Unbegleitete, minderjährige Asylbewerber werden ab Sommer eine neue Heimat in Burgkunstadt finden. Im ehemaligen Gasthaus Schönberg entsteht in den nächsten Monaten eine Jugendhilfeeinrichtung für 15 männliche Flüchtlinge. Angemietet und betrieben wird das Anwesen von der Rummelsberger Diakonie. In einer Presserunde im Burgkunstadter Rathaus am Dienstag informierte Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) zusammen mit Vertretern des Landratsamts und des Jugendamts sowie der Rummelsberger Diakonie über die Rahmenbedingungen der Unterkunft.

Seit Sommer 2014 werden im Landkreis neben erwachsenen Asylbewerbern auch unbegleitete Jugendliche aufgenommen. Kristin Greifzu, die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, erklärte die Problematik: "Die minderjährigen Flüchtlinge müssen in speziellen Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht werden, die gewissen Standards entsprechen müssen." Die Suche nach geeigneten Gebäuden gestaltete sich deshalb nicht einfach, so Greifzu. In den letzten Wochen konnten bereits elf Jugendliche im Altenheim der Maiacher Stiftung in Lichtenfels untergebracht werden. Die Unterkunft war aber von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht.
Die neue Jugendhilfeeinrichtung am Schönberg 9 inBurgkunstadt soll dagegen längerfristig bestehen bleiben. "Das Gebäude eignet sich von der Größe und den Räumen sehr gut", sagte Achim Liesaus, der Leiter des Jugendamts Lichtenfels. Die Asylbewerber, die derzeit in Lichtenfels wohnen, hätten sich das Gebäude schon angesehen und freuen sich auf eine neue Perspektive in Burgkunstadt. Die elf jungen Männer stammen aus den ostafrikanischen Ländern Somalia, Eritrea und Äthiopien. Zudem werden der Einrichtung vier weitere minderjährige Asylbewerber von anderen Jugendämtern zugewiesen.

Betreuung rund um die Uhr

Der Großteil der jungen Asylbewerber in Bayern wird zunächst den Jugendämtern München, Rosenheim und Passau zugeteilt. "Die Jugendämter dort sind teilweise etwas überfordert, da in Bayern 2014 mit 3500 aufgenommenen minderjährigen Flüchtlingen die anfängliche Prognose von 1500 weit überschritten wurde", sagte Liesaus. Nach einem festgelegten Asylverteilungsschlüssel müsse Oberfranken davon 8,9 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen.

Die neue Unterkunft in Burgkunstadt wird vom freien Träger Rummelsberger Diakonie betrieben - das Jugendamt finanziert darüber hinaus mit. Die Rummelsberger Diakonie verantwortet unter anderem bereits in Fassoldshof, Kulmbach und Mainleus Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. "Das ist ein Arbeitsfeld, auf dem wir die letzten Jahre viel Know-How erworben haben", sagte Regionalleiter Fritz Glock. Sieben bis neun Mitarbeiter seien für die Betreuung der Jugendlichen eingeplant. "Mindestens ein Mitarbeiter wird rund um die Uhr verfügbar sein, und gerade an schulfreien Tagen wird die Betreuung intensiviert", so Glock. Aktuell lernen die jungen Asylbewerber bereits die deutsche Sprache und werden in Kürze Mittel- und Berufsschulen besuchen. Auch in Sportvereine sollen die Jugendlichen eingebunden werden, denn vor allem Fußball hat es vielen angetan. Vermehrte Ruhestörungen für die anliegende Nachbarschaft sieht Glock nicht: "Gerade Alkohol ist bei den Jugendlichen, bedingt durch die Herkunft, nahezu gar kein Thema." Auch Michael Wagner von der Stadtverwaltung wirbt dafür, mögliche Vorurteile auszuräumen: "Wir wollen nicht, dass vermittelt wird, dass die Asylbewerber nicht willkommen sind."