von unserem Mitarbeiter Dietfried Fösel

Tätlichkeiten und schwere Exzesse von Spielern, Trainern, Vereinsmitarbeitern und Zuschauern gegenüber den Unparteiischen haben nicht nur in Oberfranken, sondern bayernweit erheblich zugenommen. Kreisschiedsrichterobmann Günther Reitzner (Tuchenbach) zog eine erschreckende Bilanz, nachdem über die Hälfte der Punktspiele der Saison 2011/12 im Fußball-Spielkreis 1 (Bamberg/Bayreuth/Kulmbach) absolviert ist.
Reitzner belegte seinen "Zwischenbericht" mit Beispielen aus den heimischen Fußball-Teilkreisen. So wurde einem jungen Referee nach Spielende von einem Fußballer in die Beine getreten. Platzordner des Vereins waren nicht da. Der Schiedsrichter musste die Polizei selbst rufen.
Ein Unparteiischer wurde von einem Spieler gewürgt, weil er vorher zwei Feldverweise verhängt hatte. Nachdem ein älterer Referee geschlagen wurde und darauf zu Boden ging, wurde mit den Füßen auf ihn eingetreten. Einem weiteren Schiedsrichter wurde Pfeffer in die Unterhose gestreut. Die Polizei ermittelte.

Randale beim Hallenfußball


Bei einem Bamberger Hallenturnier wurde einem jungen Schiedsrichter nach einer Zeitstrafe von einem Trainer der Notizblock aus der Hand geschlagen, in einer anderen Halle randalierten Zuschauer derart, dass die Turnierleitung das Spiel abbrechen musste.
Reitzner berichtete auch von zwei Fällen außerhalb des Spielkreises 1. Demzufolge ist ein maskierter Mann nach dem Spiel in die Kabine des Schiedsrichters gekommen und hat diesen krankenhausreif geschlagen.
Ein anderer Referee wurde niedergeknüppelt und kam in die Intensivstation, wo von den Ärzten ein Blutgerinsel im Kopf festgestellt wurde. Der Verdacht, dass der Geschädigte erblindet, ist sehr groß.
Auf Grund der zunehmenden Gewalt auf vielen Sportplätzen ist vom Bayerischen Fußballverband (BFV) in Oberfranken ein "runder Tisch" mit den Verbands- und Vereinsfunktionären vorgesehen, um diesem Problem entgegenzusteuern.

Viele warfen das Handtuch


Letztlich haben nach den Auswüchsen viele Schiedsrichter in letzter Zeit ihre Tätigkeit beendet. Die Folgen sind personelle Engpässe in einigen Schiedsrichter-Vereinigungen.
Wie Reitzner in seinem Bericht betont, "wird der Referee von vielen Zuschauern als notwendiges Übel betrachtet. In Wahrheit ist er jedoch ein wertvoller und unverzichtbarer Teil des Spiels." Nicht meckern, sondern pfeifen, laute deshalb die Empfehlung.