So verrückt wie die Saison der Bezirksoberliga verlief, so kurios und dramatisch ging sie zu Ende: Die zweite Mannschaft der SG Michelau/Seubelsdorf ist nach einem klaren 6:2-Sieg im Finale oberfränkischer Meister. Allerdings lässt der Bayerische Schach-Bund (BSB) keine Spielgemeinschaften zu. Daher ist Vizemeister Nordhalben der erste Anwärter auf den Sprung in die Regionalliga Nord-West. Doch noch am Sonntagabend erklärten die Frankenwälder den Verzicht auf den Aufstieg. Das wiederum eröffnet dem SK Weidhausen die Chance, in die fünfthöchste Liga aufzusteigen. Die Weidhausener hatten nur einen halben Brettpunkt mehr als die punktgleichen Kirchenlamitzer. Auch Michelau/Seubelsdorf I (5,5:2,5-Sieg über Helmbrechts) auf Platz 5 hat noch 11:7 Punkte. Im Abstiegskampf rettete sich Waldsassen durch einen knappen Sieg über Aufsteiger Weidhausen.
Thiersheim half ein kampfloser Erfolg gegen Bindlach III nicht mehr, außerdem müssen Bamberg II und Helmbrechts in die Bezirksligen. Es gibt drei Absteiger, weil aus der Regionalliga mit dem TSV Kirchenlaibach und dem SC Höchstadt zwei Teams in die Oberfrankenliga kommen.


SG Michelau/Seubelsdorf II - SC Bamberg III 6:2

Das aus Seubelsdorfer Spielern bestehende Team hat wie ein guter Marathonläufer diesen Erfolg mit langem Atem erreicht und sich dabei auch durch teils unnötige Auftaktniederlagen nicht entmutigen lassen. Nachdem sie schon in den letzten Runden mit in Führung lagen, waren die von Mannschaftskapitän Kilian Mager wieder einmal bestens informierten und motivierten, in Bestbesetzung angetretenen Spieler dazu entschlossen, ihr Bestes zu bieten, um die Bemühungen zu krönen, die sie in insgesamt neun Runden seit September vergangenen Jahres auf sich genommen hatten.
Gleich zu Beginn gab es ein unverhofftes Geschenk: Da die Gäste nur zu siebt antraten, gewann Kilian Mager an Brett 8 kampflos. Dass die Bamberger nicht zu unterschätzen waren, zeigte sich allerdings am anderen Ende des Feldes: Der Seubelsdorfer Spitzenspieler Michal Michalek sah sich zu einer Schwächung seiner Königsstellung gezwungen und war am Ende froh über ein Remis.
Harald Schulz eroberte einen gegnerischen Bauern, musste aber einen starken Freibauern abgeben, was ebenfalls zur Punkteteilung führte.
Matthias Bergmann erhöhte die Führung: Mit einem Gambit konfrontiert, gelang es ihm, das Material zu behalten und zugleich seine Figuren zu aktivieren. Dies provozierte einen Gegenangriff mit Schwerfiguren, bei dem Bergmann durch eine kleine Kombination einen Turm und damit auch die Partie gewann.
Unterdessen verlor Christian Gebhardt, da er selbst die gegnerischen Figuren immer tiefer in sein eigenes Lager lockte und schließlich angesichts drohender Materialeinbußen in desolater Stellung kapitulierte. Diese Scharte wetzte Marko Hofmann wieder aus: Er gab zwei Bauern, um den feindlichen König in der Mitte festzuhalten und ihn dort mit seinen Figuren zu umzingeln. Als sein Gegner im Tumult auch noch einen Turm einbüßte, gab er sich geschlagen.
Uwe Voigt manövrierte mit einem flinken Zentralspringer schwache Felder deckende Truppen so lange aus, bis ihre Aufstellung wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach. Obwohl mit den damit erreichten fünf Punkte der Gesamtsieg bereits perfekt war, kämpfte Ivan Adamovic unverdrossen weiter, galt es doch, bei einem eventuellen Gleichstand der Mannschaftspunkte möglichst viele Brettpunkte vorzuweisen. Dem SGler brachte am Ende eine Phalanx aus Bauern und Figuren ins Rollen, schuf damit Mattdrohungen, die sich auch durch verzweifelte Gegenopfer nicht beseitigen ließen.
So gewann die SG-"Zweite" mit 6:2 Punkten und damit auch, wie sich später herausstellte, die Meisterschaft in der Bezirksoberliga - ein in der Vereinsgeschichte einmaliger Erfolg. Alle Mitglieder des Schachvereins Seubelsdorf sind eingeladen, dies am Freitag, 15. April, ab 19 Uhr im Vereinsheim zu feiern. uv


SG Michelau/Seubelsdorf I - SK Helmbrechts 5,5:2,5

Die SG-"Erste" begann mit zwei Paukenschlägen: Markus Häggberg eroberte gegen Erich Cziep eine Figur und brachte diese - mit einigen Mühen - zum Sieg nach Hause, und nur wenig später erhöhte Edgar Schaller zum 2:0 für die SG. In seiner Begegnung mit Thomas Richter ließ er sich in aller Ruhe auf ein Doppelturmendspiel ein, bei dem er die mobileren Bauern hatte und sich geschickt Einbruchsfelder für seine Königswanderung vorbehielt. Am Ende hatte er sich einen tödlichen Freibauern geschaffen.
Andreas Schüpferling sorgte in einer Kurzpartie gegen Stefan Heß für den dritten SG-Punkt. Aus einem taktischen Handgemenge ging er mit Materialvorteil heraus.
Gänzlich in den Sand setzte hingegen Bernd Stammberger seine Partie. Peter Zimpel und er hatten ein auf ein Remis hinauslaufendes Bauernendspiel auf dem Brett. Doch eine Fehlkalkulation bei seinen Königszügen entfernte diesen zu sehr von einem der Umwandlung entgegen stürmenden Freibauern. Doch dem zwischenzeitlichen Treffer der Helmbrechtser setzte Benjamin Zerr einen Punkt zum 4:1 entgegen. Nach dem Qualitätsgewinn gegen Martin Ulitschka, setzte Zerr auf seinen Damenflügel.
Ein grober Fehler unterlief dann aber Gert Grüner, der in der Eröffnung eine Zugreihenfolge durcheinanderbrachte und es versäumte, seinen König per Rochade in Sicherheit zu bringen. Darauf hin öffnete der Helmbrechtser Udo Tympel recht bald siegbringende Linien gegen den SG-Monarchen.
Ein wenig kurios ging es auch am Spitzenbrett zu. Zunächst lehnte Klaus Beier das Remisangebot von Volkmar Zickler in einem unübersichtlichen Endspiel ab, um wenig später selbst den Friedensschluss anzubieten. Der wurde akzeptiert, obwohl zu vermuten stand, dass Zickler einigen Vorteil hatte. Entnervt gab nun auch Michael Behnke gegen Alfons Schüpferling seine Partie auf. Zwar ohnehin mit einer Figur in Rückstand, leistete der Helmbrechtser dennoch Widerstand. "Der wollte jetzt einfach heim", kommentierte Alfons Schüpferling amüsiert. MH