, Wanderschäfer oder Handwerker gewesen, die hier hängen blieben. Sie heirateten und wurden sesshaft. Allein die Großbaustellen von Kloster Banz der Basilika Vierzehnheiligen lockten scharenweise Steinmetze, Schreiner und Taglöhner an. Die Herkunft dieser Menschen erfordert oftmals geradezu kriminalistisches Gespür. Im Diözesanarchiv Bamberg durchforstet Anton Zenk auf der Suche nach deren Ahnen die Pfarrmatrikel, aber auch das Staatsarchiv und die Staatsbibliothek sucht er regelmäßig auf, um zu recherchieren. Sogar nach München und Köln ist er schon gefahren, um in Archiven Details ausfindig zu machen. Die Pfarrakten selbst sind jedoch die Domäne seines 41-jährigen Sohnes Alfons. Der promovierte Sonderschulpädagoge hat von seinem Vater das Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen geerbt. So oft er kann, unterstützt er Anton Zenk, wenn der buchstäblich mit seinem Latein am Ende ist.
Gleichwohl legte Anton Zenk eine kleine Datenbank über die Kleukheimer Pfarrer an. In kurzen Lebensläufen hielt er fest, woher sie kamen, wann sie im Ort wirkten und was sie während dieser Zeit bewirkten.

Zwei Vorträge zur Ortsgeschichte


Anlässlich der 875-Jahr-Feierlichkeiten in Kleukheim hält Anton Zenk heuer zwei Vorträge (siehe unten). Dabei geht er unter anderem auf Hauschroniken und Hausnamen ein. Trotz der Neubenennung der Kleukheimer Straßen, orientieren sich die Älteren am althergebrachten Hausnummernsystem im Ortskern.
Ein Dialog wie dieser hätte vor Jahrzehnten, als es noch vier Wirtshäuser in Kleukheim gab, durchaus Sinn gehabt: "Gem mer heut' Abend nei die Hatzolda?" - "Naa, mir gehn nei die Pinna oder zu die Becken." Gemeint sind die Gasthäuser Leikheim (Hs.-Nr. 49), Schmitt (Hs.-Nr. 38) und Ebitsch (Hs.-Nr. 9); zusätzlich gab es noch das Gasthaus Stenglein (Hs.-Nr. 14 und 15).

Volksmund findet Spitznamen


Wenn Anton Zenk einen Vortrag hält, ist das keine aktenstaubtrockene Angelegenheit. Zu all den Fakten weiß er immer wieder eine Anekdote oder eine heitere Begebenheit. Etwa über ein Kleukummer Original, dessen vollen bürgerlichen Namen wir an dieser Stelle verschweigen wollen. Besagter Schorsch wollte nach Amerika auswandern und tat dies allen Kleukheimer vollmundig kund. Doch er stellte sich nicht besonders clever an. Noch bevor er sich einschiffen konnte, wurde er im Hafen ausgenommen. Nach sieben Tagen war er zurück in Kleukheim. Der Volksmund fand schnell einen Spitznamen für ihn: "das Amerikaner-Schorschla".




875 Jahre Kleukheim



Die erstmals 1137 urkundlich erwähnte Ortschaft Kleukheim feiert in diesem Jahr ihr 875-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass sind zahlreichen Veranstaltungen vorgesehen.
Der "Tag der offenen Ortschaft" am Sonntag, 2. September, stellt die Hauptveranstaltung der Jubiläumsfeierlichkeiten dar. Im Anschluss an einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Wolfgang öffnet Kleukheim Besuchern an diesem Sonntag ab 10 Uhr die Pforten und gewährt Einblicke in das historische Zentrum des Ortes.

Vorträge zur Ortsgeschichte


Über das gesamte Jahr verteilt sind außerdem weitere Veranstaltungen geplant. So geht der Hobby-Historiker Anton Zenk bei einem historischen Vortrag am Samstag, 12. Mai, ab 19.30 Uhr im Sportheim auf Hauschroniken und Hausnamen in Kleukheim ein. Am Samstag, 20. Oktober, gibt er Einblicke in die Geschichte des Dorfes; Beginn ist ebenfalls um 19.30 Uhr im Sportheim. Bei diesem Vortrag wird Anton Zenk außerdem auf die örtliche Schulgeschichte eingehen. Zahlreiche Klassenfotos, die er gerade als Dias aufnehmen lässt, sollen diesen Abend illustrieren.
Kleukheim wartet heuer außerdem mit Veranstaltungen wie dem Aufstellen des Pfingstbaumes (Freitag, 25. Mai, 15 Uhr), dem Pfarrfest (Montag, 28. Mai, ab 10 Uhr), dem Weingassenfest (Samstag, 30. Juni, 18 Uhr) und einem Weinfest im Sportheim mit Tanz (Samstag, 13. Oktober, 20 Uhr) auf.
Einen weiteren Höhepunkt stellt die Kleukheimer Kirchweih vom 13. bis 16. Juli dar. An diesem Wochenende erfolgt auch das traditionelle Aufstellen des Kirchweihbaumes.
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