Kann eine Schachmannschaft verletzungsbedingt geschwächt antreten? Was nach einem Witz klingt, traf beim Zweitrundenspiel des SK Michelau in der Bezirksoberliga ernsthaft zu. Die Konsequenz waren ungleiche Paarungen am Brett, das Ergebnis wiederum ein Debakel. Mit 2:6 ging der SK beim TSV Bindlach Aktionär III unter.
Der Schachverein Seubelsdorf holte dreimal so viele Punkte wie zum Saisonauftakt, doch nach dem 1:7 zum Start reichten drei Zähler beim SC Höchstadt auch nicht zum Sieg.


TSV Bindlach III - SK Michelau 6:2

Bald nach Freigabe der Bretter setzte es eine wegweisende Niederlage. Angesichts des Stärkeunterschieds war das Ende der Partie nicht verwunderlich, doch der Anfang war es.
Marke Eigenbau dürfte das System heißen, bei dem sich der Michelauer Karl Heinz Seubold zu sehr von Heinz Thiems gekünstelter Eröffnung beeindrucken ließ. Statt auf harmonische Entwicklung zu setzen, geriet Seubold in einen Angriffswirbel, verlor nach einem Einschlag auf der Königsflanke das Rochaderecht und entscheidend Material.
Der zweite Ersatzspieler, Gerd Backert, beschäftigte, obwohl er nach allerlei Verwicklungen mit einem Minusbauern im Mittelspiel verblieb, seinen Gegner Peter Michel ständig und entnerve ihn dadurch. Am Ende schüttelte man sich die Hände zum friedlichen Remis.
Eine rabenschwarze Saison scheint Markus Häggberg ins Haus zu stehen. Gegen den favorisierten Benjamin Opitz gelang ihm in der Eröffnung der Ausgleich, doch sollte der Michelauer einen glatten Bauern ersatzlos einstellen. Technisch mühelos wickelte Opitz in ein gewonnenes Endspiel ab. Dann gelang Benjamin Zerr ein halber Punkt, den er dem favorisierten Marcus Hassa abknöpfte. In origineller Weise behandelte er eine altbekannte Eröffnung und war durchaus auf Angriff gestimmt, doch der versandete zum Unentschieden.
Besiegelt war die Niederlage, als Spitzenspieler Edgar Schaller gegen Kevin Mühlbayer den Kürzeren zog. Unnötig wie ein Kropf, denn mit gewaltigem Druckspiel gegen Mühlbayers beengte Stellung, veropferte er sich schlichtweg und musste aufgeben, als es dem Gastgeber gelang, entlastende Abtausche herbeizuführen.
Bei Holger Köhler und Alexej Dederer fielen in einer wahren Abtauschorgie in den ersten 14 Zügen acht Figuren - unter ihnen die Damen - zum Opfer. Was an Material übrig blieb, reichte dem Michelauer Köhler kaum noch für die Verfolgung eines Planes. Auch hier war ein Remis das höchste der Michelauer Gefühle.
Einen schweren Stand hatte auch Andreas Schüpferling. Nicht nur, dass er den verletzten Gert Grüner am zweiten Brett zu ersetzen hatte, auch seine Stellung geriet in Schieflage. Iwan Rein nutzte einen Mehrbauern und den Vorteil des langschrittigen Läufers gegenüber Schüpferlings Springer zum Sieg.
Als letzte unterschrieben bei diesem Kampf die Kontrahenten Bernd Stammberger und Viktor Benner ihre Partieformulare. Auch sie trennten sich unentschieden, wobei der Michelauer Stammberger lange wie der Verlierer der Begegnung aussah. Hitzig wurde es aber dennoch, kam der Bindlacher Benner der Pflicht zum Mitnotieren zeitweise nicht nach und holte lästige Erkundigung bei Stammberger ein. MH


SC Höchstadt - SV Seubelsdorf 5:3

Das Auswärtsspiel der Seubelsdorfer beim Regionalliga-Absteiger SC Höchstadt gestaltete sich zunächst ausgeglichen. Uwe Voigt sprengte eine zentrale Bauernphalanx und wickelte dabei ins Endspiel ab. Nach einem Remisangebot überlegte er so lange, dass dessen Annahme ratsam war.
Auch bei Marko Hofmann wurden bald darauf die Hände geschüttelt. Der gewohnt schneidige Angriff des Seubelsdorfers war von der allerletzten Verteidigungslinie aufgefangen worden. SVS-Kapitän Kilian Mager mühte sich währenddessen um einen Königsangriff; ein Konter auf der anderen Brettseite hielt die Stellung jedoch im Gleichgewicht, sodass es auch hier zu einem Remis kam.
Nach einem zähen Kampf um einzelne Felder am Damenflügel erzielte Matthias Bergmann ebenfalls ein Remis.
Sehr gut sah es für Seubelsdorf lange am Spitzenbrett aus. Ivan Adamovic ließ Attacken gegen seinen lang rochierten Monarchen ins Leere laufen und schickte sich seinerseits an, die feindlichen Linien zu infiltrieren. Eine einzige Unachtsamkeit kostete ihn jedoch die Dame für einen Turm, womit seine Initiative eingedämmt wurde. Mittlerweile hatte Jugendspieler Tobias Kolb am letzten Brett eine Figur verloren, leistete aber ebenfalls heftige Gegenwehr.
Bis dahin hatte Christian Gebhardt schwache Felder um seinen König mit Figuren geschützt. Die risikofreudige Aufgabe dieser Deckung war dem Mannschaftsstand geschuldet. Doch nachdem zwischenzeitlich Adamovic und Kolb kapitulieren mussten, wurde Gebhardts Mut nicht belohnt, sondern führte zu einer weiteren Niederlage.
Harald Schulze fügte der gegnerischen Stellung Felderschwächen zu und formierte seine Figuren zu immer neuen Angriffswellen. Souverän holte Schulze den bislang einzigen ganzen Brettpunkt der Saison für sein Team und verringerte dadurch die Höhe der Niederlage (3:5).
Die Nachbesprechung auch für Nichtmitglieder findet am Freitag, 28. Oktober, 19 Uhr, im Lichtenfelser Myconius-Haus (Kronacher Str. 16) statt. uv