Im Spitzenspiel der Schach-Bezirksoberliga stürzte die SG Michelau/Seubelsdorf I am Sonntag den Tabellenführer Kirchenlamitz und ist jetzt selbst Tabellenführer in der höchsten oberfränkischen Klasse. Punktgleich auf Rang 2 liegt Weidhausen. Die Meisterschaft für die Mannen um Klaus Beier ist also durchaus möglich - aber nicht der Aufstieg.
Dem schiebt der Bayerische Schachbund wohl einen Riegel vor, da er Spielgemeinschaften (SG) in der Regionalliga nicht zulässt. Und so ist der Zweitplatzierte, SK Weidhausen, Aufstiegskandidat Nr. 1.
Kurze Partien und langes Zittern gab es bei der in der gleichen Liga antretenden zweiten SG-Mannschaft, die den FC Nordhalben mit dem gleichen Resultat wie die "Erste" in die Schranken wies.


SG Michelau/Seubelsdorf - SF Kirchenlamitz 4,5:3,5

Ein Auf und Ab durchlebte das Team der SG.
Zwar gelang es Benjamin Zerr, sich einen Freibauern gegen Hartmut Weidmann zu schaffen, der gleichzeitig als Spieß für einen Figurengewinn fungierte. Doch nachdem der Michelauer Youngster im Verbund mit einem Fesselungsmotiv seine Streitmacht zu einem schnellen Sieg geführt hatte, musste Routinier Bernd Stammberger passen. In einem taktischen Handgemenge einer kurzen Partie zog er gegen Werner Hertrich auch darum den Kürzeren, weil er einen Bauern auf Kosten der Figurenentwicklung eroberte.
Auch danach kehrte keine Ruhe in die Begegnung ein. Grund hierfür war Klaus Beiers Königsflügelangriff gegen den nominell stärkeren Peter Seidel. Von Anfang an lag Dynamik in der Stellung, deren Schlussbild beinahe pittoresk wirkte; nur mit Springer und Turm und alle anderen Drohungen außer Acht lassend, drohte Seidels König erlegt zu werden.
Anhand des Partieformulars war die Begegnung von Edgar Schaller gegen den Kirchenlamitzer Detlev Heimerl nicht mehr nachvollziehbar. Aber verloren wurde sie in 37 Zügen, womit erneut Gleichstand herrschte.
Markus Häggberg sollte nicht dazu beitragen, eine abermalige Führung für die SG zu erzielen. Nie einen Bezug zur Partie bekommend, erreichte er dennoch in beiderseitiger Zeitnot ein Unentschieden gegen Wolfgang Gnichtel. Ab da sollten sich die Ereignisse überschlagen, denn Gert Grüner stand schlechter, Alfons Schüpferling gar kritisch. Nur Andreas Schüpferling hatte sich gegen Markus Rogler aus dem Mittelspiel heraus einen Mehrbauern erkämpft. Jetzt umlagerten Mannschaftskollegen die Bretter, an denen noch gespielt wurde. Grüner bewies im Endspiel mehr Gespür für die Möglichkeiten seiner Stellung. Mit Minusbauern gegen Christian Langheinrich vollführte er ein akkurates Bauernendspiel, das, wegen seines aktiven Königs, zum Remis reichte. Zu diesem Zeitpunkt sollte in einem Springer-/Läuferendspiel gegen Christoph Dütz Schüpferlings Pferd alle Einbruchsfelder decken und selbst Drohungen aufstellen. Bald sollte der SGler einen Bauern erobern und in ein gewonnenes Endspiel überleiten.
Jetzt, mit Mehrbauern und in unverlierbarer Stellung, bot Andreas Schüpferling Rogler ein Remis an, welches dieser akzeptierte. Damit stand der Sieg der SG fest. MH


SG Michelau/Seubelsd. II - FC Nordhalben I 4,5:3,5

Die zweite Mannschaft der SG setzte ihren Aufwärtstrend der jüngsten Zeit fort und kletterte mit dem Sieg über die erfahrenen Nordhalbener auf Rang 4.
Beide Teams stürzten sich mit vollem Einsatz in das Match. So kam es zu einer seltenen Serie von Spielen, die innerhalb von weniger als 25 Zügen endeten. Um den Gesamtsieg wurde aber bis zum Schluss gezittert.
Den Auftakt im Reigen der Kurzpartien machte Uwe Voigt, der gegen einen bedrohlich wirkenden Aufmarsch feindlicher Figuren am Damenflügel Druck im Zentrum aufbaute. Dadurch ließ sich das allzu kecke Expeditionskorps erst umzingeln und dann entscheidend dezimieren.
Nordhalben glich aber schnell aus. Mannschaftskapitän Kilian Mager gewann zwar früh einen Bauern, stellte aber bei dem Versuch, das dadurch aufkommende Gegenspiel zu unterbinden, eine Figur ein und kapitulierte bald.
Harald Schulze veranstaltete einen verwirrenden Leichtfigurenwirbel, der die gegnerische Dame in die Enge trieb und spielentscheidend einen vorgepreschten Springer beseitigte - 2:1.
Den Turm, den Matthias Bergmann eingebüßt hatte, konnte er mit einem Freibauernpaar nicht aufwiegen, sodass die Gäste erneut gleichzogen. Damit endete für Bergmann eine fast sechsjährige Serie ohne Niederlage.
Michal Michalek brachte zwar am Spitzenbrett die einzige offene Linie unter Kontrolle, musste aber einen Damenbesuch in seine Königsstellung dulden, der zu Dauerschach und dem Remis führte.
Remis endeten die Partien von Marko Hofmann und Ivan Adamovic. Hofmann hatte sich großen Raumvorteil verschafft, aber seine Versuche, in die gegnerische Stellung einzudringen, wurden jeweils pariert. Nach entgegengesetzten Rochaden führte Adamovic ein Damenendspiel herbei, in dem sein kleiner Materialnachteil nicht ins Gewicht fiel, sodass auch hier ein Remis zustande kam.
In der letzten Partie ging es daher um alles. Zum Helden wurde dabei Christian Gebhardt. Mit Schwarz führte er gegen einen passiven Aufbau so lange feine Florettstiche, bis er einen Bauern eroberte. In einem notorisch schwierigen Doppel-turmendspiel gelang es Gebhardt, diesen Vorteil kraft mühsamer Kleinarbeit zum 4,5:3,5-Sieg zu verwerten. uv