Der Arbeitsalltag in einer Autowerkstatt hat sich verändert. "Früher war alles einfacher, da hat man wirklich noch geschraubt", sagt Serviceberater Alexander Klose. Mittlerweile werde ein Großteil über Computertechnik geregelt. "Es werden viele Einstellungen vorgenommen und programmiert."

Klose arbeitet seit 2006 beim Lichtenfelser Autohaus Turnwald. Er hat eine Mechatronikerausbildung und eine Weiterbildung zum Serviceberater abgeschlossen. "Ich berate die Kunden darüber, welche Reparaturen sie machen lassen - der Kunde hat mit der Werkstatt direkt nichts zu tun", erzählt der 41-Jährige aus seinem Alltag. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, verbringt er trotzdem jeden Tag etwas Zeit in der Werkstatt. "Sonst hätte ich den Beruf ja nicht lernen brauchen. Auch wenn es nicht mehr mein Gebiet ist und wir für alles Spezialisten haben, erledige ich Kleinigkeiten manchmal selbst", sagt der Lichtenfelser. Aus diesem Grund nimmt er auch regelmäßig an Lehrgängen teil: " Man muss ständig am Ball bleiben, dass einen die Technik nicht überrollt - Elektronik und Mechanik zusammen geht kaum noch, am besten ist es, sich zu spezialisieren."

Anteil der Elektroautos steigt

Weil der elektrische Anteil im Motor immer mehr zunimmt, würde Klose die Ausbildung zum Mechatroniker mittlerweile eher als eine Ausbildung zum "Autoelektriker" bezeichnen: "Bei mir ging es noch in der Hälfte der Ausbildung um Mechanik. Mittlerweile macht der Anteil, in dem es um Elektronik geht, mindestens 60 Prozent aus."

Der Anteil der Elektrofahrzeuge, die in der Renault-Werkstatt des Autohauses Turnwald repariert werden, liegt Kloses Einschätzung zufolge bei etwa 20 Prozent. "Die Elektrofahrzeuge werden immer mehr. Und auch der Anteil der Hybridfahrzeuge, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor haben, steigt", prognostiziert der Serviceberater. Dass der Anteil der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor noch bei rund 80 Prozent liegt, führt er auf die Gewohnheit der Kunden zurück. "Vielen ist es einfach noch nicht in den Sinn gekommen, elektronisch fahren zu wollen - ich rechne mit einem starken Zuwachs in den nächsten Jahren", meint Klose. Bei den Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen sei bereits ein Anstieg zu verzeichnen; in die Werkstatt kommen die Fahrzeuge allerdings eher seltener. "Elektrofahrzeuge sind sehr zuverlässig."

Unzählige Computer verbaut

Was die Motoren demgegenüber anbelangt, so überwiege der elektrische Teil hier mittlerweile. "Früher konnte man mit einem Blick in den Verbrennungsmotor sehen, wo das Problem ungefähr liegt, heute wird ein Computer angeschlossen, der dann prognostiziert, in welche Richtung der Schaden geht", beschreibt Klose seine Arbeit. Im Renault Koleos des Baujahrs 2019, einem Auto mit einem reinen Verbrennungsmotor, seien beispielsweise mindestens 15 Steuergeräte, also Computer, verbaut. "Früher waren es vielleicht zwei."

Wenn heute im Motorraum ein Kabel oder ein Stecker ausfalle, funktioniere laut Klose oftmals das ganze Auto nicht mehr. "Früher wurde der Kraftstoff eingepumpt und mechanisch in den Motor gespritzt, heute sorgen Elektroteile dafür, dass der Kraftstoff in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort kommt."

Die elektronischen Neuerungen haben nicht nur im Werkstattbereich, sondern auch in der Beratung Einfluss auf Kloses Arbeitsalltag. "Es ist schwerer, den Kunden zu vermitteln, was sie für ihr Auto brauchen. Und gefühlsmäßig sind für den Kunden viele Serviceleistungen teurer geworden", sagt Klose. Was diesen Aspekt betreffe, sei es seiner Meinung nach wichtig, zu sehen, was hinter der Arbeit der Werkstattmitarbeiter steckt.

"Durch die ständig fortschreitende Technik hat man eigentlich nie Feierabend, weil man immer am Ball bleiben muss", sagt der Lichtenfelser. So stehen regelmäßig Schulungen zu den Themen Kraftstrom oder den Vorsichtsmaßnahmen an. "Durch das orangene Kabel fließen 400 Volt, ein Handyladekabel leitet fünf Volt", sagt er als er die Motorhaube eines Elektroautos öffnet.