Bis zur Spitze ist er inzwischen eingerüstet, der linke Turm der Basilika, und auch auf der anderen Seite wächst das Gerüst weiter in die Höhe. Grund für die Großbaustelle sind die Turmspitzen, die die Turmdächer krönen - normalerweise. Denn im Moment fehlen die beiden kupfernen Strahlenkränze, befinden sich in einer Spenglerei zur Reparatur.

"Angefangen hat alles im letzten Sommer, als sich ein Strahl aus einem der Kränze gelöst hat und heruntergefallen ist", erzählt Pater Heribert Arens, Leiter der Klostergemeinschaft der Franziskaner und Rektor der Basilika. "Zum Glück hat das Teil niemanden getroffen. Das hätte tödlich ausgehen können." 50 Zentimeter ist das Stück Kupferblech lang, das in der Nähe der Andenkenläden auf die Straße stürzte.


Spitzen und Dachgebälk marode

Daraufhin ließ das
staatliche Bauamt Bamberg, das für die Basilika zuständig ist, einen Spezialkran kommen, und ein Team aus Handwerkern und Ingenieuren untersuchte den Zustand der Turmspitzen. "Die Kupferkränze waren von Wind und Wetter sehr mitgenommen waren, die Nieten zum Teil locker."

Die Spitzen wurden abgenommen und runderneuert. Doch damit nicht genug: Das Expertenteam stellte fest, dass auch das Dachgebälk, auf dem die Spitzen befestigt waren, marode war. "Dort wo die Spitzen angebracht waren hat es anscheinend hinein geregnet", erklärt Pater Heribert. "So hat das Holz Schaden genommen."
Während die Turmspitzen mit dem Kran abgenommen werden konnten, wurde durch die Schäden an der Holzkonstruktion ein Gerüst nötig. "Wenn das Gerüst fertig aufgebaut ist, können Zimmerer den Zustand des Gebälks genau in Augenschein nehmen und es dann wieder instand setzen", so Pater Heribert. "Erst dann können die Turmspitzen wieder angebracht werden."

Bis zum Herbst soll diese Maßnahme abgeschlossen sein. Das Baugerüst wird allerdings noch bleiben. "Da es nun schon mal steht, wird auch der Zustand der Außenmauern überprüft. Auch hier gibt es Schäden: Risse, Kerben, und brüchige Ornamente", sagt Pater Heribert. "Hier besteht theoretisch ebenfalls die Gefahr, dass Teile runterfallen." Vorsorglich wurde das Baugerüst deshalb mit einem Netz eingekleidet.Wann die Reparaturen an der Außenmauer abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. "Der Zustand des Sandsteins muss zunächst überprüft werden, erst dann wird sich herausstellen, was getan werden muss."

Wieviel das alles kosten wird ist ebenfalls noch nicht abzusehen. Allein der Gerüstaufbau schlägt mit 200.000 Euro zu Buche. Für die Finanzierung der Maßnahmen ist die Landesregierung zuständig. "Die Basilika gehört nämlich nicht den Franziskanern, sondern dem bayerischen Staat", erläutert Pater Heribert. In die Organisation der Bauarbeiten wird der Orden trotzdem miteinbezogen. "Wir äußern unsere Wünsche etwa hinsichtlich der Absperrungen oder der Zeiten, wann an der Baustelle gearbeitet wird, damit das nicht etwa geschieht, während Gottesdienst ist."


Bald goldene Spitzen

Das Gerüst an der Basilika wird auf jeden Fall auch im nächsten Jahr noch stehen, allerdings nur an den Mauern. "Im Bereich der Turmdächer wird das Gerüst wieder abgebaut, nachdem die Spitzen aufgesetzt worden sind." Diese werden nach ihrer Runderneuerung wahre Schmuckstücke sein: Die Experten hatten festgestellt, dass die Strahlenkränze ursprünglich vergoldet waren, und so sollen die neuen alten Spitzen in Zukunft wieder golden auf den Türmen funkeln - wie zuletzt vor 100 Jahren.