Von einem Einkaufswagen zerquetscht oder mit der eigenen Leibspeise vergiftet - Sigi Hirsch wird nicht müde, die Protagonisten seiner Romane auf skurrile Weise ins Gras beißen zu lassen. Am Samstagabend stellte er in der Alten Darre im Rahmen des Programmes der Kulturinitiative (KIS) den letzten Teil seiner Nonsens-Trilogie rund um den verwitweten Kommissar Hans Wickelkraut vor.
Im "Nudelmord" muss der griesgrämige Kriminalist mit dem charakteristischen Knick im Nasenbein und der Vorliebe für einen gehörigen Schuss Strohrum im Kaffee den vermeintlichen Mord am Nudelfabrikant Fusirelli aufklären. Unter einem Berg von Nudeln und in einem Sarg aus Hartweizengrieß begraben zu werden, das war Fusirellis letzter Wunsch - doch der Tote im Grab ist nicht der Nudelfabrikant.
Im gerichtsmedizinischen Institut hatte das richtige Kühlfach geklemmt, weshalb auf einen anderen Schockgefrosteten für die Beerdigung zurückgegriffen wurde.
Spirelli, bester Freund des Toten und Mitinhaber der Nudelfabrik, zweifelt außerdem an dem im Totenschein angegebenen Herzinfarkt. Zwei wertvolle Nudelrezepturen wurden nämlich zuvor aus dem Tresor entwendet, es kann sich also nur um Mord handeln. Während Kommissar Wickelkraut dieses morbide Ambiente zunächst noch zu lyrischen Glanzleistungen inspiriert, macht ihm die Trauer um seine verstorbene Ehefrau sowie das spurlose Verschwinden weiterer Leichen im Laufe der Geschichte zu schaffen.
"Ich wurde schon oft gefragt, wie ich auf den herrlichen, aber auch bekloppten Namen meines Protagonisten gekommen bin", erzählte Sigi Hirsch über die Figur Hans Wickelkraut, der seinen ersten Auftritt bereits im Gedichtband "Ich hab so Sehnsucht nach Gewalt" hatte.

Vielseitiger Lebenslauf

1945 in Bad Salzuflen geboren, veröffentlichte Siegfried-Hermann Hirsch in den 1960er Jahren die literarische Illustrierte "Total", arbeitete daneben als Leiter einer Werbeagentur, Verleger und Autorenmanager.
Ein besonderes Highlight bescherte ihm die Beschäftigung mit dem Traumpaar des 19. Jahrhunderts, Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha und der britischen Königin Victoria. Für die literarische Aufarbeitung ihrer Geschichte begab er sich auf die Spuren der Coburger Fürstenfamilie, die ihn unter anderem nach Spanien, Schweden und England führten. Mit dem daraus entstandenen Werk "Queen Victoria - Das private Album ihrer deutschen Erzieherin Baronin Lehzen" schaffte es Sigi Hirsch bis auf die Titelseite des Times-Magazins.
Seit 2002 lebt der Autor in Bamberg, wo er die Galerie "PoetryArt" betreibt und als Maler, Autor und Kabarettist tätig ist. Auch bei deutschlandweiten Poetry-Slams, literarischen Dichterwettstreiten, war der künstlerische Tausendsassa in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Bereits bei seiner KIS-Lesung 2013 hatte sich Sigi Hirsch auf die Vorstellung des "Nudelmordes" im Rahmen der Nürnberger Criminale gefreut. Eine Herzklappenoperation im Februar dieses Jahres verhinderte seinen Auftritt fast, doch die Veranstalter hatten ihn schon fest ins Programm eingeplant.
Häufig werde er nach dem Unterschied zwischen normalen und Nonsens-Krimis gefragt, sagt Sigi Hirsch. "Ich antworte dann immer: meine Geschichten nehmen das Krimigenre nicht so ernst - und ich mich selbst auch nicht."