Weihnachten - für viele Stress pur: Geschenke kaufen, dekorieren und an den Weihnachtsfeiertagen den ganzen Tag in der Küche stehen, damit die Familie was Gutes zu essen hat. Ist es nicht interessant, wie viel Zeit und Geld man für drei Tage aufwendet? Und wenn man dann einmal darüber nachdenkt, wie wenig Zeit man in seine eigene Beziehung investiert, dann kommt man wirklich ins Grübeln - denn ohne die Liebsten hätte Weihnachten keine Bedeutung. In Lichtenfels haben neun Frauen eine Initiative für die Ehe gegründet (Gründungsmitglieder siehe Foto sowie Carola Dreitz Claudia Kalkus, Ute Herold, Sabine Lorenz und Angela Klein). Im Hintergrund werden die Frauen von ihren Ehemännern unterstützt. Die Lichtenfelserin Sabine Rübensaal erklärt das Konzept.

Wie ist die Initiative zur Stärkung der Ehe entstanden?
Sabine Rübensaal: "Bereits seit einigen Jahren verfolgen wir die Aktionen der deutschlandweiten "Marriage Week" (Infos unter www.marriageweek.de). Leider gab es bisher in Lichtenfels noch nicht all zu viele Veranstaltungen, in denen gezielt Ehepaare gewürdigt und ermutigt werden. Dieses Ziel verfolgen wir nun mit der Planung einer Veranstaltung um den Valentinstag 2016. Vielleicht mit Andreas Hügerich als Gastgeber."

Welche Idee steckt dahinter?
"Ehen, aus denen Familien entstehen können, sind die Säulen unserer Gesellschaft: Dieser Leitgedanke, der ja unlängst auch von Papst Franziskus auf seiner Afrikareise betont wurde, lässt erahnen, um was es uns geht: Mindestens einmal im Jahr möchten wir gezielt das Augenmerk auf die Ehen in unserer Stadt lenken - hier wächst die Zukunft unserer Gesellschaft heran."

Seit einigen Monaten finden Treffen statt - worum geht es da?
"Ein bunt gemischter Haufen von Frauen, denen die Stabilisierung von Ehe und Familie am Herzen liegt, trifft sich einmal im Monat, um gemeinsam Ideen zu sammeln und um die "Flamme der Begeisterung" weiter zu schüren. Jede bringt ihre persönlichen positiven, aber auch negativen Erfahrungen zum Thema Ehe mit ein. Wir sind alle nicht perfekt, jedoch gemeinsam unterwegs."

Was soll die Initiative bewirken?"
"Die Initiative soll eine neue Sensibilität schaffen, für das, was oftmals so selbstverständlich ist und dessen Wert dadurch leider immer mehr verloren geht: Es ist nicht leicht, in unserer schnelllebigen Gesellschaft ein Versprechen, "bis dass der Tod uns scheidet" abzugeben; den Mut zu haben, nicht nur das Vorrecht, sondern auch die Pflichten einer Beziehung einzugehen."

Wie sieht die Stärkung von Ehe und Familie konkret aus?
"Als Nahziel gilt es, zunächst eine Art Empfang mit Frischvermählten und Ehe-Jubilaren zu veranstalten. Mittelfristig erhoffen wir uns, dass wir während der alljährlich stattfindenden "Marriage Week" vermehrt Partner, wie zum Beispiel Lokale, Tanzschulen, Kino, Referenten ins Boot holen können. So wollen wir dann etwa Candle-Light-Dinner mit kleinem Rahmenprogramm, Frühstück für Zwei, Auffrischungstanzkurse, Film- und Vortragsabende zu Vorzugspreisen für Ehepaare anbieten. "

Wie schätzen Sie in der heutigen Zeit die Stellung der Ehe ein?
"Ich persönlich sehe Ehe keineswegs als Auslaufmodell. Doch jede Generation birgt ihre Chancen und Risiken. Den zahlreichen Chancen unserer modernen Zivilisation, sich beispielsweise als Mann und Frau lebenslang weiter entwickeln, weiter verwirklichen zu können, steht das Risiko entgegen, dadurch unter anderem gemeinsame Ziele aus den Augen zu verlieren."

Wie kann man dem entgegenwirken?
"Ich glaube, es gehören gute Gewohnheiten von Anfang an dazu; das vergleiche ich gerne mit der Zahnpflege: zweimal täglich putzen, zweimal jährlich zum Zahnarzt - das ist es, was ich persönlich für mein Gebiss tun kann. Nicht mehr und auch nicht weniger. Wurzelbehandlungen kommen dennoch vor, und auch Scheidungen wird es immer geben, und niemand ist vor beidem gefeit. Doch wie wir die Widerstandskraft des Zahnes stärken können, so gilt es auch in die Beziehungen in guten Zeiten zu investieren und dann an schweren Tagen ein tragbares "Ehe-Wir" zu erhalten."


Standpunkt


von Lisa Kieslinger

Eine Portion Mut gehört zur Ehe
In einer schnelllebigen Gesellschaft, wie der heutigen, ist es oft schwer, dass Paare ihre gemeinsamen Ziele im Auge behalten. Das geschieht jedoch meist nicht aus Gleichgültigkeit. Durch Schule, Beruf und Studium ist es kaum möglich, lange an einem Ort zu bleiben. Ein Job fürs Leben, das ist wie ein Sechser im Lotto. Junge Paaren können da nur gewisse Lebensabschnitte miteinander planen. Wer weiß denn schon, wo er in zwei Jahren sein wird? Eine Ungewissheit, mit der es schwer ist, sich auf das Abenteuer Ehe und Kinder einzulassen.