Von der Alten Coburger Straße zweigt, bevor die Steigung beginnt, eine Sackgasse ab: Am Albertsbrunnen. Mit einem Albert freilich hat der namensgebende Brunnen eigentlich gar nichts zu tun. Richtig heißt er nämlich Alberada-brunnen.

Alberada war die Tochter des letzten Grafen von Schweinfurt, entstammte also einer Familie, die an der Wende vom 1. zum 2. Jahrtausend unsere Region beherrschte. Sie dominierte das Land vom Mainknie bei Schweinfurt bis an den Regen und die Donau. Die gräfliche Familie residierte in Sulzbach, Creußen, Kronach, Burgkunstadt, Schweinfurt und anderen Burgen. 1003 erhob sich Graf Hezilo, der Großvater von Alberada, gegen den frischgewählten König Heinrich II. Er wurde geschlagen, und die Familie verlor an Einfluss. Aber sie büßte ihre Macht nicht ganz und nicht auf Dauer ein. Hezilos Sohn, Otto, wurde sogar Herzog von Schwaben. Dieser Herzog Otto starb 1057 ohne einen männlichen Erben.

Seine Eigengüter wurden nun aufgeteilt unter seine Erben, nämlich die Witwe und vier Töchter. Alberada erhielt dabei das Land zwischen Main und Itz mit der Burg Banz als Mittelpunkt.

Den Wirtschaftshof Döringstadt mit neun zugehörigen Ortschaften schenkte sie dem Bamberger Domstift, und sie übertrug um 1070 den Banzforst und Marktgraitz der Bamberger Kirche. Marktzeuln erkannte sie als bischöfliches Lehen an, so dass es nach ihrem erbenlosen Tod ebenfalls an Bamberg fallen würde. Mit ihrem Mann, Graf Hermann von Habsberg-Kastl, stiftete sie ein Benediktinerkloster in ihre Burg Banz, stattete es mit Besitz aus und unterstellte es ebenfalls dem Bamberger Bischof. Im Kloster Banz hielt man das Andenken an die Stifterin wach. Legenden rankten sich um sie: Sie sei nach dem Tod ihres Mannes, der exkommuniziert, also aus der Kirche ausgeschlossen war und nicht in geweihter Erde begraben werden durfte, nach Rom gezogen und habe den Papst umgestimmt; ein wahrer Kern dieser Geschichte ist nicht auszuschließen.

Man verehrte Albarada gar als Heilige. Ein Quellwunder wurde ihr spätestens im 14. Jahrhundert zugeschrieben: Sie habe Schnitter auf dem Feld unter der Sommerhitze leiden gesehen und einen Stab in die Erde gestoßen, so dass eine Quelle entsprungen sei. Dieser "Sant Alberaden Brunnen" (das heißt: Brunnen der heiligen Alberada) wird 1417 urkundlich erwähnt.

Der letzte Prior des Klosters Banz, Placidus Sprenger (1735-1806), erwähnte 1803 den Alberadabrunnen, der "anderthalb Stunden von Banz auf dem geraden Wege nach dem Dorfe Schney" liege. Sein Wasser sei "crystallklar und zum Trinken vortrefflich". Der damalige Besitzer des Grundstücks habe laut Sprenger "ein Sommerhäuschen daran errichten und das gemahlte Bildniss der seligen Alberad in der Kleidung einer Äbtissin unmittelbar über dem Sprudel anheften lassen".

Von der Qualität und Menge des hier entspringenden Wassers zeugt die Tatsache, dass es der Stadtmagistrat 1890 in die Stadt leiten und damit vier öffentliche Brunnen speisen ließ. Als 1934 die kleine Straße, in der nur ein Haus stand, einen Namen brauchte, war der Flurname den Verantwortlichen ungefähr bewusst. Alberada allerdings war ihnen offenbar nicht geläufig. So wurde aus der Gräfin ein Albert. In einer Stadt, in der ohnedies so wenige Straßen nach Frauen benannt sind, wäre es längst angezeigt, den Fehler zu korrigieren: "Am Alberadabrunnen" müsste die kleine Straße heißen.