"Haubi, komm her, hopp, schnell vor das Gartenhaus. Wir haben einen Foto-Termin!" Das folgsame Federvieh hört aufs Wort - und schwupps sitzt Huhn Haubi auf dem Schoss seines Frauchens. Petra Neumann aus Altenkunstadt stilisiert sich nicht als "Mutter Teresa der Tierschützer", doch wenn sie voller Inbrunst über die eigenen und die fremden Tiere zu sprechen anfängt, dann merkt man sofort: Hier sitzt einem wirklich jemand mit einem Herz für Tiere gegenüber.

Ein Garten wie ein Zoo

Ihr idyllisches, 1000 Quadratmeter großes Anwesen gleicht einem kleinen Zoo: Hasen hoppeln durch den Garten, Fische schwimmen im Teich, Katzen schleichen umher, Kanarienvögel und Nymphensittiche zwitschern und trällern.
"Aber auch Wildtiere fühlen sich hier wohl", sagt die Altenkunstadterin und zählt auf: "Wir haben Molche, Blindschleichen und Eidechsen bei uns im Teich und auf den Wiesen, in den Bäumen kann man oft einen Specht hören, und ein Eisvogel besucht immer wieder unseren kleinen Weiher." Wie zum Beweis kreist ein weiterer Bewohner der Lüfte über ihrem Garten. "Ein Fischreiher", erklärt Neumann, indem sie mit dem Zeigefinger nach oben deutet.

Immer wieder Angriffe auf Enten

Ein paar Straßen weiter: Enten schwimmen in einem Bach unweit der Raiffeisenbank. Ein friedlicher Anblick - doch die Idylle trügt. Tierquäler haben es in Altenkunstadt auf die Wasservögel abgesehen. Und Neumann weiß ein Lied davon zu singen. Vor dreizehn Jahren beobachtete sie vom elterlichen Frisörladen aus, in dem sie damals arbeitete, wie eine Frau mittleren Alters mit Angelschnur und Haken eine Ente aus dem Bach fangen wollte. Als sie sie darauf ansprach, bekam sie zu hören: "Ja ist denn das verboten? Enten gehören der Allgemeinheit!" Ein Vorfall, der auch 13 Jahre später Kopfschütteln bei der Tierfreundin auslöst. "Damals wäre mir fast der Kragen geplatzt", erinnert sie sich, "das ist schließlich versuchte Wilderei."

Ente absichtlich überfahren

Im Gedächtnis haften geblieben ist ihr auch folgender Zwischenfall: Ein Auto sei die Gerbergasse am Frisörsalon vorbei gefahren. Plötzlich habe der Fahrer ausgeschert und eine Ente auf dem Kundenparkplatz erfasst. "Ich bin total erschrocken und hab nur noch Federn fliegen sehen. Die Ente hatte sich immer an ihrem Spiegelbild auf dem Kellerfenster des Geschäftes erfreut", erzählt Neumann.Und noch von einem weitern Vorfall weiß sie zu berichten, bei dem eine Ente vor einem Laden in der Langheimer Straße absichtlich von einem Verkehrsrowdy überfahren worden war. "Eine Bekannte von mir hatte das Ganze aus nächster Nähe beobachtet."

Bei der Bürgerversammlung vor ein paar Wochen im katholischen Pfarrjugendheim hat die Altenkunstadterin diese Fälle publik gemacht. Das Schicksal der Tiere liegt ihr am Herzen. Deshalb konnte sie nicht anders, als das heikle Thema anzusprechen. "Tiere sind faszinierende, intelligente und nützliche Wesen", sagt sie, und schwärmt von den Brieftauben, deren Orientierungssinn dem der Menschen weit überlegen sei, und von den Bienen, denen wir immerhin die Bestäubung der Pflanzen zu verdanken haben. Für Petra Neumann steht fest: "Tiere und Pflanzen können ohne uns überleben - wir aber nicht ohne sie."

Mit dem Stein, den sie bei der Bürgerversammlung ins Rollen gebracht hat, habe sie die Menschen auf das Schicksal der Enten aufmerksam machen wollen: "Ob Mensch oder Tier - man darf nicht wegschauen, wenn so etwas passiert." Hingeschaut hat die Altenkunstadterin auch, als sie ein paar Wochen vor der Bürgerversammlung beim Wasserspielplatz auf dem Schul- und Sportgelände in Röhrig gemeinsam mit ihrem elfjährigen Sohn Adrian eine junge Ente mit Angelhaken im Schnabelwinkel entdeckte. Mit Zange und Desinfektionsmittel habe sie den Fremdkörper entfernt, erzählt sie.

"Wer macht so etwas?"

Bereits im Frühjahr hatte ihr Lebensgefährte Georg Bornschlegel in ihrem Garten einen angeschossenen Erpel aufgefunden. Wer macht so etwas? Steckt jugendlicher Überschwang dahinter oder ein erwachsener Tierquäler, der seine Gewaltphantasien ausleben möchte? Neumann zuckt mit den Schultern: "Ich weiß es nicht." Inzwischen ist die Polizei aktiv geworden. "Nach der Bürgerversammlung rief mich der Leiter der Polizeiwache Altenkunstadt an, befragte mich zu beiden Vorfällen und nahm sie als Anzeige auf."

Wie kann den Tierquälern Einhalt geboten werden? Die Tierliebhaberin sieht bei dieser Frage auch die Bürger in der Verantwortung. Auf das Füttern der Tiere mit Brot sollte verzichtet werden. "Dadurch verlieren die Tiere ihre Scheu vor dem Menschen und werden so leichter zum Opfer von Tierhassern." Wenn überhaupt, sollte man den Enten nur natürliches Futter, wie zum Beispiel Getreide, geben. Und das auch nur im Winter bei strengem Frost und viel Schnee. Für den Fall, dass jemand einen Übeltäter auf frischer Tat ertappe, rät Neumann: "Erstatten Sie sofort Anzeige!" Auch die vorgesehene Videoüberwachung für das Schul- und Sportzentrum begrüßt die 49-jährige: "Das schreckt ab."