Selbst Alfred Hitchcock hätte es nicht besser inszenieren können: Am letzten Kampftag der Bundesliga-Saison empfangen die Ringer des AC Lichtenfels am morgigen Samstag, 19.15 Uhr, zum Showdown den punktgleichen Luckenwalder SC. Für beide Teams geht es um den Einzug ins Viertelfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaft - und damit gleichzeitig um den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte des AC Lichtenfels.

Als die heimischen Ringerfans im Vorfeld der Saison über den Terminplan der einzelnen Begegnungen diskutierten, wünschten sich viele dieses Szenario. Nun ist es Realität. Im sechsten Jahr der Zugehörigkeit zum Oberhaus des Ringkampfsports kann der AC Lichtenfels Geschichte schreiben und erstmals unter die besten acht Mannschaften Deutschlands kommen.

Der Gegner aus Luckenwalde, der 2006 deutscher Mannschaftsmeister wurde, wird mit breiter Brust und rund 100 Fans im Gefolge in die Korbstadt reisen.
Die Hoffnung der Gäste ist groß - konnten sie doch zu Hause überraschend den Tabellendritten aus Mömbris-Königshofen bezwingen. Dank dieses Erfolges kommt es morgen überhaupt erst zu besagter Ausgangslage.

Nach dem deutlichen 24:9-Auswärtssieg der Lichtenfelser in Luckenwalde schien der Viertelfinaleinzug aufgrund des 15-Punkte-Vorsprungs im direkten Duell bereits sicher zu sein. Auch mit einer knappen Niederlage hätte es für Platz vier gereicht. Nun aber brauchen die Schützlinge von Trainer Ali Hadidi mindestens ein Unentschieden. Mannschaftsführer Jürgen Lieb erwartet einen engen Kampf: "Nur wenn jeder unserer Ringer an seine absolute Leistungsgrenze geht, ist ein Sieg gegen Luckenwalde möglich."

Luckenwalde mit Vorteil

Trotz des eindeutigen Ergebnisses im Vorkampf ist die morgige Begegnung völlig offen. Denn der Stilartwechsel zur Rückrunde kam den Gästen aus Luckenwalde entgegen. Mit dem jungen Bulgaren Stefan Grigorov in 55 kg griechisch-römisch und Philipp Herzog in 60 kg Freistil haben sie in den beiden unteren Gewichtsklassen deutlich zugelegt. Mit Nick Matuhin haben sie den aktuellen deutschen Meister und Olympiateilnehmer im 120 kg Freistil in ihren Reihen.

Offen ist noch die Frage, wen Luckenwalde in der 96-kg- Klasse griechisch-römisch einsetzen wird. Mit Victor Loerincz (ungarischer Meister), Zoltan Fodor (Vizeolympiasieger 2008) und Fredrik Schoen, stehen drei absolute Spitzenringer zur Verfügung. Des Weiteren befinden sich mit Erik Weiß (66 kg Greco), Michel Schneider (66 kg Freistil), Marc Wentzke (74 kg Greco), Lennard Wickel, Felix Menzel (beide 74 kg Freistil), Damian Hartmann (84 kg Greco) und Martin Obst (84 kg Freistil) eine Vielzahl an deutschen Topathleten in den Reihen der Brandenburger.

Auch ACL-Geschäftsführer Uwe Hetzel macht nochmal deutlich, wie eng der Kampf wohl werden wird: "Wir möchten die gute Saison natürlich auch mit Platz 4 vergolden."

Zeit, Geschichte zu schreiben

"Dass es gegen Luckenwalde schwer wird, ist uns allen klar - aber gerade in diesem Kampf erwarte ich mir die volle Unterstützung unserer frenetischen Fans. Wenn nicht bei uns im Hexenkessel, wo dann. Es ist Zeit, Geschichte zu schreiben!" Im Anschluss an den Kampf erfolgt in der AC Halle durch den Deutschen Ringerbund die Auslosung für die Playoffs.

Ganz Ringerdeutschland hat die Augen somit auf Lichtenfels gerichtet. Ob der AC sich auch in einer der Lostrommeln befindet, wird man sehen. Um das unabhängig vom Ausgang des Kampfes erfolgreiche Jahr gebührend ausklingen zu lassen, steigt im Anschluss daran die Jahresabschlussfeier mit Livemusik von Chris Bauer. sche