Eine große Frau ist gestorben. Eugenie Stelzner, Jahrgang 1924, starb am 23. Januar im Klinikum. Sie war eine herausragende Persönlichkeit, die als Lehrerin in Lichtenfels und Altenkunstadt und ehrenamtliche Frauenbundsfrau viele geprägt hat. Mit ihrem ansteckenden Temperament und ihrem nie erlahmenden Engagement hat sie in ihrer Heimatstadt einiges bewegt. Aber nicht nur hier: Als langjährige Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Zweigverein Lichtenfels, war sie viele Jahre auch im Diözesanvorstand in Bamberg tätig. In dieser Funktion war sie Landes- und Bundesdelegierte. In der ganzen Bundesrepublik gibt es Frauenbunds frauen, die Eugenie Stelzner kennen und die mit ihr Fröhlichkeit, Witz, Intelligenz und ein starkes emanzipatorisches Engagement verbinden.
Eugenie Stelzner leitete den Lichtenfelser Zweigverein von 1986 bis 1998 und prägte ihn in diesen zwölf Jahren mit ihrer starken Persönlichkeit.
Dabei hatte sie immer die Ziele des Verbandes im Blick und bemühte sich, Frauen zu befähigen, sich aktiv einzubringen in Kirche, Gesellschaft und Politik. Sie orientierte sich an den Richtlinien und Bildungsangeboten des Frauenbundes auf Diözesan- und Landesebene. Im gleichen Zeitraum war sie auch Mitglied des Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung.

Frauenbewegung in der Kirche

Die Frauenbewegung auch in die Kirche hineinzubringen war eines der erklärten Ziele dieser Führungsfrau, ganz im Sinne der Gründerinnen des KDFB (1903). Ihre Betrachtung eines Pfingstbildes, wo Maria mitten unter den Aposteln zu sehen war, sagt alles über ihr Engagement für die Geschlechtergerechtigkeit aus: "Da gehören wir auch hin, mitten unter die Apostel. Nicht drüber, aber auch nicht drunter!"
Das Thema Frauenbildungsarbeit, sowohl gesellschaftlich als auch kirchlich gesehen, war ihr sehr wichtig, und die Ideen und Vorschläge für das Bildungsprogramm des Frauenbundes gingen ihr nie aus. Frauenspezifische Themen zu wählen, aus dem feministischen Blickwinkel an die Themen he ranzugehen und in anderen Frauen die Sensibilität für diesen feministischen Ansatz zu wecken, das lag ihr am Herzen. "Ich bin eine Feministin und eine Emanze. Und ich bin stolz darauf!" Das hat sie von sich gesagt.
Bis zum Ende ihres Lebens bildete sie sich fort, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Katholischen Frauenbundes. Ein unstillbarer Hunger nach Mehr auf gesellschaftspolitischem und religiösem Gebiet zeichnete sie aus. Dabei schaute sie über den eigenen Kirchturm hinaus. Über viele Jahre hinweg engagierte sie sich in der ökumenischen Arbeit, speziell in der ökumenischen Initiative katholischer und evangelischer Frauen aus Lichtenfels und Schney, die sich kontinuierlich seit 1991 (1. Ökumenischer Kirchentag in Lichtenfels) zur Vorbereitung ökumenischer Frauenveranstaltungen trafen. Mit stets neuer Energie bereitete sie z. B. die ökumenischen Mai-Andachten an der Moritzkappl mit vor, die ihr aus dem Frauenblickwinkel gesehen besonders wichtig waren: Maria, die große Frau der Christenheit, gemeinsam neu zu entdecken und sie damit für die Lichtenfelserinnen zu einer ökumenischen Integrationsfigur zu machen statt zu einer Barriere zwischen den Konfessionen.
Die Arbeit für den Weltgebetstag der Frauen war ihr eine echte Herzensangelegenheit. Als viel gereiste Frau wusste sie mit großer Begeisterung den Teilnehmerinnen jedes Jahr das jeweilige Weltgebetstagsland nahe zu bringen. Die neuen Formen einer typisch weiblichen Spiritualität, die mit dieser Arbeit einhergehen, waren für sie eine Herausforderung, der sie sich stets wieder stellte. Das was ihr Herz erfüllte, das was ihr gut tat, mit anderen Frauen zu teilen, das war es, was Eugenie Stelzners Leben ausfüllte, was sie glücklich machte.

Im Einsatz für die Mitmenschen

Frauenpolitisch mischte sie seit 26 Jahren bei den Lichtenfelser Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag ("Lichtenfelser Frauengruppen") aktiv mit und machte dadurch deutlich, dass ein katholischer Frauenverband sich auch (frauen-) politisch einzubringen hat.
Im ehemaligen Seniorenheim an der Nordgauerstraße hat Eugenie Stelzner viele Jahre ehrenamtlich gewirkt. Ein Erzählcafé, mentales Training und religiöse Themen waren ihr ein großes Anliegen. Geistig fit sein bis ins hohe Alter, das war ihr erklärtes Ziel, und so hat sie bis vor wenigen Wochen eine Frauengruppe mit immer neuen Impulsen zum Gedächtnistraining motiviert, denn mehr Lebensqualität im Alter war ihr sehr wichtig, für sich selber und für ihre "Mitfrauen".
Eugenie Stelzner war eine begnadete Lehrerin und als solche wird sie sicherlich vielen Frauen und Männern aus der Region in Erinnerung bleiben. 1986 wurde sie aus dem Schuldienst in den Ruhestand entlassen. "Du hast eine so große Ernte in die Scheuer Deines Berufserfolges eingefahren, dass Dir das Ausruhen auf den Lorbeerhaufen wichtiger sein sollte als das Weiter latschen auf der beruflichen Heerstraße", sagte ihr der damalige Rektor der Herzog Otto Hauptschule, Erich A. Reinlein, zum Abschied.

Nie auf Lorbeeren ausgeruht

Diese Lorbeerhaufen interessierten Eugenie Stelzner weniger, und sich da rauf auszuruhen, kam ihr kaum in den Sinn. Sehr bald widmete sie sich neuen ehrenamtlichen Aufgaben, für die sie im Jahr 2000 die Ehrenamtsmedaille des Freistaates Bayern im Empfang nehmen durfte.
Zu Hause trauert die Familie um eine ganz besondere Mutter, Schwiegermutter und Oma, die wirklich das Herzstück der Familie war. In der Stadt trauern viele um eine Frau, die aus der Fülle ihrer Vitalität viel gegeben hat. Und die Lichtenfelser Frauen, die intensiv mit ihr zusammenarbeiteten, sind dankbar, dass sie sie in ihrer Mitte haben durften. Sie werden Eugenie Stelzner noch oft schmerzlich vermissen, jedoch immer im Bewusstsein, dass "jede Frau eine andere Frau braucht, die größer ist als sie, damit sie selber wachsen kann." ("Affidamento" der Mailänder Philosophinnen) So eine Frau hatten die Christinnen in Lichtenfels. mhh