Wie viele einzelne Schienen dem Korb erst seine Funktion und sein hübsches Aussehen verleihen, lebt eine Sportveranstaltung von ihrer Resonanz. Während manche Skeptiker noch vor Tagen unkten, der sechste Flechtkulturlauf könnte buchstäblich ins Wasser fallen, blieben die Organisatoren des ausrichtenden ASC Burgberg optimistisch. Alle Helfer, die in der Vorbereitung mit anpackten, sahen sich nun in ihren Bemühungen bestätigt. Mit über 705 Läufern und Nordic-Walkern verzeichnete die Sportveranstaltung heuer sogar einen Teilnehmerrekord. Athleten aller Altersgruppen von der zehnjährigen Läuferin bis zum jung gebliebenen Senior ließen ihrer Bewegungsfreude freien Lauf.


Wehr in Oberwallenstadt überflutet

Vor zwei Jahren war es das Nadelöhr bei der Bahnunterführung, das den Organisatoren Kopfzerbrechen bereitet hatte, heuer konnte vor allem aufgrund der Regengüsse der vergangenen Tage und Wochen von Routine nicht im geringsten die Rede sein. "Wir kriegen das schon gebacken", gab sich Jürgen Steinmetz, der Hauptorganisator des ASC Burgberg, im Vorfeld zuversichtlich - und er sollte Recht behalten. Das Oberwallenstadter Wehr war zwar überschwemmt, doch durch die Alternativlösung über die Schneyer Eisenbahnbrücke konnte der sechste Flechtkulturlauf wie geplant stattfinden.
Wie immer standen eine gut fünf Kilometer lange Distanz (der Theramed-Lauf, 159 Teilnehmer), der rund doppelt so lange Smia-Lauf (241 Teilnehmer) sowie als Langdistanz der Hofmann-Korbstadt-Halbmarathon auf dem Programm.


Mayerhofer verteidigt seinen Titel

Im Vorjahr war der für die DJK Dasswang startende Oberpfälzer Felix Mayerhofer bei seinem Debütsieg auf den Geschmack gekommen, nahm erneut teil - und triumphierte ein weiteres Mal im Halbmarathon in sehr guten 1:15:35 Std. Franz Elflein vom TSV Staffelstein konnte sich über den Silberrang freuen, gegen Mayerhofer, der am Ende fast vier Minuten Vorsprung hatte, war aber kein Kraut gewachsen. Übrigens stellte der Oberpfälzer am Tag zuvor beim Ebinger Seelauf als Schnellster über drei Runden seine Topverfassung unter Beweis. Die 5,4 Kilometer in Ebing nutzte Mayerhofer sozusagen zum "Aufwärmen" für den Halbmarathon in der Korbstadt.
Elfleins Vereinskollegin Sandra Nossek wurde, nachdem sie im Vorjahr ganz oben auf dem Podest gestanden hatte, ebenfalls Zweite, kam in 1:36:21 Std. knapp 30 Sekunden hinter der Siegerin Tanja Dietrich ins Ziel.
Der für den TV 1848 Coburg startende Schwürbitzer Alexander Finsel, der vor einem Jahr auf der 5,2-Kilometer-Distanz gewann, startete diesmal über die zehn Kilometer - und zeigte der Konkurrenz die Hacken. Über drei Minuten nach Finsel kam der zweitplatzierte Nick Möller ins Ziel. Einen ungefährdeten Sieg konnte bei den Damen Bettina Lulei landen.


Liane Thiem siegt über 5,2 km

Mit den Athleten aus der Adam-Riese-Stadt muss man - nomen est omen - immer rechnen. So behielt auf der Kurzdistanz Jan Wagner vom TSV Staffelstein die Oberhand, mit rund eineinhalb Minuten Vorsprung sogar relativ deutlich. Liane Thiem, die für AF-Personal-Training an den Start ging, stand dem Erfolg ihres oben erwähnten Lebensgefährten Alexander Finsel in nichts nach, gewann über die 5,2 Kilometer recht souverän in 23:24 Min.
"Die Nummer 1 kommt", rief begeistert der Sprecher im Zielbereich. Diese Startnummer trug wie schon in den Vorjahren Landrat Christian Meißner, der nicht nur erneut die Schirmherrschaft übernommen hatte, sondern als Teilnehmer über die Zehn-Kilometer-Strecke wieder mit bestem Beispiel voranging. Und in den Venen eines Andreas Hügerich - daran ändert auch die Tatsache, dass er mittlerweile Lichtenfelser Bürgermeister ist, nichts - fließt bekanntermaßen ohnehin Läuferblut. Hügerich trat im Halbmarathon an und wurde wie im Jahr zuvor Vierter. Nur wenige Städte in Franken dürften einen so sportlichen Bürgermeister haben.


Fest der Generationen

Der Flechtkulturlauf war wieder ein Fest der Generationen. Bei den Nachwuchsläufern beeindruckte beispielsweise Bastian Nützel vom TSV Staffelstein, der über die Kurzdistanz in 24:59 Min. respektabler Achter wurde. Kräftiger Applaus im Zielbereich, wo wieder frenetisch die Samba-Gruppe "Paixao" aufspielte, wurde auch den älteren Athleten zuteil. Den Hut ziehen muss man vor der Leistung der Zehn-Kilometer-Läufer Hans-Joe Lanz (Jahrgang 1945) und Berthold Wolf (1942). Die beiden Laufurgesteine des TS Lichtenfels genossen ihr "Heimspiel".


In Feuerwehrmontur

Für ein großes "Hallo" im Zielbereich sorgte ferner der für die Feuerwehr Altenkunstadt gestartete Matthias Nastvogel. Der 32-jährige gebürtige Pfaffendorfer und Mitarbeiter der ständigen Feuerwache Bayreuth absolvierte die zehn Kilometer in voller Feuerwehrmontur. Er trug dabei auf dem Rücken das Atemschutzgerät, Helm und die schwere, weil feuerabweisende Kleidung. Eindrucksvoll demonstrierte er, wie groß im Feuerwehrwesen Fitness geschrieben wird. Nastvogel hatte im Übrigen erst kürzlich im Mai unter ebenso erschwerten Bedingungen an einem Spendenlauf von Feuerwehrleuten aus ganz Deutschland zugunsten der Deutschen Krebshilfe teilgenommen.


225 Nordic Walker am Start

Die Freude an der sportlichen Betätigung war auch den Nordic-Walkern ins Gesicht geschrieben. 225 Teilnehmer schwangen diesmal die Stöcke über 5,2 bzw. 10 Kilometer. Nicht unerwähnt bleiben sollte der älteste Teilnehmer, Gerhard Zachau (Jg. 1937).
Die Sieger der jeweiligen Läufe, die schnellsten Chefs, die sportlichste Firma, der sportlichste Verein und Schule durften sich wieder über Flechttrophäen der heimischen Designerin Barbara Crettaz freuen. Als diesjährige Neuerung wurde zudem allen Läufern und Nordic-Walkern im Zielbereich eine Erinnerungsmedaille in Bronze (5,2 Kilometer), Silber (10 Kilometer) oder Gold (Halbmarathon) überreicht.