Zu den ärmsten Bürgern von Lichtenfels gehörten in der frühen Neuzeit die Fischer, die mehrheitlich auf dem Anger wohnten. Obendrein waren sie nicht durch die Stadtmauer geschützt und Hochwassern unmittelbar ausgesetzt. Alljährlich mussten sie dem Bamberger Fürstbischof, der das Fischereirecht im Main ab Höhe Maineck innehatte, einen Zins zahlen, weshalb man auch von Zinsfischern sprach.

Diese Fischer waren, wie Handwerker, zu einer Zunft zusammengeschlossen. Die alljährliche Abgabe an den Landesherrn belastete die Fischer schwer, und so klagten sie heftig über Personen außerhalb ihrer Zunft, die ebenfalls den Main befischten. Sie beschwerten sich über den Lichtenfelser Mainmüller, vor allem aber über die Fischzüge der Fährleute in Hausen, Unnersdorf und Nedensdorf.

Die Fischzüge der drei "Ferchen"

Diese drei "Ferchen", wie man sie nannte, waren Untertanen des Benediktinerklosters Banz, das sie auch mit Fisch zu beliefern hatte. Damit sie dazu in der Lage waren und damit sie einen Ausgleich empfingen für ihre wichtige Aufgabe des Überholens von Menschen und Gütern, war es ihnen gestattet, ohne eine Zahlung im Main zu fischen. Doch als im 16. Jahrhundert der Bamberger Fürstbischof eine Fischordnung erließ, die nicht zuletzt auf die Hege des Fischbestands ausgerichtet war und daher Fangzeiten und -geräte einschränkte, hielten sich diese drei Fährleute nicht an die Vorschriften. Sie gerieten dadurch in Vorteil gegenüber den Zinsfischern, die das Tun der verhassten Konkurrenten zähneknirschend beobachteten.

Für die Aufsicht über die Mainfischerei war der Lichtenfelser Fischermeister verantwortlich, ein fürstbischöflicher Beamter. Soweit wir wissen, nahm stets der Forstmeister diese Aufgabe im Nebenamt wahr. Ihm zur Seite standen fünf Fischerknechte, ausgewählte Berufsfischer in den wichtigsten Fischerdörfern längs des Mains. In den 1560er und 1570er Jahren pfändeten die Lichtenfelser Beamten und der Fischerknecht von Schönbrunn mehrmals das Fanggerät der Fährleute, weil diese sich an die angeordneten Schonzeiten und sonstige Beschränkungen nicht hielten. Meist wurden nach einigem Hin und Her die beschlagnahmten Gegenstände zurückerstattet.

Als jedoch Ende 1579 Reusen der Ferchen beschlagnahmt wurden, gab Bamberg nicht nach. Vergeblich beschwerte sich der Banzer Abt über den Lichtenfelser Forstmeister "mit seinen versuffenen Vischerknechten". Da keine Einigung zu erzielen war, gelangte die Sache auf Betreiben des Banzer Prälaten und des Würzburger Fürstbischofs vor das Reichskammergericht in Speyer, eines der zwei obersten Reichsgerichte, das im Namen des Kaisers Recht sprach. Der Prozess dürfte, wie so viele, im Sande verlaufen sein.

Doch die Angelegenheit schwelte weiter, über ein Jahrhundert lang. Erst 1695 wurden in einem Grundlagenvertrag zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Kloster Banz die Fischereirechte der Ferchen einvernehmlich geregelt. Die drei Ferchen durften weiterhin zwischen der Lichtenfelser Langen Brücke und Ebensfeld fischen, jedoch nur zweimal pro Woche mit der Segen (einem großen Netz mit einem Sack in der Mitte), in der Fastenzeit und im Advent dreimal. Ansonsten gelte für sie die fürstbischöfliche Fischereiordnung von 1565 und wer von ihnen dagegen verstoße, dem drohe eine Strafe. Streng untersagt war ihnen im Gegensatz zu den Zinsfischern der Handel mit Fisch.

Wenn auch der offene Streit durch diesen Vertrag beigelegt war, so blieb doch das Verhältnis zwischen Zinsfischern und "Ferchen" schlecht. 1879 kaufte der Lichtenfelser Konditor Carl Gaab das Fischereirecht im Main von Maineck bis Ebensfeld vom Staat. Die örtliche Presse meldete, Gaab habe das Recht "lediglich zur Hebung und Förderung der Fischzucht in dem so ergiebigen Mainwasser erworben [...], beabsichtigt einen Theil an hiesige Fischer unter einschränkenden Clauseln zu verpachten". Er selbst wolle sich "den schönsten Theil [...] ausschließlich zur Zucht vorbehalten". Wenige Tage später gaben die Eigentümer der drei Fährmannshäuser eine Annonce auf: "Wir lassen uns durch Hrn. Gaab in der Ausübung unsres Fischrechts keine neuen Vorschriften machen, am allerwenigsten aber solche Schranken setzen, wie Hr. Gaab zu seinem Vortheile gesetzt wissen möchte."

Rüden Ton angeschlagen

Bei diesem Ton wundert es nicht, dass es Gaab nicht gelang, die Rechte der Fährleute abzulösen. Sie blieben bestehen, obwohl seit 1803 das Kloster Banz nicht mehr existierte und obwohl seit 1816 eine Mainbrücke bei Unnersdorf die Dienste des dortigen Fährmanns entbehrlich machten. Nachdem 1910 der Bezirksfischereiverein Lichtenfels-Weismain das Fischereirecht zwischen Hochstadt und Ebensfeld erworben hatte, begannen neuerliche Gespräche mit den "Fährlingsrechtlern", wie man sie nannte. Dabei verhandelte nicht der Verein, sondern in dessen Auftrag das Bezirksamt mit ihnen. Im Sommer 1910 zeigte sich die Behörde noch zuversichtlich, bald zu einer Lösung zu kommen. Doch die Sache zog sich hin, zwei Jahre lang. Den Lösungsweg wies der Fischerei-Wanderlehrer Hans Rauch in Bayreuth: Es solle, schrieb er 1911, den Rechtlern "eine zusammenhängende Strecke Fischwasser als alleiniger Besitz angeboten werden". Nach langwierigen Gesprächen, die "zum Teil sehr heftiger Natur" waren, hatte das Bezirksamt im Frühherbst 1912 einen Kompromiss unter Dach und Fach. Demnach hätte der Bezirksfischereiverein die Strecke zwischen dem Hausener Wehr und Ebensfeld ganz an die Rechtler abgetreten; diese hätten dafür auf alle Ansprüche flussaufwärts verzichtet. Der Vertrag lag schon beim Notar, da legte sich im Mai 1913 überraschend die Hauptversammlung des Vereins quer. So blieben die Fischereibefugnisse der "Fährlingsrechtler" eine offene Wunde für die Berufsfischer, die Angler und vor allem den Bezirksfischereiverein. Eine Lösung ließ Jahrzehnte auf sich warten. Erst 1930 gelang es dem Verein, das Nedensdorfer Recht durch eine Geldzahlung abzulösen, im Falle von Hausen und Unnersdorf glückte dies sogar erst 1938.