Es plätschert in den Becken des Freibads "Kunomare". Unablässig fallen Regentropfen aus den schwarzen Wolken über dem Schwimmbad. Alexander Ring legt den Hochdruckreiniger zur Seite, und fängt an, über das Hundswetter zu fluchen: "Mann, oh Mann, ist das eine Katastrophe." Er bittet in sein Büro, das an diesem kühlen und verregneten Maitag zu einer warmen Stube geworden ist, in der die Heizung läuft.

Eigentlich sollten sich die Pforten des Bades bereits am 9. Mai öffnen, doch der Wonnemonat, der heuer seinem Namen keine Ehre machte, hatte der Stadt Burgkunstadt einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Erst wenn wieder beständiges Wetter herrscht, beginnen wir mit dem Badebetrieb", sagt Ring. Zwölf Grad zeigt das Außenthermometer, und im Becken ist es nicht viel wärmer: Mit 16 Grad beziffert der Bademeister die Wassertemperatur. "Die Sonne, die derzeit auf Sparflamme scheint, sorgt dafür, dass die Solaranlage, mit der die Becken beheizt werden, keine Wärme erzeugt."

Mainleus, Redwitz und Kronach - in der Nachbarschaft haben die Freibäder trotz des schlechten Wetters geöffnet. Das weiß auch Ring, der aus beruflichem Interesse heraus in seiner Freizeit gerne andere Freibäder besucht. "Ich möchte sehen, wie es dort so zugeht", sagt der begeisterte Schwimmer, der in Kronach wohnt. Dort geht er in der Schwimmabteilung der Turnerschaft seinem Hobby nach. Im Kronacher Freibad "Crana Mare" und in anderen Bade-Anlagen hat er in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Erfahrung gemacht: "Überall herrscht tote Hose." Für ihn stellt sich die Frage: "Warum soll man wegen ein paar Handvoll Gästen das Freibad öffnen?" Die Antwort: "Das rentiert sich nicht!" So habe es auch die Stadt gesehen, erzählt er.

Wartezeit sinnvoll genutzt

Däumchen gedreht haben er und seine Kollegin Jana Henke, die ebenfalls als Fachangestellte für Bäderbetriebe (wie der Beruf korrekt heißt) im "Kunomare" arbeitet, nicht. Ganz im Gegenteil: Sie haben die Zeit sinnvoll für Reparaturen, Garten- und Reinigungsarbeiten genutzt. "Die Mülleimer wurden gelb gestrichen, die Mess-Wasserpumpe ausgewechselt und das Dach des Kiosks gereinigt", zählt er auf. Stolz zeigt er bei einem Rundgang über das Freibadgelände mit seinen drei Swimmingpools (Kinderbecken, Erlebnisbecken mit Rutsche und Schwimmerbecken) die Neuanschaffungen: An einer Wand lehnt ein Trampolin für das Schwimmerbecken. Beim Kinderbecken holt er aus einem Abstellraum ein Schwimmgerät für die Kleinen hervor.

Anschließend wird der Gartenbach inspiziert, der - unterirdische verrohrt - im Erdreich unter dem Freibadgelände fließt. Ring wirft einen fachmännischen Blick auf die Ablaufrohre. "Sie werden zweimal täglich, morgens und abends, von Ästen, Schlamm und anderem Unrat befreit."

Im Personalraum nimmt er ein Bild aus dem Jahr 2002 von der Wand. Starkregen hatten damals das kleine Bächlein in einen reißenden Strom verwandelt. Die Rohre konnten das schlammige Wasser nicht mehr aufnehmen. Die Folge: Eine braune Brühe ergoss sich über das gesamte Bad.

Heuer hatten er und Jana Henke mit Eis und Schnee zu kämpfen. Für die Bademeister beginnt die Freibadsaison bereits im März mit Vorbereitungsarbeiten, und da lag Deutschland noch unter einer dicken Schneedecke. "Als wir die Schwimmbecken im April reinigten, hatte es in den Morgenstunden Minusgrade", erzählt Ring. Im Burgkunstadter Freibad wird das Wasser den Winter über nicht abgelassen. Die Folge: Eine Eisschicht überzieht in der kalten Jahreszeit alljährlich die Becken.

"Wenn es an Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet", besagt eine alte Bauernregel für den 27. Juni. Ring hofft, dass sie nicht zutrifft und die Wetterkapriolen endlich ein Ende haben. "Ich kann es kaum erwarten, die Gäste zu begrüßen. Wenn sie mit dem Bad zufrieden sind, dann fühle ich mich in meiner Arbeit bestätigt."