Die Würfel sind gefallen: Der AC Lichtenfels zieht sein Team aus der Ringer-Bundesliga zurück. Mit Beginn der neuen Saison im Spätsommer 2015 wird die erste Mannschaft den Platz der bisherigen zweiten in der Bayernliga einnehmen, der Start einer Reserve ist in der Gruppenliga geplant.

Bundesliga hat sich gewandelt

So ganz überraschend kommt diese Entscheidung nicht: "Die Bundesliga ist nicht mehr die Bundesliga von vor fünf, sechs Jahren", erklärt ACL-Vorsitzender Stefan Heinlein, "die Entwicklung hin zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in finanzieller und damit auch in sportlicher Hinsicht hat sich beschleunigt". Spätestens die Saison 2014 habe die Erkenntnis gebracht, "dass die Bundesliga auf der derzeitigen Basis für den ACL nicht zu befürworten ist".
Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des absoluten Spitzensports mit vielen auswärtigen Kräften gibt es bei den Korbstadt-Kämpfern schon geraume Zeit. Es wurden und werden zahlreiche Argumente pro und contra ins Feld geführt, nicht nur in der Vorstandssitzungen des Vereins, wo das Thema Bundesliga-Verbleib immer wieder auf der Agenda stand.

Nachwuchs steht im Vordergrund

"Solange wir ein, zwei eigene Leute haben, die an das hohe Niveau der ersten Liga herangeführt werden können, solange ist der ganze Aufwand zu rechtfertigen", hieß es, wenn zum Beispiel das Thema Eigengewächse und deren sinkende Zahl in der ersten Mannschaft zur Sprache kam. Und so war zuletzt auch der Jubel besonders groß über den Shooting-Star der Saison 2014, dem 19-jährigen mehrfachen deutschen Jugend- und Junioren-Meister Hannes Wagner. Doch außer ihm und seinem Trainer Tobias Schütz gab es letztlich keinen, der aktuell in der Eliteliga hätte bestehen können. Der erst 16-jährige Leon Raps sammelte zumindest einige Erfahrungen, aber noch keine Siege.
Komplettiert wurde die ACL-Staffel dann jeweils durch deutsche Sportler, vor allem aus dem Aschaffenburger Raum wie etwa Simon Pilzweger, sowie durch eine steigende Zahl von meist osteuropäischen Ringern, die zwar ihre Sache zumeist gut machten. Doch nicht alle treuen ACL-Fans konnten sich mit dieser Strategie identifizieren, zumal trotz oft nachvollziehbarer Gründe mitunter schon ein reges Kommen und Gehen bei den Sportlern herrschte.

Viele Hochburgen nicht mehr dabei

Neben den sportlichen waren es jedoch auch finanzielle und administrative Überlegungen, die die Waagschale nun doch auf die Seite "Rückzug" haben kippen lassen. Ein Weg übrigens, den praktisch alle bayerischen Ringerhochburgen wie Anger, Hof, Nürnberg, Burghausen oder Hallbergmoos in den letzten Jahren gegangen sind.
Die von fast allen Bundesligisten zuletzt vorgebrachte Kritik am Deutschen Ringerbund (DRB), der - wie jüngst berichtet - das Strukturproblem im Oberhaus seit Jahren nicht zu lösen vermag, zuletzt aber zumindest Dialogbereitschaft signalisiert hat, teilt man beim AC Lichtenfels zwar. Dennoch wird das Ergebnis dieser Diskussion für die Richtungsentscheidung der Korbstadt-Kämpfer nicht mehr maßgeblich sein. In einer Sitzung am Mittwochabend entschieden sich die Vertreter der Vorstandschaft sowie die Gesellschafter der ACL-Sport-GmbH einstimmig für den Rückzug in die Bayernliga.
"Wir wollen jetzt also nicht mit dem Finger auf den Verband zeigen oder einen Sündenbock suchen", betonen die beiden ACL-Sport-GmbH-Geschäftsführer Stefan Mehl und Oliver Dürr den Fair-Play-Gedanken, "aber nach sechs Jahren mit zum Teil großartigem und professionellem Spitzensport ist es jetzt einfach Zeit für eine Neuausrichtung, die auch eine stärkere Fokussierung auf die Nachwuchsarbeit miteinschließt."

Kampfansage von Trainer Hadidi

Der ACL fällt also nicht ins sportliche Nichts: "Wir haben auch künftig einige richtig gute Leute, vielleicht bleibt uns auch der eine oder andere aus der Bundesliga-Staffel erhalten", blickt Trainer Ali Hadidi nach vorne. "Kann gut sein, dass wir den Aufstieg in die Oberliga schon bald in Angriff nehmen werden."