Fassungslos stehen Fritz Stehl und Franz Schmittlein vor einem umgestürzten Hochsitz. Bereits im dritten Jahr in Folge sind Jagdstände der beiden Jagdpächter im Mainecker Forst mutwillig zerstört worden. Der Schaden für die Jäger ist enorm, noch größer ist jedoch ihre Sorge, dass einmal ein Kollege oder Spaziergänger durch solchen Vandalismus zu Schaden kommen könnten. Daher appellieren sie an die Vernunft der Jagdgegner, solche Zerstörungen zu unterlassen. Gleichzeitig bitten sie Bürger, die Augen offenzuhalten und Beobachtungen der Polizei zu melden.

Insgesamt drei Hochsitze sind zwischen 5. und 12. Oktober den Vandalen zum Opfer gefallen. Einer im Mainecker Genossenschaftsrevier der beiden Jagdpächter im Waldgebiet "Klingental", ein weiterer und eine massiv gebaute Jagdkanzel im Staatsforst in Richtung Baiersdorf. Auf rund 400 Euro hat die Polizei den Schaden geschätzt, bei der Fritz Stehl Anzeige erstattet hat.

Heimtückischer Anschlag

Voriges Jahr waren die Anschläge heimtückischer, weil die Leitern und Stützpfosten von mehren Hochsitzen und einer Jagdkanzel so durchgesägt wurden, dass der Schaden auf den ersten Blick nicht erkennbar war. "Das ist kein Spaß mehr. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn Kinder auf die angesägte Jagdkanzel gestiegen und sie mit ihnen umgestürzt wäre", ärgert sich Fritz Stehl. Als Jäger habe er sich inzwischen auf solche Anschläge "selbst ernannter Tierschützer und Jagdgegner" eingestellt, doch Wanderer und vor allem Kinder, die der Ausblick von einem Hochsitz reize, seien darauf nicht vorbereitet. Darum hat er damals bei der Polizei nicht nur Anzeige wegen Sachbeschädigung, sondern auch wegen versuchter Körperverletzung erstattet. Ein Ergebnis ergab die Untersuchung allerdings nicht, da das Waldstück relativ abgelegen sei.

Wegen der Lage der Tatorte und wegen der Wiederholungen seit drei Jahren sind Stehl und sein Weismainer Mitpächter Schmittlein sicher, dass es sich nicht um Jugendliche, die ihre Kräfte spielen lassen, sondern um Jagdgegner handeln müsse. Drohungen seien bisher nicht erhoben worden, doch die Taten sprächen für sich.

Aufgabe für die Allgemeinheit

Neben dem materiellen Schaden bedauern die Jäger den Arbeitsaufwand. So bauen sie ihre Hochsitze nicht nur selbst, sondern müssen sie wegen möglicher Schäden auch regelmäßig kontrollieren. "Das ist Zeit, die uns für die Jagd fehlt", bedauert Stehl. Die Landbevölkerung habe die Jäger immer geschätzt, weil sie dafür sorgten, dass der Wildbestand nicht überhand nehme und den Wald schädige. "Mit der Jagd übernehmen wir eine Aufgabe für die Allgemeinheit", betont Stehl.

Die Wälder seien ebenso wie die sie umgebenden Felder ein Teil der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft, in der das Wild keine natürlichen Feinde mehr habe und sich daher ungestört vermehre. Auch wenn vereinzelt wieder Luchse und andere Raubtiere im Frankenwald und der näheren Umgebung gesichtet würden, reichten diese wenigen Exemplare nicht aus, um die Zahlen von Rehen und Wildschweinen in einer für den Wald verträglichen Menge zu halten. Um Verbiss-Schäden an Bäumen und Feldern zu vermeiden, sei eine regelmäßige Bejagung erforderlich. So haben Stehl und Schmittlein für das rund 300 Hektar große Mainecker Jagdrevier die behördliche Auflage, alljährlich elf Rehe zu schießen.

Bei Wildschweinen, die sich zurzeit stark vermehren, gibt es keine Vorgaben. Um die Wildschäden auf den Feldern in Grenzen zu halten, schießen die Jäger möglichst viele der Jungtiere, doch oft sitzen sie nächtelang vergeblich auf dem Jagdstand, während sich die Sauen in den Maisfeldern verstecken. Die Rechnung präsentieren ihnen die Landwirte zum Jahresende. Meist sind es 300 bis 400 Euro, die sie zusätzlich zur Jagdpacht aufbringen müssen. red