Die Hauptrolle bei der Premiere des Chiemsee-Triathlons wurde kurzfristig aber neu besetzt: Dirk Bockel meldete sich auf der Mitteldistanz an. Mit dem 35-jährigen Luxemburger, Vierter beim Ironman auf Hawaii im vergangenen Jahr und Sieger des Ironman in Regensburg (3,8 / 180 / 42) vor zwei Wochen, war ein richtiges Schwergewicht der Szene am Start. Ein weiterer Favorit war der Neuseeländer James Elvery an, der nur knapp am Olympia-Kader seines Landes vorbeigeschrammt ist. Letzterer stieg nach 25:14 Min. als Erster aus der zwei Kilometer langen Schwimmstrecke im Chiemsee. Bockel blieb dem Neuseeländer wie schon im Wasser dicht auf den Fersen.

Umweg geschwommen


Dreitz verlor auf der Schwimmstrecke zur Spitzengruppe den Sichtkontakt. Durch die tiefstehende Morgensonne geblendet schlug er nicht den kürzesten Weg ein. "Dadurch bin ich leider einen großen Bogen geschwommen und habe einige Zeit verloren. Das war mein Fehler", berichtet der Michelauer, der zweieinhalb Minuten nach dem Spitzenduo aus dem Wasser stieg.
Auf der bergigen Radstrecke durch den Chiemgau spielte der in Waiblingen geborene Wahl-Luxemburger seine Stärke aus und setzte sich an die Spitze. Dreitz überholte auf den beiden Radrunden Elvery und fuhr als Zweiter in die Wechselzone. Zu Beginn des 20-Kilometer Laufstrecke - eine Fünf-Kilometer-Runde am Chiemsee - hatte Dreitz eineinhalb Minuten Rückstand auf Bockel.

Der Führende in Sichtweite


"Ich habe schnell begonnen und den Rückstand etwas verkürzt. Ich habe ihn schon vor mir gesehen, bin aber nicht an ihn rangekommen. Er hat seinen Vorsprung gut verwaltet", sagte der am Limit laufende 23-Jährige. Einige Zuschauer berichteten dem Michelauer hinterher, dass Bockel bei 30 Grad gequälter ausgesehen habe, als er. Angeblich habe Bockel nicht Vollgas gegeben, was aber auch sicher daran lag, dass er noch den Landdistanz-Wettkampf von vor zwei Wochen in den Beinen stecken hatte. Dreitz lag dagegen Mitte vergangener Woche noch mit einer Erkältung flach, rappelte sich aber bis zum Wochenende wieder auf.
Während die Zuschauer sich im Chiemsee abkühlten, quälten sich 313 Finisher bei großer Hitze bis ins Ziel. "Ich habe bei den zwei Verpflegungsstationen pro Runde immer angehalten, um fünf Becher zu trinken. Doch die Zeit, die man dabei verliert, ist es wert, sonst bekommt man hintenraus Probleme", weiß Dreitz. Am Ende nahm der 23-Jährige dem zwölf Jahre älteren Bockel fast eine Minute beim Lauf ab und finishte mit nur 37 Sekunden Rückstand als Zweiter.

Trainingsleistung besser als im Wettkampf


Auch wenn der Michelauer sich nur einem Top-Triathleten beugen musste, ärgerte er sich zu einen über seinen Fehler beim Schwimmen. "Zum anderen bringe ich derzeit beim Schwimmen im Wettkampf nicht die Leistungen, die ich im Training zeige. Hier habe ich mich noch nicht so verbessert, wie ich es mir vorstelle", sagt der in Bayreuth Sportökonomie studierende Michelauer über sich. In Bayreuth hat Dreitz mit dem Bayern-Kader- und SV-Bayreuth-Nachwuchstrainer Rainer Skutschik seine Schwimmleistungen extrem gesteigert.
Bis zum Saisonhöhepunkt am 12. August bei der Ironman-Europameisterschaft über die Halbdistanz (1,9 / 90 / 21,1) in Wiesbaden plant der Michelauer noch Starts beim City-Triathlon in Frankfurt am 4. August und "vielleicht noch zwei bis drei Rennen über die Olympische Distanz", um sich die nötige Tempohärte für Wiesbaden zu holen. Denn auch die Triathleten lieben den Wettkampf mehr als das Training.