"Nürnberg war schon gut, Bayreuth aber auch. Naja, und nach der Pause war es langweilig", so lautete die Kurzanalyse des zehnjährigen Luis Kremer aus dem Weismainer Stadteil Krassach. Und mit diesen Sätzen ist die Geschichte des Vorbereitungsspiels zwischen dem Bundesligisten 1. FC Nürnberg und dem Bayernligisten SpVgg Bayreuth eigentlich auch schon erzählt. 4:0 endete die Partie, die im Weismainer Waldstadion mit dem Einlauf der Profis begann.

An ihren Händen liefen die E-Junioren des SCW Obermain, zu denen auch Luis zählt. Luis' Einschätzung teilten wohl die knapp 3000 Zuschauer, die alles andere als ein Fußballfest erlebten. Wie die Leistung auf dem Platz ging auch die Stimmungskurve rund um die einzigartige Sandsteintribüne nach euphorischem Beginn immer weiter nach unten.

Vor allem die Clubspieler wirkten müde. Fast so müde wie ihr Trainer Michael Wiesinger, als er sein letztes Interview des Tages knapp eine Stunde nach Spielschluss herunterspulte. Während seine Mannschaft aschon abreisebereit im Bus saß, sagte er genau das, was Trainer nach solchen mäßigen Testspielen halt sagen. "Nach drei Wochen harter Vorbereitung hat die Spritzigkeit gefehlt" oder "Spielerische Lösungen zu finden hat heute nicht immer geklappt". Unzufrieden sei er dennoch nicht, konnte er doch in punkto Aufstellung einiges ausprobieren, "und die Bereitschaft meiner Spieler war da".

Ein paar Meter entfernt zeigte Luis die weitaus größere Ausdauer. Hinter der Absperrung wartete der junge Fußballballer noch auf die letzten Nürnberger, um seine Unterschriften-Sammlung auf dem Trikot zu vervollständigen.


Schwieriger Beginn für den Club

Gut drei Stunden zuvor sah der Zehnjährige, dass sich sein Bundesligist, der ohne viele Stammkräfte (Schäfer, Balitsch, Pinola, Feulner und Confed-Cup-Urlauber Kiyotake) nach Weismain kam, in den ersten 20 Minuten schwer tat. "Oldschdod"-Trainer Heiko Gröger hatte seine Schützlinge bestens eingestellt, die SpVgg ließ mit guten Stellungsspiel in der Defensive und einigen mutigen Angriffen den Vier-Klassen-Unterschied zwischen Bundes- und Bayernligist nicht selten vergessen.

Für Jubel bei den Club-Anhängern sorgte dann Tomas Pekhardt, als er sich im Strafraum durchsetzte und aus zehn Metern ins rechte Eck traf. Von da an stieg das Niveau etwas, zwölf Minuten später erhöhte Robert Mak mit einem 20-Meter-Flachschuss.

Nach Zuspiel von Josip Drmic, der wie alle anderen Nürnberger Neuzugänge mit Startelf-Potenzial weitgehend unauffällig blieb, gelang Niklas Stark von der Sechzehnerkante das 3:0. "Der ist für sein junges Alter schon ziemlich gut", urteilte Luis Kremer über den 18-Jährigen, der je eine Hälfte als "Sechser" und in der Innenverteidigung zu den Besseren auf Club-Seite zählte.

Die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Torreigens erfüllte sich im zweiten Abschnitt nicht. Sehenswerte Szenen blieben ebenso Mangelware wie Fangesänge auf den Rängen. Luis' Lieblingsspieler Alexander Esswein - weil wie er ein Linksaußen - vergab eine Handvoll guter Gelegenheiten und sorgte mit einem Schuss aus 20 Metern, der zum Härtetest für die Solarmodule auf dem Sportheimdach geriet, für einen unfreiwilligen Höhepunkt.
Kurz vor Schluss kann mit der Einwechslung von Martin Rosnizek Stimmung auf.

Der 26-jährige Oberpfälzer hatte sich die fünf Minuten gegen den Club mit 1710 Euro bei eBay ersteigert. Er wurde ebenso beklatscht, wie Bayreuths Trikotsponsor. Dieser erhöhte den Betrag zugunsten der Familie des kürzlich verunglückten ehemaligen SpVgg-Spielers René Hübner auf 2000 Euro. Dadurch war der 4:0-Endstand durch Mu Kanazaki nur Randnotiz.

"Im ersten Pflichtspiel im Pokal gegen Sandhausen spielen sie besser", war Nachwuchskicker Luis am Ende zuversichtlich. Damit sich diese Hoffnung erfüllt, beeilte sich der FCN auch mit dem Nachhausekommen. "Morgen früh ist schließlich wieder Training", begründete Wiesinger.