Die Szenen sind wichtig. "Das werden wohl drei bis vier Minuten in der Sendung werden", überschlägt Prof. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Für Andreas Sawall, den Regisseur von Spiegel TV, das den Film für das ZDF produziert, ist der Abstecher nach Kloster Banz deshalb angemessen: "Das ist ein kleines Fenster, das ein großes Thema öffnet."

Das Thema lautet Archäologie und die vier Mönche sollen es für ein Publikum erschließen, das jünger ist als der Fernsehzuschauer, der sich sonst in solchen Sendungen zuschaltet. "Wissenschaft mit einem Augenzwinkern", beschreibt es Wemhoff.

Im Wald hinter Kloster Banz stieß man auf das, was man suchte: eine historische Kegelbahn, deren Existenz und Lage ganz klar belegt war - mit einer Blickbeziehung zum Kloster im Hintergrund: "Fast schon zu schön, wir haben in ganz Deutschland übrigens keine andere Kegelbahn an einem Kloster
gefunden", lacht Andreas Sawall.
Zeitgeschichte soll lebendig werden und die ferne Barockzeit näher ins Bewusstsein gerückt werden. "Diese Epoche war alles andere als grau und trostlos, es gab im Gegenteil eine ungeheure Lebensfreude", sagt Wemhoff, der in zwei Folgen von "Terra X" Höhepunkte der Grabungsgeschichte in Deutschland kommentieren wird. Die Sendungen werden im Frühjahr kommenden Jahres gezeigt.

Ein Bergwerk in Sachsen, die Altstadt in Lübeck, Ausgrabungen auf einer Burg, Pfahlbauten am Bodensee - für zwei Sendungen ist "Terra X" in ganz Deutschland unterwegs. "Das ist eine sehr gute Gelegenheit, ein breiteres Publikum zu erreichen", sagt Wemhoff. Der Sendeplatz um 19.30 Uhr sei eine große Chance, seine Anliegen zu vermitteln. Dazu bedient man sich auch solcher Mitteln wie auf Banz. So komme man weg von Grabungsspuren hin zu Bildern, und dann könne sich der Zuschauer leichter in die Zeit zurückversetzen.

Hinter der Szene in Kloster Banz steckt ein Wandel: Klöster hätten sich noch im Mittelalter eher von der Umwelt abgeschottet, sagt Wemhoff. Eine Kegelbahn spiegele auch eine andere Sicht der Mönche auf die Dinge in der Welt wider. In den Klöstern hätte man sich stärker der Wissenschaft verschrieben, zudem die Kunst gefördert. Entspannung wie beim Kegeln wurde als Ausgleich zum Studieren betrachtet - und damit auch als notwendig und sinnvoll. Den Anstoß zu diesem Kegelplatz, bei dem es auch eine Anlage zum Bogenschießen gab, soll 1775 der Mönch Johann Baptist Roppelt gegeben haben, ein naturwissenschaftlich versierter Mann. Archäologie sei eine Wissenschaft, die das Leben von einst wieder lebendig werden lassen will, sagt Wemhoff.

Dabei dürfe man den Blick nicht nur auf Gebäude und Schriftliches richten, sondern auch das Umfeld mit einbeziehen - wie etwa eine Kegelbahn, die man bei einem Kloster nicht vermuten würde. "Es geht darum, sich ein Bild von den Menschen in einer Epoche zu machen." Dafür wird beim Filmen am Detail gearbeitet. Die Szene sitzt erst, wenn Gestik und Mimik stimmen. Die Statisten Holger Fischbuch, Jürgen Schmidt, Frank Kummer und Oliver Vogeley gehen im richtigen Leben Berufen wie Maschinenbauer oder Handel mit Bürobedarf nach, im zweiten Leben sind sie Musiker und Mitglieder eines Mittelaltervereins. "Wir machen so was nicht zum ersten Mal für Spiegel TV", sagt Fischbuch.

Wie schnell Geschichte vergessen werden kann, hat Prof. Matthias Wemhoff in einem Besuch in Bamberg gesehen. Dort begann er 1985 seine wissenschaftliche Karriere mit einem Studium der Mittelalterarchäologie. "Ich wohnte damals in einem alten Fachwerkhaus im Sandgebiet, so etwas wie Touristen gab es damals in der Stadt kaum." Natürlich stünden heute noch die selben Gebäude, aber Gaststätten wie das Schlenkerla hätten nun ein völlig anderes Publikum, die Touristen. "So etwas kann man auch nicht konservieren." Aber man kann die Geschichte aufleben lassen, wie mit vier Mönchen im Wald, als Kloster Banz noch kein Tagungszentrum war.