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Saisonabsage bei Ringern steht im Raum

Der Bundesligist AC Lichtenfels kämpft derzeit darum, alle Hindernisse auf dem Weg zum Saisonstart aus dem Weg zu räumen. Doch die Widrigkeiten sind groß - zu groß?
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Volles Haus mit stimmungsvoller Kulisse, das wird es in der nächsten Zeit in der Lichtenfelser AC-Halle wohl kaum geben.  Foto: Gunther Czepera
Volles Haus mit stimmungsvoller Kulisse, das wird es in der nächsten Zeit in der Lichtenfelser AC-Halle wohl kaum geben. Foto: Gunther Czepera

Nach monatelanger Zwangspause durften die Ringer des AC Lichtenfels in der vergangenen Woche erstmals wieder mit Körperkontakt trainieren. Bei allen Kampfsportlern in Bayern war das Aufatmen förmlich zu hören. Nun fehlt nur noch der Wettkampf.

Wie genau es um die Mannschaftskämpfe im Ringen steht, ist aber noch unklar. Einige Landesverbände haben bereits angekündigt, ihre jeweiligen Runden in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Allen voran Nordrhein-Westfalen, dessen Verband sich schon im April festgelegt hat. Für die bayerischen Ligen und den Deutschen Ringer-Bund (DRB), der die Bundesliga organisiert, steht ein endgültiger Entschluss noch aus.

Der geplante Saisonstart rückt aber unaufhaltsam näher. Am 31. Juli werden in einer virtuellen Bundesligakonferenz mit Vertretern aller Vereine verschiedene Szenarien und Faktoren diskutiert und dann eine Entscheidung fallen.

"Wir haben drei Felder zu beackern, die Heimkämpfe, die Auswärtskämpfe und die Aktiven", fasst Britta Beier, Vorsitzende des AC Lichtenfels zusammen. Das vierte Feld, die Finanzierung, klammert sie für den AC Lichtenfels aus. "Zum Glück bleiben unsere Sponsoren alle dabei", berichtet sie, "wenngleich es in Krisenzeiten nicht möglich war, neue Sponsoren zu akquirieren, geschweige denn auch nur an Termine mit potenziellen Partnern zu kommen." In dieser Hinsicht könne sich der ACL glücklich schätzen. "Bei anderen Vereinen sieht es da ganz anders aus."

Problem Heimkämpfe

Was ihr allerdings schlaflose Nächte bereitet, ist die Organisation einer Saison. "Klar, Veranstaltungen, auch im größeren Rahmen, sollen wieder möglich sein", räumt sie ein, dennoch drohen diese an den Auflagen zu scheitern. "In der kleinen AC-Halle wären ungefähr 80 Personen zugelassen", sagt Daniel Luptowicz, Mannschaftsführer des ACL. "Mit zwei Heimmannschaften, den Gästen, Betreuern, Ordnern und Personal wäre die Halle dann voll." Da der Verein aber auf die Einnahmen aus Heimkämpfen nicht verzichten kann, denkt man darüber nach, in eine größere Halle zu wechseln. In Lichtenfels wären die Stadthalle und die Dreifachsporthalle an der Friedenslinde Optionen, die zurzeit ausgelotet werden. Auflagen wie ein stündlicher Luftaustausch müssten dabei gewährleistet sein. "Die Halle müsste also klimatisiert sein. Hinzu kommen weitere Auflagen, beispielsweise die Desinfektion der Matte nach jedem Aufeinandertreffen", berichtet Luptowicz.

Anreiseschwierigkeiten

Auch Auswärtsbegegnungen werfen Fragen auf. "Wie kommen die Ringer zu den Kämpfen? Wie steht es mit Sportlern aus dem Ausland?", fragt sich nicht nur Heiko Scherer, Betreuer der ACL-Bundesligastaffel, an. Selbst wenn die Covid-19-Fallzahlen in Deutschland stetig sinken, ist das nicht weltweit der Fall. Müssen Aktive aus dem Ausland nach der Einreise in eine zweiwöchige Quarantäne?

WM mitten in der Saison

Der internationale Ringerbund UWW hat für die letzten Monate des Jahres drei Weltmeisterschaften angesetzt, die unter normalen Umständen vor der Saison stattgefunden hätten. Die Folge daraus könnten Ausreiseverbote der Nationalmannschaftsringer sein. Aber auch Athleten, die nicht Teil eines Nationalkaders sind, werden von ihren Arbeitgebern kaum Freigaben für Wettkämpfe erhalten.

Neben all der Leidenschaft, mit der die Aktiven der Bundesliga für ihren Sport leben, sind die Ringer keine Vollprofis. Eine Quarantäne vor Kämpfen ist schlichtweg nicht möglich. Selbst flächendeckende Tests mit anschließender zweitägiger Isolation vor jedem Kampf wären für den Ringsport nicht verhältnismäßig.

Termin am Limit

Bereits jetzt ist der Saisonstart bis ans Limit nach hinten verschoben. "Dass es keine normale Saison 2020 geben wird", so Britta Beier, "sollte mittlerweile jedem bewusst sein." Vom DRB kam also die Alternative, eine Saison in Form eines Mannschaftsturnieres an ein oder zwei Tagen abzuhalten. Eine Idee, der auch die Führungsriege des ACL etwas abgewinnen kann. "In dem Fall könnte man die Mannschaft zwei Tage vorher testen", erklärt die ACL-Vorsitzende. Wenn das der Weg ist, um 2020 überhaupt zu ringen, ginge das für den AC Lichtenfels in Ordnung. "Wir wollen ringen, schließlich sind wir ein Ringerverein."

Moralische Vertantwortung des Vereins

Bei allen Bestrebungen, die Bundesligastaffel in diesem Jahr antreten zu lassen, geht es bei der Entscheidung aber um mehr als das Sportliche. "Wir haben eine moralische Verantwortung", so Beier, "wir verlangen, dass die Sportler für uns ringen, dass sie Gewicht machen und gerade da sind sie besonders anfällig für Infektionen." Manchmal müsse man die Sportler vor sich selbst schützen, sagt Beier. Man dürfe nicht riskieren fahrlässig einen Corona-Ausbruch zu verursachen. Diese Verantwortung trage man gegenüber dem Sport, den Ringern, aber auch den Sponsoren. Zwar wird seit jeher beim Wiegen vor jedem Mannschaftskampf auf dem Protokoll bestätigt, dass sich alle Sportler in einwandfreier gesundheitlicher Verfassung befinden, doch nimmt das hinsichtlich der weltweiten Pandemie eine ganz andere Dimension ein.

Neuzugänge bleiben

Sollte es letztlich darauf hinauslaufen, dass heuer keine Mannschaftskämpfe stattfinden - ein Szenario, das in Betracht gezogen werden muss -, wäre zumindest nicht mit großem Schaden für die Mannschaft zu rechnen. "Wir wollen den Aktiven ein sportliches Ziel geben", sagt Scherer. "Unsere Neuzugänge werden bei uns bleiben, selbst wenn sie erst 2021 zum Einsatz kämen. Mittlerweile ist es den Aktiven einfach wichtig zu wissen, woran sie sind."

Mehr Bedenken haben die Verantwortlichen um die Jugend. Vor der Pandemie nahm das Training wieder richtig Fahrt auf, die durch die Corona-Pause gebremst wurde. Hier bestand die Befürchtung, den Nachwuchs an andere Sportarten zu verlieren. Nach den Lockerungen zuletzt sind diese Sorgen kleiner geworden. dam