Eine Kellermannschaft reist zum Tabellenführer und stürzt ihn mit einem sensationellen Sieg vom Thron. Das ist ein Stoff, aus dem die Sportmärchen sind. Das Auswärtsspiel der ersten Mannschaft des Schachvereins Seubelsdorf beim Spitzenreiter FC Nordhalben verlief jedoch aus Sicht der Gäste trotz der reizend mit Reif verzierten Naturkulisse nicht gerade märchenhaft.


Bezirksoberliga

FC Nordhalben -
SV Seubelsdorf 5:3

Der Auftakt war durchaus vielversprechend. Christian Gebhardt opferte an Brett 3 zwei Bauern für Initiative. Als diese zu versanden drohte, ließ sich noch ein Unentschieden herbeiführen. Kurz darauf brachte Ivan Adamovic die Seubelsdorfer am Spitzenbrett mit einer spektakulären Kurzpartie sogar in Führung: Er konnte sich beträchtlichen Entwicklungsvorsprung sowie mächtige Vorposten für seine Figuren sichern. Dies ermöglichte eine Serie von Opfern, die den Spielpartner angesichts der düsteren Alternative von Matt oder Damenverlust zur Aufgabe bewegten.
Um Angriff bemühte sich Mannschaftskapitän Kilian Mager an Brett 6. Der Bauernkeil, den er auf die gegnerische Königsstellung zutrieb, erstarrte jedoch zu einer Mauer, hinter der seine Figuren wenig ausrichteten und ihrerseits zu Zielscheiben wurden, was letztlich die Partie kostete.
An Brett 8 positionierte sich Elvira Werner eindrucksvoll im Zentrum, übersah jedoch eine fatale Fesselung und musste trotz tapferer Gegenwehr kapitulieren. Ihr Sohn Sebastian stürzte sich ein Brett weiter vorne mit allem, was er hatte, auf den gegnerischen König. Seine Attacke wurde jedoch verlustreich zurückgeschlagen, so dass diese Partie an Nordhalben ging.
Marko Hofmann versuchte an Brett 4 daraufhin, das Blatt zu wenden. Um mit den schwarzen Steinen in die Offensive zu gehen, machte er große positionelle Zugeständnisse. Als die Kompensation dafür ausblieb, sollten Materialopfer wenigstens noch ein Dauerschach erzwingen. Ein übersehener Zwischenzug verhinderte jedoch auch dies, so dass Nordhalben mit 4,5 Punkten die Begegnung bereits für sich entschieden hatte.
An Brett 3 hatte Matthias Bergmann gegnerisches Druckspiel stets ins Leere laufen lassen und dadurch eine Punkteteilung erreicht. Uwe Voigt erspielte sich an Brett 5 durch eine Zangenbewegung auf beiden Flügeln eine gewonnene Position, verkehrte sie jedoch ins Gegenteil. Mühsam kämpfte sich Voigt trotz horrender Zeitnot ins Spiel zurück, was den Gegenspieler so verblüffte, dass er just in dem Augenblick aufgab, als eine theoretische Remisstellung erreicht worden war.
Nach dieser Niederlage überwintert der SVS auf einem Tabellenplatz, von dem es in der laufenden Saison nicht weiter abwärts gehen kann. Am Freitag, 9. Dezember, findet um 19 Uhr im Lichtenfelser Myconius-Haus eine Besprechung dieser Begegnung statt, zu der alle eingeladen sind.