Wo stehen wir in zehn Jahren? Natürlich weiß das niemand ganz genau vorherzusagen. Eine Prognose immerhin sei erlaubt. Am Beispiel der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz kann diese Prognose auf dem Fundament der knapp 30-jährigen Geschichte basieren: 1983 wurde das Bildungszentrum eröffnet. Einer, der beim Aufbau unmittelbar dabei war, ist Otto Wiesheu. Er war 1984 bis 1990 Geschäftsführer der Hanns-Seidel-Stiftung.
"In den 80er Jahren war es unser Ziel, in Banz nicht ein Bildungszentrum zu schaffen, das für sich allein da steht", sagt der 68-Jährige rückblickend, "sondern ein Haus, das deutschlandweit offen ist für alle, so dass alle Verbände und Organisationen hier her kommen können". Otto Wiesheu: "Banz sollte nicht als Monolith dastehen."

Attraktives Klostermuseum


Für die Region am Obermain lagen die Vorteile damals, liegen sie heute noch immer auf der Hand: Die Petrefaktensammlung (jetzt: Klostermuseum) wurde für die Touristen aus der Großregion wieder geöffnet und eine leistungsfähige Gastronomie ist eingerichtet.
Zudem, fährt Otto Wiesheu fort, wagte man ein gewisses Experiment, indem man die Kutschenhalle zu einem Tagungssaal umbaute. Vereinen und Verbänden aus der Umgebung, die keine eigene Unterkunft haben, wollte man damit die Möglichkeit für stilvolle Tagungen geben. Banz sollte auf keinen Fall ein Fremdkörper werden.

Fest mit der Region verschmolzen


Michael Möslein, seit 1983 Verwaltungsleiter des Bildungszentrums der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz, ergänzt: "Wir sehen uns nicht nur als Eigentümer, sondern als Treuhänder, denn wir wollen das kulturelle Juwel erhalten." Otto Wiesheu ergänzt, es sei der Stiftung stets wichtig gewesen, die Außenwirkung so zu gestalten, dass Kloster Banz nicht nur als parteinahe Einrichtung gesehen wird. Die Stiftung lege Wert darauf, dass die Bürger der Region von "unserem Banz" sprechen, das sie achten und lieben.
Dazu beigetragen habe sicher auch die Einrichtung der Reihe "Kammermusik auf Banz", die für die Musikfreunde der Region seit Jahrzehnten ein stehender Begriff und ein Qualitätssiegel ist.
Um das zu ermöglichen, hat Otto Wiesheu sich in seiner Zeit als Geschäftsführer unter anderem dafür eingesetzt, dass für den Banzer Kaisersaal ein Flügel angeschafft wird. Eine Entscheidung, die noch immer in die Zukunft hinein wirkt.

Begegnungsstätte Banz


Die Geschichte von Banz als Stätte der Kultur reiche bis ins 8. Jahrhundert zurück, und die Benediktiner machten das Kloster zu einer Begegnungsstätte von europäischem Rang, fährt Otto Wiesheu fort. Heute sei Banz wieder eine Begegnungsstätte, und außerdem ein wirtschaftlicher Partner für die Firmen der Region. Das solle und werde in Zukunft so bleiben. Und Michael Möslein, der heute 51 Jahre alt sei, werde sicher noch 15 Jahre als Garant dafür stehen, fügt Wiesheu an.
Mit Blick auf 2022 merkt er an, dass es sicher eine Aufgabenstellung für die Stiftung sei, neue Themen zu finden: "Fremdveranstaltungen werden eine wichtigere Rolle spielen."
Michael Möslein ergänzt, dass Expertentagungen wie zum Beispiel die "Solartage" mit 1400 Teilnehmern in einer Woche jetzt schon eine Strahlkraft besäßen, die über die Region hinaus reiche. Neue Technologien, neue Energien sollen im Zentrum stehen, "von Banz sollen Signale ausgehen".

Banz entwickelt sich stets weiter


Zusammenfassend könne man sagen, dass in den vergangenen Jahrzehnten in Banz die Themenfelder Bildung, Information und Neuentwicklung besetzt wurden. "Banz wird künftig noch mehr zu einem Zentrum der geistigen Auseinandersetzung", prognostiziert Otto Wiesheu.