Lichtenfels — Keiner im Lichtenfelser Lager wollte und konnte das glauben: Das Derby mit der HG Kunstadt verlor das Team von Trainer Hans Borchert vor rund 300 Zuschauern mit 16:20 (9:9), obwohl es spielerisch das größere Potenzial aufbot. Borchert suchte nach dem Abpfiff nach Erklärungen: "Meine Mannschaft war offensichtlich übermotiviert. Wir hatten uns sehr gut auf die 4:2-Abwehr der Kunstadter vorbereitet und das im Training ebenso sehr gut umgesetzt."
Aber gerade diese Deckungsvariante der HG Kunstadt war das große Problem für die Lichtenfelser, die viel zu verkrampft, ja regelrecht mit mehreren "Black-Outs" darauf reagierten und sich vom Kunstadter Torwart Alexander Kießling auch noch den Mut nehmen ließen, einen fast aufgeholten Fünf-Tore-Rückstand (15:16, 49.) noch mal als Chance zu sehen.

Abwehrreihen dominieren


An Brisanz fehlte es dieser Partie zu keinem Zeitpunkt. Von Beginn an legten sich beide Teams mächtig ins Zeug. Fehler auf beiden Seiten zeugten von Nervosität, Abschlüsse blieben auf beiden Seiten mehrfach erfolglos. Durch gute Arbeit in den Deckungsreihen fielen nur wenige Tore. Trotzdem hatte die TSL ein Übergewicht. Mit einem schnellen Tempogangriff traf Philipp Rödel zur 3:2-Heimführung, die die HGK per Konter des starken Marco Scholz postwendend ausglich. Dieses Spiel setzte sich umgedreht fort. David Maile setzte einen weiteren Konter zum 6:5 für die Gäste ein, die aber Jonas Höfner per Siebenmeter schnell egalisierte (19.).

Lichtenfels führt mit 8:6


Maurizio Korte und Jonas Höfner tankten sich nacheinander erfolgreich durch die HGK-Deckung und sorgten mit dem 8:6 für Riesenjubel auf den Rängen (21.). Als Gästekeeper Simon Swoboda zweimal nacheinander gegen Höfner und Adrian Goller bravourös pariert hatte, machten Michael Deuber und wieder Maile den 8:8-Gleichstand perfekt. Goller überlistete den HG-Keeper durch einen überlegten Heber zum 9:8 (27.). Über die Führung zur Pause durften sich aber die Kunstadter freuen. Denn David Jung und Marco Scholz nutzten die Lücken in der TSL-Abwehr zum 10:9.

TSL-Angriffe erfolglos


In der zweiten Halbzeit nahm das Unheil für die TSL seinen Lauf. Die Abwehr war durch die hervorragenden Paraden von Lukas Zapf weiterhin sehr gut unterstützt. Allerdings mühte sich der Angriff fast erfolglos ab. Die TSL fand einfach kein Mittel gegen die offensive Deckung, ließ sich immer wieder festmachen, anstatt Eins-gegen-eins zugehen oder mit Positionswechseln und Einsatz der Außen zu agieren.
Kunstadt marschierte davon. Lukas Heppner markierte innerhalb von einer Minute mit zwei Treffern das vorentscheidende 14:9 (38.).
Borchert stellte seine Jungs in einer Auszeit nochmals ein, was zumindest zwischenzeitlich zum Erfolg führte. Alexander John verkürzte per Strafwurf zum 10:14, Fabian Fleischhauer, Rödel und der beherzt kämpfende Maurizio Korte trafen endlich. Beim 15:16 (50.) keimte wieder Hoffnung auf.

HGK-Keeper Kießling hält prächtig


Als aber Höfner und Sascha Bernecker freistehend an Torhüter Kießling scheiterten und postwendend David Jung das 18:15 einnetzte und per Siebenmeter zum 19:15 noch einen draufsetzte, schien alle Zuversicht für die Gastgeber versiegt. Der weit aus dem Tor springende Kießling wurde weiterhin nur angeworfen. Fleischhauer setzte in der 58. Min. den letzten Treffer der Partie zum 16:20 per Konter ins Netz. Die TSL ergab sich dann ihrem Schicksal, während die Kunstadter Fans schon ihre "Auswärtssieg!"-Gesänge anstimmten.

Die Statistik


TS Lichtenfels: Zapf, Lutz - Hannemann, Rödel (2), Fleischhauer (5), Bernecker, Höfner (2/1), Eisele, A. Goller (2), A. John (1/1), Nickol, C. John (2), Korte (2)
HG Kunstadt: Kießling, Swoboda - Scholz (5), Volk (1), O. Oester, N. Oester (1), Nehring, Dück, Deuber (1), Maile (2), Heppner (4), Jung (6/3)