"Die Versorgung mit schnellem Internet ist unbestritten ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor." Mit dieser Einschätzung steht Udo Dauer nicht alleine da. Damit unterversorgte Gebiete auch in den Genuss einer zeitgemäßen Datenleitung kommen, hat der Weismainer Bürgermeister ein interkommunales Projekt ins Leben gerufen: Gemeinsam setzen sich die Jurastadt, die Gemeinde Stadelhofen sowie die Märkte Thurnau und Wonsees für den Bau eines Hochgeschwindigkeits-Breitbandnetzes ein.

Es ruckelt und zuckelt

Erst einmal Kaffeekochen gehen, bevor eine E-Mail mit großem Anhang ankommt; ständiges Ruckeln beim Videostream; minutenlanges Warten, bis sich eine besonders werbeintensive Internetseite vollständig aufgebaut hat: Dariusz Krybus kennt die Beschwerden nicht weniger Nutzer aus dem Stadtgebiet.
"Mehrere Dörfer sind bei der Internetleitung noch auf dem Stand von vor zehn Jahren", meint der Systembetreuer der Stadt Weismain; nahezu alle Ortsteile müssten sich mit einer Datenübertragungsrate von 0,384 Megabit pro Sekunde begnügen.
Selbst in der Kernstadt, wo die User eigentlich mit 16 Megabit zügig surfen können, gebe es noch Bereiche, in denen lediglich solches "DSL-lite" verfügbar ist, beispielsweise in der "Hummerei".
Nicht anders sieht es die in den Gemeindegebieten von Stadelhofen (Landkreis Bamberg), Thurnau und Wonsees (beide Kulmbach) aus. Auch dort stünden gut versorgte größere Orte den kleineren gegenüber, die sich über eine Downloadrate von "deutlich unter einem Mbit" ärgern, weiß Siegbert Reuther von der Bad Staffelsteiner Firma Reuther NetConsulting.

"Internet-Diaspora"

Reuther betreut für die vier Kommunen das interkommunale Breitbandprojekt. Initiiert wurde es von Udo Dauer, der sich die Beseitigung der "Internet-Diaspora" auf die Fahnen geschrieben hat und dafür bei seinen Bürgermeisterkollegen Ludwig Göhl (Stadelhofen), Dietmar Hofmann (Thurnau) und Günther Pfändner (Wonsees) auf offene Ohren stieß. "Der Zusammenschluss von vier Kommunen aus drei Landkreisen, die ihre Interessen bündeln und etwas gegen langsames Internet unternehmen wollen, ist ein bayernweit bislang einmaliges Pilotprojekt", erklärt Benjamin Lamp vom Breitbandzentrum Bayern auf Nachfrage unserer Zeitung. Lamp berät die oberfränkischen Kommunen in punkto Ausbau von Hochgeschwindigkeitsinternetverbindungen.
Ungewöhnlich ist die Kooperation nur auf den ersten Blick. Denn die Jurastadt und die Gemeinden verband in der jüngsten Vergangenheit ein anderes Projekt: die Errichtung des "Jura-Solarparks" entlang der Autobahn A70. Bei den Planungen bestand Bürgermeister Dauer darauf, die Betreiberfirma IBC Solar im Zuge des Leitungsbaus zu verpflichten, auch ein zusätzliches Kabelleerrohr zu legen. Jetzt könnte dieses Rohr zum Trumpf in den Verhandlungen zur Beseitigung des "Schnecken-Internets" werden, weil kostspielige Erdarbeiten entfallen.

"Win-Win-Situation"

Im Zuge der Unterzeichnung einer Vereinbarung über den Bau einer Glasfaserdatenleitung von Stadelhofen bis zum Thurnauer Gemeindeteil Leesau durch das Bürgermeister-Quartett, sicherte IBC-Projektmanager Oliver Partheymüller die unentgeltliche Überlassung des dort verlaufenden Leerrohrs zu. Der ebenfalls anwesende Abteilungsdirektor von der Oberfrankenregierung, Thomas Engel, sah eine "Win-Win-Situation", wenn regenerative Energiegewinnung im Nebeneffekt zum Breitbandausbau führen könnte. Bürgermeister Udo Dauer und seine Amtskollegen sprachen von einem "Meilenstein für die Verbesserung der Breitbandversorgung".

Gute Chance auf Fördermittel

Die Unterstützung, die Engel ankündigte, wird notwendig sein. Schließlich wollen sich die vier Kommunen das "Breitbandförderprogramm 2012/2017" des Freistaates zunutze machen, das pro Kommune derzeit einen Zuschuss von einer halben Million Euro gewährt - allerdings nur, wenn 19 "Förderschritte" durchlaufen werden. Einer davon ist die Ermittlung von Unternehmen, die einen Kapazitätsbedarf von mindestens 50 Megabit pro Sekunde glaubhaft anmelden mussten.
"Die Chancen auf die Förderung sind recht gut", bilanziert Siegbert Reuther, nachdem diese Bedarfsermittlung am vergangenen Donnerstag beendet wurde. 50 der im Rahmen des "Interkommunalen Projekts" angeschriebenen 200 Firmen versicherten die Notwendigkeit eine flinken Datenleitung, was "verglichen mit ähnlichen Bedarfsermittlungen ein guter Rücklauf" sei, so Ingenieur Reuther, der eine wichtige Information für den Privatnutzer ergänzt: Zwar liege der Schwerpunkt des Programms auf den Firmen, in der Praxis könne aber jeder Anschluss, also auch Privatpersonen, von der Turbo-Leitung profitieren.
Gelingt die Aufnahme in das Förderprogramm und findet sich ein Telekommunikationsunternehmen als Netzbetreiber, sieht die Stadt Weismain vor, zunächst die Internetverbindungen für die Dörfer nahe der A 70 (Fesselsdorf, Buckendorf, Weiden) auszubauen. In einem zweiten Schritt könnte sich dann die Versorgung auch im restlichen Stadtgebiet spürbar verbessern.
Denn wie Bürgermeister Udo Dauer (CSU) feststellt, sei schnelles Internet - bei aller wirtschaftlichen Bedeutung - "inzwischen auch zu einem Stück Lebensqualität für jeden Bürger geworden".