Acht Kämpfe lang war das Bundesligaduell zwischen den Ringern aus Lichtenfels und Mömbris-Königshofen ein Wettstreit mit überschaubarem Unterhaltungswert und Aufregungspotenzial. Der Gesamtsieger stand früh fest, wie erwartet war es mit 14:7 der Gast vom Untermain. Die beiden abschließenden Gefechte in der 75-Kilo-Klasse jedoch hatten es noch einmal in sich.

ACL schnell mit 0:7 in Rückstand

Zunächst aber deutete nicht viel auf die großen Emotionen am Ende hin. ACL-Talent Leon Raps (57 kg, griechisch) musste sich früh und auf Schulter dem starken Ibrahim Fallacara beugen. Mateusz Filipczak (130 kg, Freistil) konnte trotz aller Anstrengungen die 17 Kilo Gewichtsnachteil beim 0:5 gegen Daniel Ligeti nicht kompensieren.
Und Krum Chuchurov (61 kg, Fr.) durfte zwar am Sieg schnuppern, doch ging dieser nach wechselvollem Verlauf und einem 4:4-Endstand doch an den Mömbriser Oldie Ivan Djorev wegen der höheren Einzelwertungen. Den 0:7-Zwischenstand wieder etwas zu verkürzen, war das Ziel der ACler Romas Fridrikas (98 kg, gr.) und Rumen Savchev (66 kg, gr.). Dies gelang auch, weil der erst 19-jährige Litauer den sichtlich angeschlagenen Robin Ferdinand (RWG) mit 7:0 klar beherrschte und weil der gewohnt stabil stehende Savchev im Vergleich zum 36-jährigen Vahan Juharyan als der aktivere Mann in einem Duell ohne technische Wertung gelten durfte.

Pilzweger mit hohem Gewichtsnachteil

Auch nach der Pause gab es vorerst Vorhersehbares: In der 86 kg-Freistil-Kategorie vertrat Simon Pilzweger den verletzten Patryk Dublinowski, konnte jedoch mit einem Gewichtsdefizit von zehn Kilo gegen den EM-Dritten Istvan Vereb nichts ausrichten. Sein 0:11 war daher ebenso keine Schande wie das 0:16 des jungen Ersatzmanns Niklas Bauer (66 kg, Fr.) gegen Fabian Schmitt.

Belenyuk bleibt ungeschlagen

Der nach wie vor unbesiegte ACL-Europameister Zhan Belenyuk (86 kg, gr.) musste sich diesmal "auf die Hinterfüße stellen", schaukelte letztlich aber doch ein 3:2 über den brandgefährlichen, allerdings eher in der 75-Kilo-Klasse beheimateten Mykola Daragan nach Hause.
Als die Gästestaffel beim 4:14 schon als Sieger feststand, kam unvermittelt nochmals richtiger Budenzauber auf. Das hatte anfangs damit zu tun, dass ACL-Eigengewächs Hannes Wagner (75kg, gr.) eigener Auskunft zufolge "erst etwas geschlafen und reingeflogen" war, wie man im Ringerjargon einen gegnerischen Kopfzug samt frühem 0:6-Rückstand zu kommentieren pflegt.
Infolgedessen musste er unter Beweis stellen, dass er auch einen Rückstand wettmachen kann. "Ich hatte schon kurzzeitig Bedenken, wie ich das anstellen sollte", gab er selbstkritisch Einblick in seine taktischen Überlegungen. Zwei herrliche Ausheber in Runde 2 führten ihn letztlich noch zu einem 9:7-Erfolg über Christian Fetzer.

Spektakuläres am Ende

Beinahe noch aufregender gestaltete sich der Freistilkampf im gleichen Gewichtslimit zwischen dem ACL-Urgestein Serghei Shishkov und Kubilay Cakici. 4:0 führte der ACler nach einem clever gekonterten Beinangriff seines Kontrahenten, der aber dann richtig Dampf machte und seinerseits mit 5:4 vorne lag, ehe Shishkov mit einem Zweier wieder zum 6:5 kam.
Wenige Sekunden vor Schluss kulminierte dann das Duell in einer Aktion, über deren Beurteilung man noch lange wunderbar streiten konnte: Schleuderer-Versuch mit Beinsteller von Blau - Konter des AClers mit dem nahezu identischen Griff - und beide Ringer krachten fast zeitgleich mit den Schultern auf die Matte. Wie also werten?

Umstrittene Entscheidung

Kampfrichter Ralf Schneider (KSV Lauffen) gab den Vierer für den Lichtenfelser, Gästetrainer Gerhard Weisenberger hatte seinen Mann als den Urheber der Aktion ausgemacht und beanspruchte daher die Punkte für Cakici. Sein Kollege Ali Hadidi fand, "das wäre ein klarer Fall für die Challenge - den Videobeweis".
Und auch 10:5-Punktsieger Serghei Shishkov war Sportsmann genug, um zuzugeben: "Das war sicher eine 50:50-Entscheidung mit dem glücklicheren Ende für mich."